• vom 04.03.2014, 20:08 Uhr

Stadtleben

Update: 04.03.2014, 21:50 Uhr

Modegeschäft

One-Size Mädchen




  • Artikel
  • Kommentare (9)
  • Lesenswert (208)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Stephanie de la Barra

  • Das neue Modegeschäft Brandy Melville auf der Mariahilfer Straße verkauft hauptsächlich eine Größe: Small
  • Verkäufer sprechen englisch, Ware ist italienisch, das Problem international.

Eng und kurz lautet die Devise für junge Frauen in Brandy Melville.

Eng und kurz lautet die Devise für junge Frauen in Brandy Melville.© Luiza Puiu Eng und kurz lautet die Devise für junge Frauen in Brandy Melville.© Luiza Puiu

Wien. In der Welt von Brandy Melville gibt es genau zwei Arten von Frauen, die Dünnen und die Dicken. Oder anders gesagt: Diejenigen, die bei Brandy einkaufen, und jene, die es nicht können. Laura gehört zur ersten Gruppe, ihre Freundin Monika zur Zweiten. Denn die Modemarke Brandy produziert, bis auf wenige Ausnahmen, nur eine Größe: Small.

"Holst du mal die Hose in Größe 42?", sagt Laura und steckt den Kopf aus der Umkleidekabine. Sie hält eines der wenigen Kleidungsstücke in der Hand, die es auch in eine andere Größe als small geschafft haben. Monika kommt mit einer Jeans zurück. Eine von diesen, die jetzt modern sind, eng, ausgewaschen, hipster eben. Brandy Melville ist ein italienisches Modegeschäft, Größe 42 entspricht hier der europäischen 38. Laura zieht an der Hose. "Ist schon eng", sagt sie und starrt im Spiegel auf ihre Oberschenkel. Brauche ich die Hose größer? Bin ich zu dick? Laura ist 16 Jahre alt, 1,72 Meter groß und hat 48 Kilo.


Nur schöne Menschen
Die beiden Mädchen waren zum ersten Mal bei Brandy, seit der Eröffnung der ersten österreichischen Filiale im Dezember, auf der Mariahilfer Straße 29. Nach New York, Paris und Berlin hat es nun auch Wien zu einem Modetempel der 13- bis 19-Jährigen gebracht. Eine Fashion-Bloggerin schreibt in einem Eintrag vom Eröffnungstag, dass sie ihr Glück kaum fassen konnte, "wahrhaftig in einem Brandy zu stehen". Fast so, als könnte man das aufgeregte Kreischen beim Lesen mithören. Das Geschäft hat Kultfaktor.

Dabei wirkt Brandy von außen eher unscheinbar. Eine Mischung aus Strandhütte, an deren Holzbrettern die beige Farbe abblättert, und einem kleinen Berliner Eckcafé. Innen bemüht sich das Geschäft um Schlichtheit, Holzboden, Holztische, Holzregale, alles in hellbraun. Dazwischen hängen ein paar Schilder, Hollywood steht da, New Orleans und Waikiki. Brandy entführt die Mädchen in eine andere Welt. Monika sieht verträumt in Richtung Los Angeles. Da kommt doch die Kardashian her", sagt ein Mädchen mit wallenden Haaren und schmaler Taille neben ihr. "Die ist komisch, aber schön ist sie schon."

An Stars wie das amerikanische Reality-Show-Starlet Kim Kardashian orientieren sich junge Mädchen oft. Um in der Brandy-Welt bestehen zu können, braucht man unnatürliche Barbie-Maße. Damit spielt auch Brandy und wirbt etwa auf der kanadischen Homepage mit Sängerin Miley Cyrus, die mehr durch ihr Talent, ihren trainierten Körper zu präsentieren, als durch ihre Stimme auffällt. "Dahinter steckt Verkaufspsychologie - wir wollen nur schlanke Frauen", sagt Beate Wimmer-Puchinger, Frauengesundheitsbeauftragte der Stadt Wien. Hier geht es keinesfalls um Ästhetik oder Eleganz. "Hier wird eine neue Norm erzeugt, das Small-Mädchen. Es ist ein böses Spiel mit Exklusivität und Elite." Der Markt segregiert in dazugehören und nicht dazugehören. Mike Jeffries etwa, der Chef des Modelabels Abercrombie & Fitch, das ähnlich beliebt bei Jugendlichen ist wie Brandy, wird in einem Buch von Wirtschaftsautor Robin Lewis so zitiert, nur an "dünne und schöne" Menschen verkaufen zu wollen. Auf die Frage, ob Jeffries damit ausgrenze: "Auf jeden Fall". Es ist eine Ausgrenzungspolitik im Damentaschenformat. Jungen Mädchen ist das oft nicht bewusst, so lange, bis die Hose oder das enge T-Shirt nicht passen. Schuld ist nicht die Modemarke, sondern man selbst. Fragen kommen auf. Warum bin ich so dick? Ich hasse mich. Warum kann ich nicht so hübsch sein wie andere? Es ist derselbe Effekt, wie bei Übergewichtigen: Stigmatisierung. "Und das ist gefährlich", sagt Rahel Jahoda, Klinische Psychologin und Psychotherapeutin bei "intakt", dem Therapiezentrum für Essstörungen.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




9 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2014-03-04 18:11:07
Letzte Änderung am 2014-03-04 21:50:48


Buwog-Prozess

Grassers Rundumschlag

20180618GRASSER - © APAweb / Georg Hochmuth Wien. Es war ein Rundumschlag, zu dem Karl-Heinz Grasser am Dienstag ausholte. Gegen die Medien, die Staatsanwaltschaft und ihn belastende Zeugen... weiter




Vor Gericht

Gepeinigt durch den Knall

Der Vorfall ereignete sich in dem weißen Container in der Albrechtskaserne. - © apa/Punz Wien. Er wirkt abwesend, als wäre er gedanklich in einer anderen Welt, dieser Herr A. Starr auf der Anklagebank sitzend... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Aus Sophienspital wird Sophienpark
  2. Zieselverzug
  3. KH Nord unter der Lupe
  4. "Der 13A in Not" - Protest via Kinderbuch
  5. Leoparden-Zwillinge heißen "Baikal" und "Inga"
Meistkommentiert
  1. Tumult um Öko-Sarg
  2. Direktoren überlegen Boykott von Deutschklassen
  3. "Wien ist eindeutig der Verlierer"
  4. Im Zeichen des Regenbogens
  5. Aus Sophienspital wird Sophienpark

Edip Sekowitsch

"Der Setschko war ein Fighter"

Den Sekowitschweg gibt es seit 2012 - doch jetzt wurde er offiziell eingeweiht und gesegnet. - © Schmölzer Wien. Wenn man ihn danach fragte, redete Edip Sekowitsch bereitwillig über seine alte Leidenschaft. Nur vom Äußeren her hätte dem Besitzer eines... weiter




Holzhochhaus

Hoch hinaus mit Holz

Das weltweit höchste Holzhochhaus entsteht in der Seestadt Aspern. - © RLP Ruediger Lainer und Partner Wien/Dornbirn. Das weltweit höchste Holzhochhaus soll in der Seestadt Apern entstehen. Seit mehr als einem Jahr wird an dem Bauwerk aus 24 Stockwerken... weiter




Geschichte

Bitte à la Giraffe!

Wildlife Animals - © Chris Van Lennep Wien. Die Geschichte fängt harmlos an: 1828 erhielt Kaiser Franz I. (II.) vom Vizekönig von Ägypten eine Giraffe, die dieser wiederum im Tiergarten... weiter






Religion

Kein Osterhase, aber bunte Eier

Kein Osterhase, aber bunte Eier Wien. Während vorigen Sonntag in den katholischen Gotteshäusern Hochämter zum Ostersonntag gehalten wurden, war für die orthodoxe Christenheit an...

Religion

"Es braucht einfach viel Geduld"

"Es braucht einfach viel Geduld" Wien. Die Leiterin des Pastoralamts der Erzdiözese Wien, Veronika Prüller-Jagenteufel, nimmt demnächst Abschied: Die 52-Jährige wechselt Ende August...



Leinenpflicht

Hunde-Sünder im Visier: Schwerpunktkontrollen starten

Stadträtin Ulli Sima. - © apa/Hochmuth Wien. Wiens Hundehalter werden wieder verstärkt in die Pflicht genommen. Gestern, Donnerstag, startete die Wiener Polizei gemeinsam mit dem... weiter




Haus des Meeres

Klapperschlangen überraschen mit Nachwuchs

20180419Klapperschlange - © Haus des Meeres/Günther Hulla Wien. Das Uracoan-Klapperschlangenpärchen hat im Wiener Haus des Meeres in der Vorwoche mit Nachwuchs überrascht. Nachdem diese aus einem kleinen... weiter






Werbung