Wien. Phantasielos, sagen die einen. Na, und?, sagen die anderen. Überall und immer gleich, ist ein anderer Vorwurf. Das ist die Werbung von A1 auch, sagen die Verteidiger. Wiens bekanntester Sprayer ist am Donnerstag angeblich festgenommen worden, sein Nom de Plume findet sich an unzähligen Fassaden, inklusive der Übermalung eines Kindergarten-Freskos sowie des Gap-Gebäudes nach einem kritischen Artikel über ihn. 119 Anzeigen wegen Sachbeschädigung sind seit Mai 2013 bei der Polizei eingegangen. Puber war überall.

"Dass Puber so aufgefallen ist, liegt nur daran, dass es keine Mitkonkurrenten gegeben hat", analysiert der Wiener Street-Artist und Multimedia-Künstler Paul Busk im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" das Phänomen Puber. Busk, der unter anderem mit seinen Affenköpfen sowie Variationen seines Namens bekannt geworden ist, verteidigt den monotonen Schriftzug, und sieht ihn im Kontext der 80er-Jahre-Ästhetik, die noch immer ein Revival bei Musik und Mode feiert - ein Ja zur Hässlichkeit.

In den 80er Jahren waren einfache Graffiti in diesem Stil auf der Tagesordnung in den Städten. Der erste, der sich selbst einen Namen gemacht hatte, weil er eben jenen überall hingemalt hatte, war übrigens "Taki 183". Der Urheber: der griechisch-stämmige Demetrius aus der 183. Straße in Manhattan. Die "New York Times" widmete ihm 1971 die Titelseite, seine Antwort darauf waren noch mehr Tags in der City. Sein Job als Bote ermöglichte ihm das Kennenlernen von immer neuen Straßenzügen, die außerhalb des normalen Graffiti-Gang-Territoriums lagen. Heute gilt Taki als Pionier, auf seiner Webseite kann man sich um 500 US-Dollar eine Straßenkarte, übermalt mit seinem Schriftzug kaufen. In einem Interview mit dem deutschen Blog "I love Graffiti"erklärte Taki seine Motivation: Es ging ihm ausschließlich darum, seinen Namen zu schreiben, um zu signalisieren "I was there". Gefallen habe ihm aber, dass sich immer ein paar Nachahmer fanden, sobald er einen Tag gesetzt hatte.

"Er will nichts von dir"


"Ich kenne Puber nicht, und kann daher nicht sagen, ob er bewusst mit dieser Geschichte gespielt hat, oder ober ein unreflektierter Mensch ist", meint Busk.

Grundsätzlich begrüßt er aber diese klassische Art des Kommunikationsdesigns, die für den Betrachter sperriger sind, als die netten elaborierten Bildgeschichten, die etwa am Donaukanal zu finden sind. Unverständnis habe Busk dafür, dass sogar in linken Kreisen dem Sprüher ein gewisser Hass entgegenschlägt und sich die Beiträge in den Foren nur so vor Jubel überschlagen. "Ich find’s grundsätzlich schön, dass Puber wieder solche Graffiti macht", meint Busk. "Ob es mir gefällt oder nicht, tut ja nichts zur Sache. Seine Werke wollen ja nichts von mir oder von dir. Es ist wie Vogelgezwitscher, es ist einfach da. Es will mir nicht einreden, etwas zu kaufen, oder eine Partei zu wählen."

Hauptsache, die Wand verändere sich, ohne kommerzielle Absichten dahinter. Graffitis selbst seien die Entscheidung, etwas zu machen "was ganz klar gegen Eigentumsansprüche geht. Ich besitze das Trägermaterial nicht, ich verabschiede mich von Besitz und Flachware, die ich verkaufen könnte,ich bin nur Urheber eines Werks. Das geht gegen die Besitzansprüche, um die sich in der Gesellschaft normalerweise alles dreht. Graffiti ist ein Ausdruck, nichts zu besitzen, aber trotzdem die ganze Stadt zu haben", meint Busk. "Wenn einem das Graffiti nicht passt, kann man es ja übermalen, genauso wie die Hakenkreuze, die man durchstreichen könnte, um in den Protest oder Dialog zu treten."

Busk ist übrigens selbst ein Betroffener: Seine Auftragsarbeit in der Breite Gasse vor dem Museumsquartier wurde von Puber "getagged". Das gehöre aber dazu.

Der angebliche Puber, ein 29-jähriger Schweizer brasilianischer Abstammung, schwieg am Freitag bei seiner Einvernahme. Unklar war zu Redaktionsschluss, ob gegen ihn U-Haft verhängt werden soll. Laut Polizei würden auch Pubers Mitbewohner wegen "Begünstigung" angeklagt werden. Puber drohen bis zu fünf Jahren Haft, seinen Mitbewohnern bis zu zwei Jahren. Der angegebene Sachschaden (Reinigungskosten) betrage mindestens 50.000 Euro. Nach Informationen der "Wiener Zeitung" arbeitete Puber zuletzt als Wachmann bei einer Sicherheitsfirma.