• vom 04.09.2013, 17:41 Uhr

Stadtleben

Update: 04.09.2013, 18:05 Uhr

Wohnungen

Geister der Vergangenheit




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Von Sabine Karrer

  • Fetisch-Utensilien bis Familienfotos: Spuren in Wiener Wohnungen
  • Wenn Mieter gehen, bleibt manchmal mehr zurück, als man denkt.

Die Vergänglichkeit in Form von verlassenen Wohnungen hat Fotograf Strini dargestellt.

Die Vergänglichkeit in Form von verlassenen Wohnungen hat Fotograf Strini dargestellt.© www.strini.at Die Vergänglichkeit in Form von verlassenen Wohnungen hat Fotograf Strini dargestellt.© www.strini.at

Wien. Gut sechs Wochen lang ist die ältere Dame in ihrer Wohnung gelegen, bevor sie Einsatzkräfte gefunden haben. Es habe schon ein wenig gerochen, sagen die anderen Mieter. Wenige Monate später ist "die Neue" eingezogen. Wie die alte Dame gewohnt hat, weiß wohl lediglich das Räumungsunternehmen.

Information

Thomas Strini ist ein Wiener Fotograf. Derzeit bis zum 27.9.  läuft seine Ausstellung "Sperrzone Chernobyl" im AdhocPAD, Kienmayergasse 22, 1140 Wien. Open House jeden Freitag ab 17:00. Infos unter www.strini.at.


Mieter erfahren normalerweise nicht, wer vor ihnen wie gelebt hat. Außer, es geht ihnen wie Lukas: Er hat mit eigenen Augen gesehen, wie ein Sarg aus dem Haus getragen worden ist - und ist dennoch eingezogen, schließlich glaube er nicht an Geister. Beziehungsweise hat er den "Geist" des vermutlich nicht ganz einwandfreien Vormieters entsorgt, nachdem er im Schlafzimmer eine Art Schrein entdeckt hat: jede Menge perverse Bilder hinter zwei vermeintlichen Fensterläden.

Nicht minder zum Staunen gebracht hat Caro der Fund eines Symbols, angebracht an der Wasserleitung in ihrer Donaustädter Wohnung. Ihre Vormieter müssen Esoteriker gewesen sein, hat sie sich zusammengereimt, laut Recherche soll das Symbol nämlich für "geistige Wasserbelebung" sorgen. Den Zettel hat sie umgehend entfernt.

Die Ostereier des Vormieters
Auch Gudrun hat sich Gedanken darüber gemacht, wer ihr - und vor allem warum - in einem Schränkchen mit Geheimfach eine Pistole beschert hat. Herausgefunden hat sie es nicht, aber stattdessen die Waffe ordnungsgerecht entsorgt. Und Nicole hat eine nachösterliche Eiersuche in ihrem Landstraßer Domizil noch Jahre später in Erinnerung. "Es hat extrem unangenehm gerochen - und nach langer Suche habe ich ganz hinten im Schrank zwei Ostereier gefunden", erzählt Nicole. "Nur dass wir mittlerweile Februar hatten."

Meistens hinterlassen Vormieter Spuren. Und sei es, dass hinter mehreren Schichten von 70er-Jahre-Tapeten auch noch ein kitschiger Sonnenuntergang zum Vorschein kommt. Der Wiener Fotograf Thomas Strini hat im Mai in einem Abbruchhaus in der Meidlinger Darnautgasse Wohnungen abgelichtet und zu verschiedenen Serien verarbeitet. Er sei fasziniert gewesen von dem, was Mieter hinterlassen, sagt er: "Spannend und schön war nicht nur, was übrig geblieben ist, das waren großteils nur noch Herde und Öfen, sondern wie Menschen ihr Umfeld gestaltet haben." Zum Beispiel mit Tapeten und Fliesen in allen Farben und Formen - besonders gut sichtbar sind Veränderungen im Laufe der Jahrzehnte dort, wo etwa Einbauschränke gestanden sind. In einer Wohnung sei dagegen "sicher 60 Jahre nicht ausgemalt worden".

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2013-09-04 17:51:04
Letzte Änderung am 2013-09-04 18:05:30



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