• vom 21.12.2012, 16:46 Uhr

Stadtleben

Update: 21.12.2012, 18:24 Uhr

Weihnachten

Herr über das 148-Hütten-Reich




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Von Solmaz Khorsand

  • Der gebürtige Istanbuler Akan Keskin organisiert jedes Jahr den Wiener Christkindlmarkt
  • Auch für Stände vor Mariahilfer Kirche und Fußgängerzone Favoriten zuständig.

Weihnachtlicher Rathausplatz - für den reibungslosen Ablauf sorgt auch der gemeinnützige "Verein zur Förderung des Marktgewerbes". - © apa/Oczeret

Weihnachtlicher Rathausplatz - für den reibungslosen Ablauf sorgt auch der gemeinnützige "Verein zur Förderung des Marktgewerbes". © apa/Oczeret

Das "muslemische Christkind" , Akan Keskin.

Das "muslemische Christkind" , Akan Keskin.© Khorsand Das "muslemische Christkind" , Akan Keskin.© Khorsand

Wien. Ausgerechnet ein Muslim. Ausgerechnet ein Türke. Akan Keskin weiß, warum ihn die Medien jedes Jahr kurz vor Weihnachten belagern. Er ist Obmann des gemeinnützigen Vereins zur Förderung des Marktgewerbes und organisiert den Christkindlmarkt am Wiener Rathausplatz, den größten Adventmarkt Österreichs. Geduldig empfängt er seinen Gast in seinem Lokal Orient & Occident am Wiener Naschmarkt. Leger sieht es aus, dieses "muslimische Christkindl", wie ihn manche Medien gerne bezeichnen.

Er trägt ein lilafarbenes kariertes Hemd, Jeans und dunkelblaues Sakko - und eine Kappe seines Lieblingsklubs, dem Istanbuler Fußballverein Fenerbahce. Vor dem Gespräch schäkert er noch ausgiebig mit seinen Kellnern. Nur zu gut kennt der 55-Jährige die kommenden Fragen. Wie fühlt es sich an, als Muslim den Christkindlmarkt zu organisieren? Beim ultimativen Fest des Christentums eine so tragende Rolle zu spielen? Als gebürtiger Istanbuler Herr über das Reich von 148 Buden zu sein, die ur-österreichischer nicht sein könnten mit ihrem Glühwein und Krippenfigürchen?


Keskin lächelt. "Das ist anscheinend der Aufhänger. Der Hintergrund ist, dass dieser Türke zwei Drittel seines Lebens hier verbracht hat", sagt er im breiten Wienerisch. Mit zehn Jahren kam Keskin nach Wien. Bereits damals feierte seine Familie Weihnachten, mit Baum, Lametta und Geschenken. Weihnachten und Islam stehen sich nicht im Weg.

Feste feiern, wie sie kommen, so lautet das Motto. Keskins Familie sind keine praktizierenden Muslime, sie halten sich nicht an den Fastenmonat Ramadan, essen gelegentlich Schweinefleisch, trinken auch manchmal Alkohol und besuchen nur zu gewissen Anlässen eine Moschee. An Gott glaubt Keskin schon. Drei Gebete aus dem Koran sagt er jeden Morgen auf, bevor er das Haus verlässt. "Ohne dem kann ich gar nicht", erzählt er.

Christkindlmarkt
aus der Ramschecke holen

Dieser Tage ist er im Dauerstress. Wie ein Marathonläufer hetzt er von einem Markt zu dem nächsten, kümmert sich darum, dass die Heizungen in den Buden laufen, es Strom gibt, die Mistkübel ausgeleert sind und dass sich keine Standler in die Haare kriegen. Sein Verein kümmert sich neben dem Christkindlmarkt auch um die Organisation anderer Adventmärkte, unter anderem die Stände am Platz vor der Mariahilfer Kirche und jene in der Fußgängerzone Favoritenstraße.

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2012-12-21 16:50:07
Letzte Änderung am 2012-12-21 18:24:20


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