• vom 12.08.2009, 18:53 Uhr

Stadtleben

Update: 12.08.2009, 19:34 Uhr

Die ehemalige Zementfabrik in Kaltenleutgeben soll Wohnungen weichen

Wohnungsanlage statt Zementwerk Perlmooser




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Von Petra Tempfer

  • Steinbruch und Abfüllwerk sind nach wie vor in Betrieb.
  • Anrainer fürchten Verkehrschaos durch 400 neue Wohnungen.
  • Kaltenleutgeben. Graue Turmruinen, verfallene, mit Graffiti besprühte Lagerhallen und Silos, von denen der Putz abbröckelt, erinnern in Kaltenleutgeben im Bezirk Mödling in Niederösterreich an die ehemalige Blütezeit der Perlmooser-Zementfabrik. Nach deren Schließung im Jahr 1996 sind nur mehr der Kalksteinbruch und eine Zement-Abfüllanlage in Betrieb - und auch diese Relikte sollen verschwinden und einer gigantischen Wohnungsanlage weichen.

Turmruinen der ehemaligen Zementfabrik prägen das Bild Kaltenleutgebens. Foto: BV23

Turmruinen der ehemaligen Zementfabrik prägen das Bild Kaltenleutgebens. Foto: BV23

Die Bezirksvorstehung Wien-Liesing plant nämlich, auf dem Fabriks-Grund rund 400 Wohnungen zu errichten. "Die Ruine ist potthässlich und verschandelt das ganze Tal", meint Bezirksvorsteher Manfred Wurm (SPÖ) zu dem gewaltigen Gebäude-Komplex, der sich aus dem Tal der Dürren Liesing erhebt.

Die öffentliche Auflage des Flächenwidmungsplanes - die Umwidmung des Baulandes von Industrie- in Wohngebiet - ist laut Bezirksvorsteher-Stellvertreter Gerald Bischof bereits gestartet worden. Diese wird am 1. Oktober enden, davor ist eine Bürgerversammlung geplant, bei der über das Vorhaben informiert wird. "Erst wenn die Flächenwidmung rechtskräftig ist, können wir uns an die Detailplanung machen", sagt Bischof, "der Baubeginn ist daher frühestens 2011 möglich."


Die Lafarge Perlmooser GmbH, die 1938 als Perlmooser AG die im Jahr 1896 gegründete Rodauner Kalk- und Zementfabrik AG übernommen hat, begrüßt ihren Rückzug aus dem Areal. "Wir haben die potenziellen Käufer an Land gezogen, die hier gemeinnützigen Wohnbau betreiben würden", erklärt Alfred Chalupsky von der Lafarge Perlmooser GmbH.

Der Steinbruch sei nicht sinnvoll nutzbar, das Werk im Prinzip geschlossen. Nach einem Verkauf - der Abriss der Ruine würde gegengerechnet - könne man sich intensiver auf die zwei weiteren Werke in Niederösterreich und der Steiermark konzentrieren. Weniger glücklich ist die Holcim GmbH, die seit 1996 die Abfüllanlage betreibt. "Wir sind von der Bezirksvorstehung bis heute nicht informiert worden", bekrittelt Geschäftsführer Josef Nowak, "eine Umwidmung ist aber nur dann möglich, wenn wir weggehen." Eine Voraussetzung, die Nowak verhindern möchte.

Ende der Bahnstrecke

Auch Anrainer scheinen den Anblick des verfallenen Zementwerkes möglichen Nachteilen durch eine Wohnungsanlage vorzuziehen. "Von den Bewohnern der 400 Wohnungen haben sicher die meisten ein Auto", meint ein Anrainer, "die Verkehrsbelastung nimmt dadurch massiv zu." "Dafür fällt der Lkw-Verkehr zu den Betrieben weg", kontert Bischof, "außerdem sind verkehrstechnische Verbesserungen wie etwa eine Ampel an der Kaltenleutgebner Straße geplant."

Eine weitere Änderung, die mit der kompletten Schließung des Werkes einherginge, ist der Abriss der Kaltenleutgebener Bahn, eine Nebenlinie der Südbahn von Wien-Liesing. Seit 1951 wird diese nur mehr für den Güterverkehr genutzt - einige Anrainer hofften aber noch immer, dass zumindest die Strecke von Liesing nach Perchtoldsdorf wieder für den Personenverkehr adaptiert wird.

Aus Angst vor dem Tod der Bahnlinie haben einige Anrainer eine Bürgerinitiative gegründet, die sich für deren Erhalt einsetzt. Christopher Seif, Sprecher der ÖBB, zerschlägt allerdings alle Hoffnungen. "Der Streckenabschnitt ist nicht elektrifiziert", meint er, "die Errichtung von Oberleitungen und die Renovierung der Bahnsteige wäre eine Rieseninvestition."



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2009-08-12 18:53:00
Letzte Änderung am 2009-08-12 19:34:00

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