• vom 24.09.2013, 16:30 Uhr

Stadtleben


Biomarkt

Jedem Grätzel seinen Marktplatz




  • Artikel
  • Lesenswert (5)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Sabine Karrer

  • Frische Gemüsesorten und lebhafte Nachbarschaftsplaudereien
  • In Transdanubien wachsen selbst initiierte Biomärkte aus dem Boden.

Sie wollen keine Nüsse aus den USA oder Knoblauch aus China, die Konsumenten am Biomarkt .

Sie wollen keine Nüsse aus den USA oder Knoblauch aus China, die Konsumenten am Biomarkt .© Karrer Sie wollen keine Nüsse aus den USA oder Knoblauch aus China, die Konsumenten am Biomarkt .© Karrer

Wien. "Ma schau, endlich wieder richtige Karotten!" So freut sich jemand, dem das immer gleiche Gemüse im Supermarkt zum Hals heraushängt, über individuell gewachsene Karotten frisch vom Bauern. Jeden dritten Samstag im Monat ist Markttag am Floridsdorfer Bruckhaufen. Genauer: Biomarkttag. Bei rund zehn Standlern kaufen Besucher, was sie in unmittelbarer Umgebung nicht bekommen. "Wir haben hier keine Nahversorgung, seit es keine Greißler mehr gibt", sagt Daniela Soykan, die den Markt gemeinsam mit anderen Siedlern initiiert hat: Um diese Versorgung wenigstens einmal im Monat zu bieten, aber auch, um alteingesessene und die neu zugezogene Bewohner zusammenzubringen. Ein Plan, der laut Soykan aufgeht: Bereits am ersten Markttag im August sind trotz Regens zahlreiche Besucher gekommen, um bepackt mit Körben und Taschen Gemüse, Käse, Tees und mehr zu kaufen. Oder um mit Nachbarn zu plaudern. Der Regen hat nicht nur die Standler näher zusammengerückt: Wer ohne Schirm oder Zelt gewesen ist, hat Unterschlupf bei einem besser ausgerüsteten Produzenten gefunden. Oder einen Schirm ausgeliehen bekommen. Und wer als Besucher nicht allzu nass werden wollte, hat die Chance genutzt, sich die Herkunft der Bioöle im Trockenen detaillierter erklären zu lassen oder an Bioseifen zu schnuppern. Kleine Kostproben und "marktschreierische" Einlagen vom Haschahof-Stand inklusive. Soykan erzählt lachend, wie viel sie selbst in ihren Korb geladen hat. Sie weiß aber ebenso wie ihre Mitstreiter, wie viel Arbeit in der Organisation steckt. So hat die 32-Jährige nicht nur ein halbes Jahr lang verschiedenen Bioproduzenten die Türe eingerannt, sie ist auch an ihre Grenzen gestoßen, als sie versuchte, den Biomarkt auf einer öffentlichen Verkehrsfläche stattfinden zu lassen. "Dafür braucht man so viele Genehmigungen, eine Begehung durch das Marktamt usw., dass das für so einen kleinen, privat organisierten Markt wie unseren schon finanziell kaum zu bewältigen wäre", sagt Soykan. Mit der Pfarre am Bruckhaufen in der Kugelfanggasse hat der Verein schließlich eine private Einigung gefunden.


"Die Stadt muss nicht
alles selbst machen"
Auch der Biomarkt in der Gerasdorfer Straße findet auf privatem Gelände statt. Organisatorin Gabriele Tupy kennt die Tücken der Bürokratisierung, sagt aber: "Es muss nicht alles die Stadt selbst machen, sie könnte es allerdings erleichtern, wenn Bürger ihr Lebensumfeld selbst mitgestalten." Immer am zweiten Samstag im Monat sorgt Tupy dafür, dass Menschen aus der Umgebung Bioprodukte kaufen können. "Ich will einfach keine Nüsse aus den USA, Knoblauch aus China oder Erdbeeren im Winter, sondern regionale und saisonale Sachen", sagt die leidenschaftliche Markteinkäuferin. Während Soykan, damals noch Gerasdorferin, die Idee des Grätzel-Biomarktes ebendort aufgeschnappt und mit an den Bruckhaufen genommen hat, hat Tupy zuvor bereits jenen gekannt, der seit 2010 in der autofreien Siedlung Nordmanngasse stattfindet. 2011 hat sie dann ihren ersten eigenen Markt über die Bühne gebracht. Tupy erinnert sich, wie viel Überzeugungsarbeit sie teilweise hat leisten müssen, um Standler zur Teilnahme zu überreden. So habe man etwa ein Dreivierteljahr gebraucht, um Biowurst anbieten zu können. Inzwischen aber hat sich in der Gerasdorfer Straße alles eingespielt - und auch die Produzenten sind zufrieden, sagt Tupy. Die Nachbarschaft ist es ohnehin: "Eine alte Dame hat mich gefragt, ob der Markt jetzt jeden Samstag ist. Sie brauche den so dringend", erzählt sie.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2013-09-24 16:32:08



Vor Gericht

"Die Männer haben sich eine ausgesucht"

Die Frauen hätten freiwillig als Prostituierte gearbeitet, meint der Hauptangeklagte. Laut Anklage wurden sie dazu gezwungen. - © Getty/Drenner Wien. Ein Menschenhändler soll Herr H. sein. 77 junge Frauen aus China hat seine Bande laut Anklage mit falschen Versprechungen von Herbst 2011 bis... weiter




Vor Gericht

Prozess um chinesische Sexstudios

Die Frauen wurden laut Anklage zur Prostitution gezwungen, damit sie ihre angeblichen "Schulden" abbezahlen. - © getty/Edward Holub Wien. Wurden die jungen Frauen ausgebeutet? Zwang man sie zur Prostitution? Oder arbeiteten sie freiwillig? Um diese Fragen drehte sich am Dienstag... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Die Männer haben sich eine ausgesucht"
  2. Und sie läuft und läuft . . .
  3. Extravagantes Meisterwerk eines Fassadenfreaks
  4. Bröckelnde Nostalgie
  5. Breitspurig nach Wien
Meistkommentiert
  1. "Wir wollen 2033 auf dieser Bahn fahren"
  2. Grüne Wirtschaftskrise
  3. "Politik ist auf Desintegration ausgerichtet"
  4. Lauer Sekt, heiterer Präsident
  5. Ludwig tritt am 24. Mai die Nachfolge von Häupl an

Werbung


Tradition

Bröckelnde Nostalgie

Das Café Sperl läuft - noch - gut. - © Stanislav Jenis Wien. Sie gehören zu Wien wie der Stephansdom, das Riesenrad und das imperiale Erbe mit den Ringstraßenbauten: die traditionellen Kaffeehäuser... weiter




Weltraumforschung

"Es ist wie Lego für Große"

Die Kugelform und die Anordnung der Segel sorgen dafür, dass die starken Mars-Stürme kein Problem darstellen. - © privat Wien. Während sich Moritz Stephan, Julian Rothenbuchner und Stefan Rietzinger im kalten Wien auf die bevorstehende Matura vorbereiten... weiter




Krapfen

Krapfenmacher seit 1486

Anpatzgarantie für Ungeübte: Der Krapfen gehört zum Wiener Fasching wie die Pummerin zum Steffl. - © fotolia Wien. Er ist rund, süß und meistens ist man bereits nach dem ersten Bissen voll mit Staubzucker und Marmelade. Der Krapfen ist aus dem Fasching nicht... weiter





Wiener Prater

Die Erben der Zaubermeister

Franz Steidlers Bauchrednerpuppe steht jetzt im Circus- und Clownmuseum. - © Circusmuseum Wien. "Sebastian von Schwanenfeld, Basilio Calafati und Anton Kratky-Baschik: Das sind drei legendäre Zaubererkünstler... weiter




Prater

Erstes Kino als Kunstform

- © Kadotheum Wien Wien. "Karl Juhasz war das Gegenteil vom Hutschenschleuderer Liliom", meint Robert Kaldy-Karo, der Direktor des Wiener Circus- und Clownmuseums... weiter




250 Jahre Wiener Prater

Mit Courage und Löwenherz

- © Clownmuseum Wien. "1966 gab es im Prater mehrere Gründe zum Feiern", erzählt Robert Kaldy-Karo, der Direktor des Wiener Circus- und Clownmuseums, 50 Jahre später... weiter





Tiere in Wien

Kleines Kamel im Schnee

20180222Vikunja - © Tiergarten Schönbrunn/Norbert Potensky Wien. Am Samstag hat im Tiergarten Schönbrunn ein Vikunja das Licht der Welt erblickt. "Vikunjas sind die kleinste Kamelart... weiter




Tiergarten Schönbrunn

"Oscars der Panda-Welt" gehen an den Wiener Tiergarten

++ HANDOUT ++ "OSCARS DER PANDA-WELT" AN TIERGARTEN SCH...NBRUNN VERGEBEN - © APAweb / Daniel Zupanic Wien. Die Pandas in Schönbrunn locken nicht nur zahlreiche Besucher in den Wiener Tiergarten, sie sind nun auch international ausgezeichnet worden... weiter






Werbung


Werbung