• vom 02.03.2005, 09:11 Uhr

Stadtleben

Update: 06.11.2015, 19:02 Uhr

Papyrusmuseum

Zocker der Antike




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Von Johann Werfring

  • Wiener Museumsstücke

Römische Würfel und Becher aus Röhrenknochen, 3. Jh. n. Chr.

Römische Würfel und Becher aus Röhrenknochen, 3. Jh. n. Chr.© Johann Werfring Römische Würfel und Becher aus Röhrenknochen, 3. Jh. n. Chr.© Johann Werfring

Alea iacta est! (Der Würfel ist gefallen!) Mit diesen Worten überschritt Gaius Iulius Caesar am 10. Januar 49 v. Chr. den Rubikon und eröffnete damit den Bürgerkrieg gegen seine innenpolitischen Rivalen.

Es ist kein Zufall, dass sich ausgerechnet ein römischer Herrscher mit diesem Ausspruch unauslöschlich in das kollektive Gedächtnis der Nachwelt eingeschrieben hat. Obwohl der römische Staat das Würfelspiel gesetzlich untersagt hatte, hielten sich viele Machthaber selbst nicht an das Verbot. Kaiser Aulus Vitellius (15–69 n. Chr.) beispielsweise soll für die Würfel ein ganz besonders glückliches Händchen gehabt haben. Und Kaiser Claudius (10 v.–54 n. Chr.) war dem Würfelspiel derart leidenschaftlich verfallen, dass ihn der römische Schriftsteller Seneca (um 4 v.–65 n. Chr.) als einen Vedammten in der Unterwelt beschrieb, der zum ewigen Spiel mit einem Würfelbecher ohne Boden verurteilt war. Als ein arglistiger Würfelspieler galt der für seine Ausschweifungen bekannte Caligula (12–41 n. Chr.), der beim Glücksspiel seine herrschaftliche Autorität hervorkehrte und vor allem durch Lüge und falsche Behauptungen gewonnen haben soll. Für seine enormen Spieleinsätze bis zu vierhunderttausend Sesterzen beim Würfelspiel war der berüchtigte Christenverfolger Nero (37–68 n.Chr.) bekannt. Schließlich sagte man auch den Kaisern Domitian (51–96 n. Chr.) und Verus (130–169 n. Chr.) nach, dass sie die ganze Nacht hindurch um Geld würfelten.

Information

SPIEL AM NIL
Unterhaltung im Alten Ägypten

Ausstellung im Papyrusmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek
1010 Wien, Heldenplatz
Mo und Mi bis Fr 10–17 Uhr
noch bis 1. Juli 2005
Tel. 534-10/420
www.onb.ac.at


Weil in Rom das Glücksspiel zu zahlreichen Exzessen geführt hatte, gab es bereits seit der Republik Gesetze, die es eindämmen sollten. Die "lex alearia" setzte den Gewinn beim Würfelspiel mit dem Vergehen des Diebstahls gleich und schrieb ein Bußgeld vor, das einem Vielfachen des Einsatzes entsprach. Zudem wurden die Spielschulden nicht anerkannt, weshalb ein Gläubiger nicht gesetzlich gegen seinen Schuldner vorgehen konnte. Einzig und allein während der ungehemmten Festlichkeiten der Saturnalien, die zu Ehren des Gottes Saturn veranstaltet wurden, war das Würfelspiel offiziell zugelassen. Dass sich die meisten Römer aber auch außerhalb dieser Tage nicht um das Verbot scherten, ist durch zahlreiche erhaltene römische Artefakte bewiesen, auf denen das Glücksspiel dargestellt ist. Die Bibelstelle, in der die Soldaten um das Gewand Christi würfeln, verweist auf die Beliebtheit dieses Spiels auch innerhalb der Armee.

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Papyrusmuseum

Dokumenten Information
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Dokument erstellt am 2005-03-02 09:11:36
Letzte Änderung am 2015-11-06 19:02:21

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