• vom 13.02.2014, 17:30 Uhr

Stadtleben

Update: 13.02.2014, 20:23 Uhr

Gewalt gegen Frauen

"Wir leben im Patriarchat"




  • Artikel
  • Lesenswert (5)
  • Drucken
  • Leserbrief





Als eine Ursache für das Entstehen von Gewalt nennt Maria Rösslhumer, die Geschäftsführerin des Vereins der Autonomen Österreichischen Frauenhäuser, die Abhängigkeit. Frauen, die wegen der Kinder ihren Job aufgeben müssen und nicht mehr ins Erwerbsleben zurückfinden, sind besonders verwundbar, da sie vom Ehepartner oder Lebensgefährten abhängig sind.

Bis eine betroffene Frau Hilfe in Anspruch nimmt, würden oft Jahre vergehen, meint Rösslhumer. Die Hemmung, sich an die Polizei zu wenden, sei besonders groß. "Die Frauen wollen den Mann schützen, sie wollen nicht, dass er den Job verliert", nennt sie Loyalität als einen der Gründe. Viele Frauen fühlten sich zudem schuldig und schämten sich, wenn sie ihre Gewalterfahrungen einer Institution mitteilen und aus der Privatheit heraustreten.

Für Migrantinnen ist es besonders schwierig, sich aus einer Gewaltbeziehung zu lösen. Sie sind von ihrem Partner abhängig und zählen zu den hoch gefährdeten Personen. Sie haben weniger Perspektiven, leben oft isoliert, wissen kaum Bescheid über Hilfsangebote und kämpfen mit der Sprachbarriere. Im Falle einer Trennung kann es sein, dass ihr Aufenthaltsstatus noch nicht gesichert ist, und um ein Niederlassungsrecht zu erhalten, müssen sie den Nachweis über das gesetzliche Mindesteinkommen erbringen. Dies stellt für Migrantinnen vor allem dann eine große Hürde dar, wenn sie keinen sicheren Job haben. "Migrantinnen wird auf dem Weg in ein selbständiges Leben nicht geholfen", sagt Berivan Aslan, die Frauensprecherin der Grünen. Sie fordert das bedingungslose Recht auf einen eigenständigen Aufenthaltsstatus für alle Frauen. Asylwerberinnen in der Grundversorgung und Frauen ohne Dokumente haben es doppelt schwer. Sie dürfen Hilfseinrichtungen wie Frauenhäuser nicht uneingeschränkt nutzen, da von Fördergebern Beschränkungen festgelegt werden.

Justiz und Polizei müssen handeln
In den vergangenen Jahren ist im Bereich Prävention und Opferschutz viel geschehen, freut sich Maria Rösslhumer. Das Gewaltschutzgesetz aus dem Jahr 1997, in dem die Wegweisung und das Betretungsverbot für Gewalttäter sowie die einstweilige Schutzverfügung geregelt sind, wurde verbessert. Ein neuer Strafbestand der "fortgesetzten Gewaltausübung" wurde eingeführt. Im Vorjahr hat Österreich die Istanbul-Konvention ratifiziert, in der gefordert wird, dass Gewalttäter zur Verantwortung gezogen werden müssen.

Die Maßnahmen sollen laut Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek im Rahmen eines nationalen Aktionsplans umgesetzt werden. Dennoch hätten viele Frauen, die aus derartigen Beziehungen ausbrechen, mit Ungerechtigkeiten zu kämpfen. "Wir leben im Patriarchat", sagt Rösslhumer, "Frauen werden nicht gleichberechtigt behandelt." Hilfesuchende Frauen werden von einer Institution zur nächsten geschickt, es wird ihnen nicht geglaubt. Die Frauen und ihre Erfahrungen müssen von jeder Behörde mit größter Sorgfalt und Menschlichkeit behandelt werden, von der Polizei bis zur Justiz. Rösslhumer: "Jeder Hilferuf muss ernst genommen und gehört werden."

zurück zu Seite 1




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2014-02-13 17:29:07
Letzte Änderung am 2014-02-13 20:23:04


Messerattacken

"Das war ein Amoklauf"

WIEN: PROZESS NACH MESSERATTACKEN IN WIEN-LEOPOLDSTADT - © APAweb / Herbert Neubauer Wien. Noch heute leidet Familie H. an den Folgen des 7. März 2018. Damals war das Ehepaar samt Tochter am Nestroyplatz von einem Mann mit einem Messer... weiter




Gericht

"Es ist gut, dass die Schwester tot ist"

20180822_ehrenmord - © APAweb / Hans Punz Wien. Die Familie. Ständig wird am Mittwoch in Saal 203 des Wiener Straflandesgerichts von ihr geredet. Von ihrem Willen, ihrer Ehre und den Rollen... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Grenzen aus Backstein und Benimmregeln
  2. Rückgang bei Lagezuschlägen erwartet
  3. Wien lehnt Wohnungsdeal endgültig ab
  4. Wien prüft Alko-Limit für Kampfhundehalter
  5. "Baby-Steps reichen nicht"
Meistkommentiert
  1. Das grüne Gespenst
  2. Ein Buch als Zündstoff für eine Politik-Debatte
  3. "Muss schlichten statt unterrichten"
  4. Wohin die Busse fahren sollen
  5. Chorherr geht mit Jahresende

Edip Sekowitsch

"Der Setschko war ein Fighter"

Den Sekowitschweg gibt es seit 2012 - doch jetzt wurde er offiziell eingeweiht und gesegnet. - © Schmölzer Wien. Wenn man ihn danach fragte, redete Edip Sekowitsch bereitwillig über seine alte Leidenschaft. Nur vom Äußeren her hätte dem Besitzer eines... weiter




Holzhochhaus

Hoch hinaus mit Holz

Das weltweit höchste Holzhochhaus entsteht in der Seestadt Aspern. - © RLP Ruediger Lainer und Partner Wien/Dornbirn. Das weltweit höchste Holzhochhaus soll in der Seestadt Apern entstehen. Seit mehr als einem Jahr wird an dem Bauwerk aus 24 Stockwerken... weiter




Geschichte

Bitte à la Giraffe!

Wildlife Animals - © Chris Van Lennep Wien. Die Geschichte fängt harmlos an: 1828 erhielt Kaiser Franz I. (II.) vom Vizekönig von Ägypten eine Giraffe, die dieser wiederum im Tiergarten... weiter






Werbung