Wie der "Wiener Zeitung" am Rande der Detailpräsentation der neuen WU bestätigt wurde, klaffte bis vor kurzem noch ein 200-Millionen-Loch: "Ohne Krise und vorgezogenem Konjunkturpaket wäre das nicht machbar", hieß es von mehreren Stellen. Indirekt bestätigt dies auch WU-Rektor Christoph Badelt: "Die WU ist jetzt Teil dieses Konjunkturpakets. Wir mussten aber sehr wohl den Sparstift ansetzen und das Projekt abspecken." Um rund zehn Prozent sei das Vorhaben gegenüber den ersten Plänen redimensioniert worden - unter anderem nach Gesprächen mit dem Finanzministerium. Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) steht jedenfalls voll hinter dem neuen Campus und spricht von "hervorragend angelegtem Geld": "Ein Wirtschaftsimpuls zur richtigen Zeit."

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Für den aus sechs Bauteilen bestehenden Campus wurden international anerkannte Spitzenarchitekten gewonnen, die sich in einem Wettbewerb durchsetzen mussten. Das Bibliotheks- und Lernzentrum als Mittelpunkt der neuen Uni (siehe Grafik oben) wird von der irakischen Architektin Zaha Hadid geplant. Das Eingangsgebäude bei der U2-Station Messe wurde vom spanischen Architekten Eduardo Arroyo entworfen und soll die "Executive Academy" der WU (Ausbildung von Führungskräften) beherbergen. Das Gebäude W2, in dem unter anderem Forschung und Verwaltung einziehen werden, stammt aus der Feder des Briten Peter Cook, der schon das spektakuläre Kunsthaus Graz gebaut hat. Der gegenüberliegende W1-Komplex (u. a. Finanz- und Volkswirtschaft) stammt von Carme Pinos (Spanien). Die Departmentgebäude im Osten (O2) wurden von Hitoshi Abe (Japan) bzw. der Österreicherin Laura Spinadel (O1) entworfen. Ihr Büro zeichnet auch - wie berichtet - für die Anordnung der einzelnen Komplexe verantwortlich. Planungsstadtrat Rudolf Schicker (SPÖ) sprach darob auch von einer "hervorragenden Mischung" zwischen Wiener und internationaler Architekturszene, die an einem Platz realisiert werde.

Diskussion um Hadid

Für Diskussionen in der Jury sorgte allerdings Zaha Hadid: "Die Probleme mit ihrem verunglückten Projekt in der Spittelau hätten fast zu einem negativen Votum geführt", berichtet ein Jury-Teilnehmer gegenüber der "Wiener Zeitung". Besagter Wohnbau am Donaukanal stand lange Zeit leer und riss den Bauträger SEG in die Tiefe; Hadid hatte freilich die Umsetzung ihrer Pläne kritisiert und sich vom Projekt distanziert. Bekannt geworden in Österreich ist die mehrfach prämierte Architektin mit ihrem Neubau der Berg-Isel-Schanze in Innsbruck.

Nachdem die Flächenwidmung für das rund zehn Fußballfelder große Areal bereits genehmigt ist, soll der Bau (102.000 m² Nutzfläche) Ende 2009 beginnen. Sollte es zu Verzögerungen kommen, könnte der Mietvertrag am bisherigen Standort allerdings verlängert werden, erklärt Christoph Stadlhuber, Geschäftsführer der Bundesimmobiliengesellschaft. Aktuell werde mit der Uni Wien über eine Nachnutzung der WU-Gebäude verhandelt - nach einer Sanierung wäre der frühest mögliche Bezugstermin 2015.