• vom 14.06.2013, 06:00 Uhr

Stadtleben


Spanische Hofreitschule

Aus den letzten Nüstern




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Von Solmaz Khorsand

  • Ehemaliger Reiter der Spanischen Hofreitschule wehrt sich gegen frühzeitige Pensionierung
  • Belegschaft fürchtet um Qualitätsverlust der Traditionsinstitution.

Präzision und Eleganz lassen bei den Pferden zu wünschen übrig, kritisieren Insider. - © apa

Präzision und Eleganz lassen bei den Pferden zu wünschen übrig, kritisieren Insider. © apa

Wien. Es sollte sein erster und sein letzter Arbeitsplatz sein. So sieht es die Tradition vor. Wer in die Spanische Hofreitschule als Jüngling eintritt, verlässt sie als alter Mann. Das dachte sich Klaus Krzisch. 45 Jahre hat er jeden Tag in der Stallburg am Michaelerplatz mit den weißen Lipizzanerhengsten trainiert. Zuletzt war der heute 63-Jährige "Erster Oberbereiter". Er, der ehemalige Schulabbrecher, hatte es an die Spitze der Hierarchie geschafft. Er durfte die Pferde aussuchen, die sich vor den Staatshäuptern der Welt verneigen würden; er durfte bestimmen, welche schlaksigen Jugendlichen auf den Barockpferden eine gute Figur machen würden und vor allem das nötige Ethos haben, die Tradition der Reitschule fortzusetzen. Jetzt wird Krzisch pensioniert. Gegen seinen Willen. Und er wehrt sich.

Es rumort in Wiens Traditionsinstitution. Dort, wo seit mehr als 440 Jahren Präzision, Disziplin und Ordnung herrschen, wird plötzlich rebelliert. Nur noch die Bilanz stehe im Vordergrund, nicht länger die Qualität des Kulturguts "Spanische Hofreitschule", kritisieren Insider. Wurde einst an 180 Tagen im Jahr trainiert, sind es heute 300 Tage. Hat man früher 45 Vorstellungen jährlich absolviert, sind es heute 70 Auftritte. Gab es früher vier Oberbereiter, sind es heute nur noch zwei. Die Belegschaft klagt über Überlastung, sowohl von Reitern als auch von den Pferden. 2011 hat sich ein 43-jähriger Bereiter erhängt. Die Zustände in der Reitschule hätten ihn kaputtgemacht, meinten ehemalige Kollegen in Medienberichten.


"Wir haben die Türkenbelagerung und zwei Weltkriege überstanden", sagt Krzisch und schüttelt den Kopf, "und diese Geschäftsführung hat es geschafft, die Reitschule in sechs Jahren zu ruinieren." Vor vier Jahren hat ihn eben diese Geschäftsführung, Elisabeth Gürtler und Erwin Klissenbauer, vom Dienst freigestellt. Der Grund: disziplinäre Probleme. So soll der Mann mit dem braungebrannten Gesicht und den schlohweißen Haaren unter anderem Frauen, die seit 2008 als Elevinnen in der Reitschule zugelassen werden, als "g’schissene Weiber" bezeichnet haben. Krzisch bestreitet das. Er klagt. Und gewinnt. Es folgen weitere Verfahren. Krzisch klagt. Und gewinnt wieder. Nun hat sich das Landwirtschaftsministerium, dem die Spanischen Hofreitschule untersteht, der Sache angenommen. Seit Mai ist Krzisch nun pensioniert, vom Minister persönlich.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2013-06-13 17:56:04
Letzte Änderung am 2013-06-13 18:16:13


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