• vom 01.10.2005, 15:21 Uhr

Stadtleben

Update: 01.10.2005, 15:23 Uhr

Wiener Museumsstücke

Eine Minnegabe für die Liebste




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Von Johann Werfring

Minnekästchen. Lindenholz, 14. Jh., 19,5 ×12,5 × 9,3 cm. HSC Graz

Minnekästchen. Lindenholz, 14. Jh., 19,5 ×12,5 × 9,3 cm. HSC Graz Minnekästchen. Lindenholz, 14. Jh., 19,5 ×12,5 × 9,3 cm. HSC Graz

Im 14. und 15. Jahrhundert war es an vielen Orten Europas üblich, dass adelige Herren ihrer Herzensdame zum Zeichen der Zuneigung und als Liebesbeweis ein kunstreich gefertigtes Kästchen schenkten. Solche Behältnisse waren meist mit einem Schloss ausgestattet, um wertvolle Gegenstände darin verwahren zu können. Nicht selten erhielt dieumworbene Dame das Kästchen zusammen mit darin befindlichen Schmuckstücken, kostbaren Stoffen und anderen Liebesgaben.


Das "Technische Museum Wien" zeigt in seiner Ausstellung "aufgesperrt" ein hölzernes "Minnekästchen" aus dem späten Mittelalter, das mit einer Reihe von Minnesymbolen verziert ist. Solche Symbole wurden anno dazumal in gehobenen Kreisen ganz selbstverständlich verstanden, ihre Kenntnis gehörte gewissermaßen zur Allgemeinbildung. An der Oberseite des Kästchens findet sich eine Szene mit einem züngelnden Löwen vor einer Burg. Der Löwe, der diese Burg (= die Dame) belagert, steht für den Herrn. Seine kräftige Gestalt soll Stärke symbolisieren. Dass er seine ursprüngliche Wildheit verloren hat, ist an dem langen Seidenschal erkennbar, den er um den Hals gebunden hat.

Ebenso wie hier die vorzüglichen Eigenschaften des Mannes mit einer Löwenfigur gepriesen werden, weisen viele Minnekästchen weitere symbolhafte Tiere auf. Während etwa der Hund als ein Symbol für die Treue galt, stand der Affe für die sexuelle Begierde. An der Vorder- und Rückseite des hier gezeigten Minnekästchens befinden sich mehrere Abbildungen von Einhörnern. Nach altem Volksglauben war eine Jungfrau für das Einhorn geradezu unwiderstehlich. Aus diesem Grund, so die Überlieferung, versuchte man Einhörner sogar mithilfe von Jungfrauen zu fangen: Demnach empfahl es sich, dem Einhorn ein schönes "unberührtes" Mädchen in den Weg zu legen. Sobald das Einhorn an der betreffenden Stelle vorbeikommen würde, sei es magisch von der Jungfrau angezogen, lege ihr das Horn in den Schoß und sei von diesem Moment an zahm. Freilich hat das Einhorn des Minnekästchens seine Entsprechung in der (vorausgesetzten) Keuschheit der Beschenkten.

Auch die zahlreichen auf dem Kästchen abgebildeten Pflanzen haben einen speziellen Aussagewert. Eichenblätter etwa symbolisieren Standhaftigkeit und Treue, der Granatapfel steht für die feurige Liebe ("Ich will deine Frucht"), die Lilie deutet die Jungfräulichkeit an und die Rose ist - wie auch heute noch - ein Sinnbild der Liebe schlechthin.

Was Wer Wo Wie

"aufgesperrt" - Hans Schell Collection zu Gast im Technischen Museum Wien (bis 31. Dezember)

1140 Wien, Mariahilfer Straße 212

Mo. bis Fr. 9-18 Uhr, Sa., So. und Feiertage 10-18 Uhr

Infos im Web: www.tmw.at

www.schell-collection.com

Empfehlenswert für Freunde der historischen Alltagskultur.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2005-10-01 15:21:08
Letzte Änderung am 2005-10-01 15:23:00

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