• vom 18.04.2013, 06:00 Uhr

Stadtleben


Gastronomie

Junge, verrückte Quereinsteiger




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Von Sabine Karrer

  • Außergewöhnliche Lokalkonzepte haben Wien längst erobert
  • Wer sich durchsetzen will, geht mit der Zeit und bleibt authentisch.

Im "Puff" im 6. Bezirk kann man seinen Cocktail selbst zapfen. - © Thomas Kamena

Im "Puff" im 6. Bezirk kann man seinen Cocktail selbst zapfen. © Thomas Kamena

Wien. Im "Puff" ist nichts normal. Weder der Name, noch das Design, noch die Lichtinstallation. Selbst die Gläser wurden eigens entworfen. Aus der einzigartigen "Cocktailmaschine" können Gäste ihren Mojito oder Screwdriver selbst zapfen. So anrüchig der Name auch klingen mag: Das Lokal im 6. Bezirk war tatsächlich einmal ein Bordell, inzwischen ist es eine Cocktailbar. Ebenso wenig alltäglich wirkt das Restaurant "New York in the City" in Mariahilf. Aufwendige 3D-Malereien auf Fußböden und Wänden geben Besuchern ein Gefühl wie im Big Apple - mitten in Wien. Rund 5600 Gastronomiebetriebe sind derzeit in der Hauptstadt aktiv - mit immer mehr verrückten Konzepten. Für Willy Turecek, Obmann der Fachgruppe Gastronomie Wien, passt das ins Bild: "Wir Wiener sind ja selbst ein wenig verrückt und liebenswert. Und für das, was sich derzeit in der Szene tut, sind nicht zuletzt die vielen Jungen und Quereinsteiger mitverantwortlich."


Eva Trimmel ist eine dieser Quereinsteigerinnen. Vor knapp zwei Jahren hat die Architektin in der Leopoldstadt ihr Lokal "Fett+Zucker" eröffnet. Gerade weil sich der Name offensichtlich gegen Schlankheitswahn und Anti-Genuss-Trend richtet, hat Trimmel ihn gewählt. "Es geht darum, die Tatsachen nicht zu verschleiern. Denn es sind genau diese beiden Dinge, Fett und Zucker, die den Geschmack ausmachen", sagt sie. Stammgäste und Laufkundschaft schätzen das Konzept des Kuchenlokals. "Bei uns ist nicht alles perfekt, alles ist immer wieder in Veränderung. Wer nach einem gediegenen Kaffeehaus oder nach einer Kuchenstube im Landhaus-Stil mit dazugehöriger Kuchen-Mutti in geblümter Schürze sucht, wird von uns enttäuscht sein", betont die 39-Jährige. Alle anderen sind nicht nur vom Ambiente mit den liebevoll arrangierten Flohmarkt-Möbeln entzückt, sondern auch davon, dass sich hier das politische Verständnis der Inhaberin widerspiegelt: "Das beginnt bei den aufliegenden Zeitschriften, der Kunst an den Wänden und am Publikum selbst. Wir sind offen für alle, denen Begriffe wie queer oder feministisch keine Angst einjagen."

Revolutioniertes "Fast-Food"
Den Fast-Food-Gedanken revolutioniert haben Babsi Kunze und Jan Bahr bereits vor fünf Jahren. "Die Burgermacher" im 7. Bezirk servieren zwar fleischige und vegetarische Laberln zwischen zwei Brothälften, allerdings arbeiten sie ausschließlich mit Bio-Fleisch, Bio-Brot, selbstgemachten Saucen und Pommes Frites, regionalen Zutaten ohne Zusatzstoffe und außergewöhnlichen Kreationen. "So als würden wir zuhause für uns selbst kochen", sagt die Anhängerin der Genuss-Bewegung Slow Food. Nicht zuletzt ihre Glaubwürdigkeit hat den beiden zahlreiche Stammkunden gebracht. "Teilweise kommen die Leute schon seit der Eröffnung, mit einigen haben wir uns auch privat angefreundet", sagt Kunze. Trotzdem hat sich das Paar oft gefragt, ob es das Konzept noch einmal so umsetzen würde: "Das tägliche Fett wechseln, Fritteuse putzen, einmal in der Woche Großreinigung der Dunstabzugshaube. Ein Rohkost-Restaurant wäre schon einfacher, wenn es um die Reinigung geht. Aber wer will schon Rohkost, wenn er Pommes haben kann? Eben", lacht sie.

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Schlagwörter

Gastronomie, Mitten in Wien

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2013-04-17 17:35:03
Letzte Änderung am 2013-04-17 17:35:56


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