Ein Klassiker der Wiener Kinohistorie: die Breitenseer Lichtspiele. - © APAweb/HERBERT PFARRHOFER
Ein Klassiker der Wiener Kinohistorie: die Breitenseer Lichtspiele. - © APAweb/HERBERT PFARRHOFER

Wien. Die Wiener Kinolandschaft kommt nicht zur Ruhe: Hatten Anfang des Jahres das Kepler und das Gloriette Kino ihre Pforten endgültig geschlossen, verschwindet Ende des Jahres mit dem Opernkino ein weiteres traditionelles Lichtspielhaus. Das darin beheimatete Kinder- und Jugendkino Cinemagic, vom Verein wienXtra bespielt, übersiedelt in das Tagesprogramm der Urania, das abends von der Constantin-Film-Holding betrieben wird. Das Metro Kino wird wegen Umbaus unterdessen knapp ein weiteres Jahr geschlossen bleiben, während das Stadtkino - wie am Donnerstag fixiert - künftig im Künstlerhaus residiert.

Die Anzahl der Kinos in Wien ist in den vergangenen Jahren enorm geschrumpft. Gab es 1988 noch 59 Standorte, hat sich diese Zahl inzwischen fast halbiert. Mit dem Flotten-Kino, dem Tuchlauben-Kino und dem Auge Gottes hatten zuletzt drei lang gediente Häuser zugesperrt, aber auch die Cineplexx-Kette musste an der Reichsbrücke einen Standort aufgeben. Bei den Viel-Saal-Kinos setzt man inzwischen verstärkt auf technische Innovationen: Eine höhere Framerate zeigt Filme mit 48 statt wie bisher 24 Bildern pro Sekunde, die Dolby-Atmos-Technologie soll etwa im Donau Plex ein dynamischeres Hören - mit im Raum verteilten Tönen - ermöglichen.

Das harte Leben der Programmkinos  
Solche Investitionsmöglichkeiten haben Kinos, die mit weniger als drei Sälen ausgestattet sind, nach den umfangreichen Digitalisierungskosten zumeist nicht - weswegen sich auch immer mehr Programmkinos schwertun, sich am Markt zu halten. Das Opernkino am Karlsplatz wird nun einem weiteren Hotel Platz machen, das legendäre Stadtkino am Schwarzenbergplatz soll nach dem Sommer noch bis nach der Viennale erhalten bleiben, während sich das Programmteam mit September in Richtung des neuen Standorts im Künstlerhaus verabschiedet. Das Gartenbaukino setzte vor allem auf Spenden, um das Haus zu modernisieren.

Das Haydn-Kino, das englischsprachige Haus an der Mariahilfer Straße, feierte unterdessen kürzlich die Eröffnung eines vierten Saales, und auch das mit drei Sälen ausgestattete Votivkino hatte vor einer Woche anlässlich seines 100-jährigen Bestehens ordentlich Grund zu feiern. Im Metro Kino, ebenfalls ein altehrwürdiges Theater, soll dagegen kommendes Jahr ein zweiter Saal die Möglichkeiten des im Besitz des Filmarchiv Austria bestehenden Lichtspielhauses deutlich erweitern. Das "innerstädtische Filmkulturzentrum", das ursprünglich im Wiener Augarten hätte entstehen sollen, soll zur Viennale Ende Oktober eröffnet werden.