Wien. Kurzfristig und unerwartet ist am Dienstag bei der Gläubigerversammlung im Fall der insolventen Schwedenbomben-Firma ein neuer Retter am Horizont aufgetaucht: Erhard Grossnigg, bekannter Unternehmens-Sanierer in Österreich, hat eine Barquote von 75 Prozent geboten. Zuletzt war noch von 50 Prozent die Rede. Niemetz selbst hatte zu Beginn 20 Prozent geboten.

Darüber hinaus dürfte bei diesem Angebot die Familie Niemetz weiterhin mit 30 Prozent Teilhaber ihres Unternehmens bleiben. Grossnigg fordert im Gegenzug seiner Barquote 70 Prozent am Süßwaren-Unternehmen. Damit bliebe aber die Schwedenbomben-Produktion zumindest zu einem kleinen Teil im Familienbesitz und ihr seit Februar insolventes Unternehmen müsste nicht zur Gänze verkauft werden.

Doch noch wurde keine Entscheidung getroffen. Das kurzfristige Auftauchen Grossniggs war auch der Grund dafür, dass der Tag der Entscheidung, gestern, Mittag, auf den 16. Mai verschoben wurde. Die Gläubiger stimmten in der Sanierungstagsatzung am Wiener Handelsgericht einer "Erstreckung" zu. Denn "der neue Investor konnte noch nicht die Finanzierung für die gesamte Barquote zusagen", sagte Gerhard Weinhofer vom Österreichischen Verband Creditreform zur "Wiener Zeitung". Grossnig habe um mehr Zeit gebeten. Niemetz müsste bis Ende kommender Woche 3,5 Millionen Euro aufstellen. Insgesamt haben die Gläubiger 6,2 Millionen Euro an Forderungen angemeldet.

Der Bestbieter gewinnt


Mehr Zeit haben damit auch die anderen Investoren. Neben der Süßwarenfabrik Manner, Guschlbauer und Heindl haben noch weitere elf Käufer ihr Interesse bekundet und zum Teil auch schon Angebote gelegt. Auch sie haben nun die Möglichkeit ihre Barquote zu erhöhen. Laut Weinhofer hat ein Investor bereits eine Quote von 80 Prozent geboten.

Praktisch "über Nacht" soll er gekommen sein. Erhard Grossnigg ist Chef der Firma Austro Holding GmbH, eine Beteiligungsgesellschaft, welche laut seiner Firmenhomepage die Absicht verfolgt, "Beteiligungen an mittelständischen, vorzugsweise österreichischen Unternehmen zu erwerben, diese Unternehmen aktiv und umfassend zu unterstützen, sowie den Wert dieser Unternehmen nachhaltig zu entwickeln und zu steigern". Etwas mehr als 100 Firmen hat der gebürtige Linzer bereits saniert. Seit zehn Jahren gehört ihm die Wiener Porzellanmanufaktur Augarten. Bei dieser Investition hat er immer wieder betont, das nur als Hobby zu betreiben. Vielleicht gehören ja auch Schwedenbomben zu seiner heimlichen Leidenschaft.

Niemetz, das seit 1890 seinen Sitz in Wien hat, hatte in den vergangenen Monaten mit erheblichen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen und beantragte Anfang Februar schließlich ein Sanierungsverfahren. Die Verbindlichkeiten wurden mit mehreren Millionen Euro beziffert. Der Firma wird vorgeworfen, es verabsäumt zu haben, sich um ihre Marktposition zu bemühen.

Mit Investor Grossnigg scheint nun eine Sanierung in Aussicht. Immerhin würde eine Zerschlagung des Unternehmens auch eine Barquote von 86 Prozent bringen, sagt Weinhofer von Creditreform. "Wenn man eine Sanierung möchte, wird man mehr anbieten müssen als 20 Prozent."

Die anderen Interessenten sind aber auch noch im Spiel. Am 16. Mai wird abgestimmt. Bis dahin können sie ihre Angebote nachbessern. Der Bestbieter kriegt sie dann, die Frischware. Dass Schwedenbomben nur für 21 Tage haltbar sind, war zumindest für Manner zu Beginn ein Hindernis. Das sei aufwendig und nicht so leicht zu vertreiben, hieß es. Nun, Aufwand ist wohl immer eine Frage des Geldes. Nachdem Grossnigg sein Angebot einer 75-Prozent-Barquote gemacht hatte, erhöhten die Gläubiger auch ihre Forderung am Dienstag: Statt 50 Prozent fordern sie nun 75 Prozent ihres Geldes zurück.