Der Eingangsbereich des Kunstraumes Pier 15 der "Lichtfabrik" steht allen offen. - © Andy Urban
Der Eingangsbereich des Kunstraumes Pier 15 der "Lichtfabrik" steht allen offen. - © Andy Urban

Wien. Ein Sportwetten-Lokal, ein brachliegendes altes Wirtshaus, ein Bordell - der Sparkassaplatz im 15. Bezirk wirkt nicht sehr einladend. Der Bezirksteil ist alles andere als ein kultureller und sozialer Hot-Spot und dennoch verbirgt sich hinter der auf den ersten Blick unscheinbaren Nummer drei ein neuer Kulturverein, der sich "Lichtfabrik" nennt. In den Auslagen stapeln sich Würfelgebilde aus Karton. Ein Blick durch die Eingangstür aus Glas zeigt einen Loft-Raum, der Büro, Bühne und Café miteinander verbindet.

Improvisations- und Konzert-Theater, Open Space, Social Art Workout und Verkaufsraum - die insgesamt 160 Quadratmeter sollen vor allem eines: Raum bieten für Kunst und Soziales. Denn genau diese Verbindung ist es, die Gründerin Erika Büttner zum Ziel hat. "Social Art" beginnt dann, wenn man aufhört, nur noch etwas für sich selbst zu machen. Die Performance Gruppe "Artig" etwa, mit der die "Lichtfabrik" kooperiert, macht Theater mit Migranten. "Die Deutsch-Kurse sind oft zu trocken", sagt Büttner zur "Wiener Zeitung". Beim Theaterspielen würde die deutsche Sprache leichter gelernt. "Mit Kunst kann man die Leute dort abholen, wo sie gerade stehen."

Nicht nur an sich denken

Erika Büttner und Philipp Blume bei der Eröffnungsfeier des Raumes am Sparkassaplatz. - © Severin Dostal
Erika Büttner und Philipp Blume bei der Eröffnungsfeier des Raumes am Sparkassaplatz. - © Severin Dostal

Mit ihrem Anliegen reiht sich Büttner in die junge Entwicklung des sozialen Unternehmertums. Die sogenannten Social Entrepreneurs wollen nicht nur unternehmerisch tätig sein, sondern auch zu einem positiven Wandel der Gesellschaft beitragen. "Vielleicht ist es die Angst vor der Krise, dass die Leute sich wieder mehr zusammentun", so Büttner. Ohne esoterisch sein zu wollen, spürt die 28-Jährige dennoch eine Zeit, in der man sich wieder mehr darauf besinnt, was wirklich wichtig ist im Leben: die Gemeinschaft. Und so führt sie das Erdgeschoßlokal nicht alleine, sondern gemeinsam mit Philipp Blume, dem die Firma "Papertown" gehört.

Ein Werk von "Papertown": beleuchteter Drache. - © Severin Dostal
Ein Werk von "Papertown": beleuchteter Drache. - © Severin Dostal

Seit fast zwei Jahren designt und produziert "Papertown" Kartonelemente für den kulturellen, sozialen und kommerziellen Gebrauch. Die Pop-up-Blume ist im Online-Shop das Produkt des Monats. Die "Cubes" dienen als Tische, und die mobilen Bühnenbilder sind leicht und wandlungsfähig. Für Büttner ist "Papertown" ebenfalls "Social Art": "Sozial ist, wer nachhaltig denkt", sagt sie. Der verwendete Karton besteht zu 70 Prozent aus recyceltem Papier und ist damit ressourcenschonend, die Möbel nachhaltig.