• vom 21.02.2008, 12:49 Uhr

Stadtleben

Update: 21.02.2008, 12:58 Uhr

Museumsstücke

"Kunst könnt ihr machen, Geld nicht!"




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Von Johann Werfring

  • Eines der herausragenden Prunkstücke des Wiener Uhrenmuseums ist die von Franz Zajicek in zehnjähriger Arbeit gebaute Bodenstanduhr mit astronomischen Anzeigen.

Museumsleiter Rupert Kerschbaum mit der Kunst- und Prunkuhr der Wiener Weltausstellung 1873 von F. Zaji è ek. Foto: J. Werfring

Museumsleiter Rupert Kerschbaum mit der Kunst- und Prunkuhr der Wiener Weltausstellung 1873 von F. Zaji è ek. Foto: J. Werfring Museumsleiter Rupert Kerschbaum mit der Kunst- und Prunkuhr der Wiener Weltausstellung 1873 von F. Zaji è ek. Foto: J. Werfring

Die Lebensgeschichte des Franz Zajicek ermöglicht gute Einblicke in die Sozialgeschichte der ausklingenden Habsburgermonarchie. 1828 wurde er in einem kleinen Dorf in Böhmen geboren. Noch vor Vollendung des zehnten Lebensjahres "rekrutierte" ihn ein durch die Kronländer ziehender Agent als billige Arbeitskraft für einen Wiener Lederwarenerzeuger.


Als der junge Taschner-Lehrling in der alten Kaiserstadt eines Tages vor einem Uhrmachergeschäft steht und fasziniert das Schwingen der Pendel beobachtet, war es für den Uhrmachermeister Wenzel Rauch, der damals Bürgermeister von Untermeidling war, ein Leichtes, den Knaben dazu zu überreden, bei ihm eine Uhrmacherlehre anzutreten.

Wie sich später herausstellen sollte, war der Berufsumstieg goldrichtig gewesen. Schon bald fand Zajicek Gefallen an der Tochter seines Meisters, was diesem aber ganz und gar nicht behagte, weil sich Vater Rauch einen wohlhabenderen Schwiegersohn gewünscht hätte.

Hof- und Kammeruhrmacher

Der Wiener Uhrmachermeister Franz Zajicek (1828-1902). Foto: Wien Museum

Der Wiener Uhrmachermeister Franz Zajicek (1828-1902). Foto: Wien Museum Der Wiener Uhrmachermeister Franz Zajicek (1828-1902). Foto: Wien Museum

Nach schwerem Zerwürfnis zwischen Rauch und Zajicek zog Letzterer mit seiner enterbten Frau nach Wien-Gumpendorf, wo er als selbständiger Uhrmacher ganz klein anfangen musste. Dazu kam, dass das Ehepaar Schicksalsschläge am laufenden Band einstecken musste. Innerhalb von 25 Jahren brachte Zajiceks Frau 24 Kinder zur Welt, von denen 20 die ersten Lebensjahre nicht überlebten. Beruflich ging es einigermaßen voran. 1860 erhielt Zajicek Aufträge für Arbeiten in der kaiserlichen Burg und in der Folge den Titel "Hof- und Kammeruhrmacher". Für die Wiener Weltausstellung 1873 fertigte er aus eigenem Antrieb und ohne Auftraggeber in zehnjähriger Arbeit von 1863 bis 1873 eine "Kunst- und Prunkuhr" an.

Die Zeitrechnung dieser Uhr ist bis zum Jahr 10999 vorprogrammiert. Die astronomischen Angaben umfassen den Lauf der Sonne, die Mondphasen und das Mondalter für die Berechnung des Jahreskalenders. Eine technische Besonderheit ist das Rostpendel aus verschiedenen Metallen für die exakte Zeitangabe bei Temperaturschwankungen. Rubine sorgen für einen besonders reibungsarmen Betrieb. Um den einjährigen Gang der Uhr sicherzustellen, wiegen die beiden Gewichte zusammen 30 Kilogramm.

Die Uhr brachte Zajicek auf der Weltausstellung zwar große Anerkennung ein, jedoch kein Geld. Mehr als 10.000 Gulden hatte er beim Bau der Uhr verbraucht. Nach Beendigung der Wiener Weltausstellung zahlte Kaiser Franz Joseph für Zajiceks Uhr 8000 Gulden und übergab sie dem damaligen Kunstgewerbe-Museum.

Nicht nur Zajicek selbst, sondern auch jedes einzelne seiner vier am Leben gebliebenen Kinder war künstlerisch begabt. Seine Frau, die sich zwar über die Talente der Ihrigen riesig freute, brachte des öfteren ihre gemischten Gefühle darüber zum Ausdruck: "Kunst könnt ihr alle machen, aber Geld könnt ihr keines machen!"

Wiener Uhrenmuseum
Kunst- und Prunkuhr der Wiener Weltausstellung 1873

1010 Wien, Schulhof 2

Di bis So 10-18 Uhr

Tel. (01) 533 22 65
www.wienmuseum.at/75.asp



Dokumenten Information
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Dokument erstellt am 2008-02-21 12:49:56
Letzte Änderung am 2008-02-21 12:58:00

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