• vom 26.12.2007, 17:08 Uhr

Stadtleben

Update: 02.01.2008, 11:20 Uhr

Museumsstücke

G´schichtln, Schmankerln und Prosit




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Von Johann Werfring

  • Aus den Beständen des ehemaligen "k.k. Postmuseums" gestaltete das Technische Museum Wien eine Neujahrsausstellung.
  • Die Kleinausstellungen des Technischen Museums im Bereich des hauseigenen Cafés sind immer besonders charmant arrangiert. Passend zum Jahreswechsel präsentiert das Museum derzeit die Kulturgeschichte des "Postbüchels", das als Neujahrsgabe der österreichischen Briefträger eine jahrhundertelange Tradition hat.

Die Kleinausstellungen des Technischen Museums im Bereich des hauseigenen Cafés sind immer besonders charmant arrangiert. Passend zum Jahreswechsel präsentiert das Museum derzeit die Kulturgeschichte des "Postbüchels", das als Neujahrsgabe der österreichischen Briefträger eine jahrhundertelange Tradition hat.


Wie Forschungen ergeben haben, gab es das Postbüchel schon in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Die ältesten in der Ausstellungen gezeigten Objekte sind zwei Postbüchel aus dem Jahr 1701. Damals hatte es in Wien zwei Briefträger gegeben. Johann Jordan legte mit seinem 1701erPostbüchel eine Topographie Wiens vor, die in ihrer Art für die kaiserliche Residenzstadt eine Novität war. Der zweite Briefträger, Paul Wilhelm, brachte unter dem Titel "Geflügelter Mercurius" einen Text von Abraham a Sancta Clara heraus. Ganz offensichtlich hatte ihn der berühmte Prediger extra für diese Zwecke verfasst.

Erlauchte Postkundschaft

Der Kundenkreis der Briefträger war damals noch vergleichsweise klein und exklusiv. Es versteht sich, dass die erlauchte Kundschaft den beiden Briefträgern für das gediegene Geschenk ein entsprechendes Trinkgeld zukommen ließ. Aus diesen Gegebenheiten heraus ist die spektakuläre Aufmachung der beiden 1701er-Postbücheln nachvollziehbar. Spätere Neujahrsgaben, wie sie in der Ausstellung ab 1754 zu sehen sind, waren nicht mehr derart prunkvoll ausgestattet, zumal sich das soziale Prestige (und damit das Einkommen) der Briefträger im Lauf des 18. Jahrhunderts verschlechtert hatte. Da die Briefträger nach und nach schlechter entlohnt wurden, spielten die Trinkgelder, die sie mit der jährlichen Verteilung ihrer Postbücheln lukrieren konnten, eine zunehmend wichtige Rolle. Insofern bemühte man sich um eine attraktive Gestaltung der gedruckten Neujahrsgaben, um die Trinkgeldgeber möglichst bei Laune zu halten.

In den meisten Postbücheln des 18. und 19. Jahrhunderts, die zunehmend ein Massenpublikum erreichten, wurden humoristische G´schichtln und Schmankerln nach dem Geschmack des Publikums zum Besten gegeben. Ein wesentliches Strukturelement der Büchel waren die "nicht zustellbaren Briefe" mit kuriosen und heiteren Inhalten. Ob es sich dabei tatsächlich um Briefe handelte, die ihre Empfänger nicht erreicht hatten, oder um eine literarische Fiktion, ist heute nicht mehr zu klären.

Besonders ansprechend und farbenfroh war jeweils das Cover der gedruckten Neujahrsgabe gestaltet. Auf den Titelblättern finden sich immer wieder Abbildungen von technischen Innovationen, aber auch romantische Szenen und verklärte Bilder aus dem Briefträgeralltag spielen eine Rolle.

1914 bis 1918 erschienen Kriegspostbücheln. In den Jahren 1921 bis 1928 wurde das Postbüchel von der Postgewerkschaft verboten, weil diese die Ansicht vertrat, dass die Neujahrsbetteleien eines Staatsbediensteten unwürdig seien. Auch zwischen 1938 und 1953 pausierte das Postbüchel. Bemerkenswerterweise gibt es die gedruckten Neujahrsgaben der Briefträger, wenn auch mit verändertem Design und Inhalt, selbst heute noch.

Technisches Museum Wien

P(r)ost Neujahr!

Postbücheln aus vier Jahrhunderten

Mo bis Fr 9 -18, Sa, So, Feiertage 10 -18 Uhr (bis 29. Februar). 31. Dezember und 1. Jänner geschlossen.

Tel. (01) 899 98/0

www.tmw.at - "P(r)ost Neujahr" gibt es auch als virtuelle Ausstellung.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2007-12-26 17:08:29
Letzte Änderung am 2008-01-02 11:20:00

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