• vom 05.04.2013, 17:05 Uhr

Stadtleben

Update: 07.04.2013, 10:36 Uhr

Seestadt Aspern

Eine Frage des Standorts




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Von Barbara Sorge

  • Das Wagenkollektiv "Gänseblümchen" fordert einen Platz am Areal der zukünftigen Seestadt Aspern
  • Vertrag mit Entwicklungsgesellschaft "Wien 3420" am Freitag abgelaufen.

Wien. Es ist ein starker Gegensatz, der am Freitag vor dem derzeit einzigen Gebäude der Seestadt sichtbar wird. Vor dem modernen Haus mit dem Namen "Aspern IQ" parken die bunten selbst zusammengezimmerten Wohnwägen des "Wagenpark-Kunstkollektivs Gänseblümchen". Auch die Standpunkte der beiden Seiten sind sehr gegensätzlich. Hier die "Gänseblümchen", die bleiben wollen, dort die "Wien 3420 AG" die auf der Einhaltung des Vertrags beharrt, der eine Räumung des Grundstücks mit Freitag 12 Uhr vorsieht. Während die einen Platz ohne Ende sehen, wollen die anderen planungsgemäß die Baustelle für die Seestadt weiterführen - immerhin soll Ende des Monats der Bau von 2600 Wohnungen starten.

Wohnbau startet, Baustelle braucht Platz
Das Künstlerkollektiv hat sich zwar vertragskonform verhalten und den Platz geräumt. Um sechs Uhr Früh wurde mit dem Abtransport begonnen, nun ist der Wagenplatz wieder Geschichte. Allerdings wurde vor dem Bürogebäude, wo sie jetzt mit ihren Wägen stehen, eine Kundgebung angemeldet. Damit wollen sie ihrer Forderung, am Areal bleiben zu dürfen, Nachdruck verleihen. Martin Pell, 36, ein Mitglied der Gänseblümchen, lässt den Blick noch einmal über die weite Brachfläche am ehemaligen Standplatz an der Bernhardinerallee gleiten: "Es gibt doch Platz genug. Bis die Seestadt 2030 fertig ist, sollen sie uns mal machen lassen."


Sie, das ist in diesem Fall die Entwicklungsagentur "Wien 3420", die die Entwicklung der Seestadt betreibt. Und Katharina Salzgeber, Pressesprecherin von "Wien 3420", kann die Meinung der "Gänseblümchen", dass in der Seestadt viel Platz sei, durchaus nachvollziehen. Allerdings: "Das Areal scheint groß, aber Ende April beginnt der Wohnbau, und wir benötigen die Flächen nördlich des Sees für Schüttungen." Im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) wurde unter anderem festgelegt, dass das Aushub-Material nicht mit Lkw wegtransportiert, sondern am Gelände der Baustelle verteilt wird.

Außerdem sehen die Arbeiten, die derzeit durchgeführt werden, nicht nach "offensichtlicher Baustelle" aus. Doch müssten die Infrastrukturleistungen, die vorher im Süden gemacht wurden, jetzt im Norden begonnen, Leitungen gelegt, Kanäle gegraben werden. Das alles zusammen ergebe die Tatsache, dass "zum gegebenen Zeitpunkt kein gesicherter Platz zur Verfügung gestellt werden kann", so Salzgeber. Alexander Kopecek, einer der Vorstände von "Wien 3420", erläutert weiter: "Es ist auch ein Haftungsthema." Wenn Lkw und Betonmischer am Gelände unterwegs sind, könne er keine Garantie für die Sicherheit der Bewohner der Wagenburg übernehmen.

"Das sind keine Argumente, sondern Ausreden", wettert Pell in einem der Wagen vor dem "Aspern IQ". Dass die gesamten 240 Hektar, die das Planungsareal der Seestadt umfasst, für die Baustelle notwendig sein sollen, glaubt er der Entwicklungsgesellschaft einfach nicht. Bei den wenigen Gesprächen, die es gegeben habe, sei es auch nie darum gegangen, eine konstruktive Lösung zu finden, sondern nur darum, wie "sie uns losbekommen".

Zeit für Zwischennutzungen abgelaufen
Zwei Mal sei man der Gruppe schon entgegengekommen, heißt es von Seiten "Wien 3420". Das erste Mal im Sommer 2012. Damals wurde der Gruppe, deren Wagen an der Johann-Kutschera-Gasse parkten, ein erstes Grundstück zur Verfügung gestellt. Ab Oktober, nach Ablauf des ersten Vertrages, standen die Wagen wieder auf der Straße. "Um ihnen im Winter entgegenzukommen, haben wir ihnen den Platz an der Bernhardinerallee gegeben, mit der Befristung heute, Freitag, 12 Uhr", sagt Salzgeber. Bisher habe sich die Gruppe auch immer an die Vereinbarungen gehalten, der Eindruck von verlässlichen Vertragspartnern habe sich an diesem Vormittag stark geändert.

Vor rund drei Jahren hat es einen Aufruf für Zwischennutzungsprojekte in der Seestadt gegeben. Einige Ideen wie das "Flederhaus" sind daraufhin auf der ehemaligen Rollbahn umgesetzt worden. Jetzt ist die Zeit für Zwischennutzungen abgelaufen, der Baustellenbetrieb soll beginnen. Bis Samstag, 23 Uhr, haben die "Gänseblümchen" ihre Kundgebung angemeldet, dann wollen sie weitersehen.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2013-04-05 17:08:02
Letzte Änderung am 2013-04-07 10:36:05


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