• vom 01.03.2010, 17:32 Uhr

Stadtleben

Update: 01.03.2010, 17:41 Uhr

Wiener Linien gehen auf Türfühlung




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Von Nina Flori

  • 240 Straßenbahnen der ältesten Generation werden umgerüstet.
  • Sensiblere Türfühler-Kanten sollen ein Einklemmen verhindern.
  • Techniker-Team entwickelte passende Rückspiegelkonstrukion.
  • Wien. Dass Frau Maier verzweifelt vor der Straßenbahn steht, ihr Dackel Wasti ängstlich mit der Straßenbahn abfährt und die Leine, die Frauerl und Hunderl verbindet, in der Straßenbahntür eingeklemmt ist, sollte von nun an nicht mehr passieren. Auch sollten in Zukunft keine Spazierstöcke von Fahrgästen, die mit Hilfe jener die Straßenbahn aufhalten wollen, in Türen abfahrender Züge stecken bleiben.

Und keinesfalls sollte es - wie in der Vergangenheit - zu Unfällen kommen, bei welchen in den Einstieg eingeklemmte Passagiere von der abfahrenden Straßenbahn mitgeschleift werden.

Um derartige Vorkommnisse zu verhindern, ist man bei den Wiener Linien zurzeit mit der Umrüstung von rund 300 Straßenbahnen der ältesten Generation (E1 und E2) beschäftigt. Diese erfolgt auf zweierlei Weise: Zum einen werden sie mit Rückspiegeln versehen. "Diese wurden eigens von einem Techniker-Team der Wiener Linien entwickelt", erklärte der Elektrotechnik-Verantwortlicher der Wiener Linien, Martin Muschitz, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" am Montag. "Da die Straßenbahnen zwischen 30 und 35 Jahren alt sind, gibt es hier nämlich keine bestellbaren Konstruktionen auf dem Markt."


Die Spiegel - geschätztes Investitionsvolumen eine Million Euro - müssen zwei Anforderungen erfüllen: Einerseits muss der Fahrer den Türbereich einsehen können, andererseits darf das Gestänge - um Kollisionen zu verhindern - nicht zu weit in den Straßenraum hineinragen. Besonders stolz ist man bei den Wiener Linien auf die elektrische Beheizbarkeit und die Schwenkbarkeit der Spiegel, wodurch dem Fahrer ein optimales Sichtfeld auf alle Türen ermöglicht werden soll. Durch die Modulbauweise der Geräte können die Straßenbahnen während des Betriebs umgerüstet werden.

Die zweite Umrüstungsaktion betrifft die Türen: Rund 240 Fahrzeuge werden mit sensibleren Türfühlern ausgestattet. "Die neuen, elektrischen Türkanten reagieren durch ihre Bauart sensibler auf Druck - auch bei kleineren und dünneren Hindernissen, wie etwa eine Leine", erklärte Muschitz. "Sie verhindern bei Belastung das Schließen der Türen, stoppen den Schließvorgang oder verhindern das Abfahren des Zuges bei in der Tür einklemmten Gegenständen." Rund 900 Türen werden dabei umgerüstet - bis dato sind 90 Prozent der Türen modernisiert worden.

Kritik am Tempo der Umrüstung ernteten die Wiener Linien allerdings von der ÖVP: "Die Wiener Linien betonen immer wieder, dass die Sicherheit der Fahrgäste an erster Stelle steht, umso unverständlicher ist die Trägheit, mit der die Aufrüstungen erfolgen", meinte Verkehrssprecher Wolfgang Gerstl am Montag. Denn angekündigt wurde das technische Upgrading bereits vor einem Jahr. Damals ging man bei den Wiener Linien von einem Ende 2009 abgeschlossenen Türumbau aus. Die Kosten wurden - anstelle von nun zwei Millionen Euro - ursprünglich mit 500.000 Euro beziffert.

Aufrüstung bis Jahresende

Bei den Wiener Linien zeigt man sich hingegen zufrieden: "Wir planen bis Jahresende alle älteren Straßenbahnen aufgerüstet zu haben", so Muschitz. Die neueren Niederflur-Fahrzeuge seien ja ohnehin standardmäßig mit Rückspiegeln und Einklemmschutz versehen. Dass auch nach Tätigung der technischen Verbesserungen ein "Mitschleif-Unfall" passieren könne, wollte der Techniker aber nicht gänzlich ausschließen. "Wir erfüllen aber alle Voraussetzungen, um dies zu verhindern". Muschitz verwies auf das bis zu 30-mal geringere Unfallrisiko als im Auto. So müsste man theoretisch 13.700 Jahre mit der Straßenbahn fahren, bevor man bei einem Unfall verletzt werde. Und auch die Fahrgäste dürften sich in den Wiener Öffis nicht allzu unsicher fühlen, wie der Fahrgastrekord 2009 zu erkennen gibt: Denn 812 Millionen Fahrgäste - um 1,02 Prozent mehr als 2008 - nutzten 2009 Bim, Bus und U-Bahn in Wien.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2010-03-01 17:32:00
Letzte Änderung am 2010-03-01 17:41:00

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