• vom 05.04.2014, 10:00 Uhr

Stadtleben

Update: 05.04.2014, 10:20 Uhr

Uni-Standorte

. . . wo sind die Studenten geblieben?




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Von Barbara Sorge

  • Wenn Universitäten ihre Fakultäten und Institute bündeln oder ihnen neue Räumlichkeiten geben, weil die alten aus allen Nähten platzen, bleiben die ehemaligen Gebäude zurück. Leer und einsam. Ein Rundgang.

Studenten, die Zukunft des Landes, tummelten sich früher an diesen Orten. Nun sind sie verlassen (von links nach rechts): das Hauptgebäude der WU... - © Stanislav Jenis

Studenten, die Zukunft des Landes, tummelten sich früher an diesen Orten. Nun sind sie verlassen (von links nach rechts): das Hauptgebäude der WU... © Stanislav Jenis

... das UZA 4 in der Nordbergstraße 15, das Betriebswirtschaftszentrum der Uni Wien an der Brünner Straße und das Publizistik-Institut in Währing.

... das UZA 4 in der Nordbergstraße 15, das Betriebswirtschaftszentrum der Uni Wien an der Brünner Straße und das Publizistik-Institut in Währing.© Stanislav Jenis ... das UZA 4 in der Nordbergstraße 15, das Betriebswirtschaftszentrum der Uni Wien an der Brünner Straße und das Publizistik-Institut in Währing.© Stanislav Jenis

Wien. Es ist ruhig an diesem sonnigen Frühlingstag mitten im 9. Bezirk. Zwischen Franz-Josefs-Bahnhof, Verkehrsamt und Müllverbrennungsanlage Spittelau wirkt Wien verlassen. Als hätten die Menschen vor einer Katastrophe Reißaus genommen und alles stehen und liegen gelassen. Noch ist nicht genug Zeit vergangen, die Natur wuchert noch nicht über das Gebäude, in dem bis vor etwa neun Monaten noch die Wirtschaftsuniversität (WU) untergebracht war.

Wo früher auf den Stufen zum Haupteingang zahlreiche Studenten in der Sonne saßen, sind die Steinplatten nun leer und kalt. Die Türen des Hauptportals sind verschlossen, im Dunklen kann man durch die Scheiben die Portiersloge ausmachen, schemenhaft Aufgänge und weitere Türen erkennen.


Eine junge Frau macht es sich auf einer der vielen leeren Metallbänke auf der Fläche vor dem Gebäude bequem. Sie ist Studentin, erzählt Eva Auer. Ihr Fach ist die Pharmazie, ein Studium, das in einem Gebäude hinter der WU unterrichtet wird. Im mittleren Teil des sogenannten UZA 2 (Universitätszentrum Althanstraße) sind die Pharmazeuten untergebracht. Daran anschließend befindet sich das Geozentrum der Universität Wien, der vordere Teil wurde von der WU genutzt und steht nun leer. Ruhiger sei es auf jeden Fall geworden, erzählt Auer. Aber der einzige wirkliche Nachteil davon, dass die WU weggezogen ist sei, "dass die Mensa jetzt weg ist", sagt sie.



Ingrid Schwarz, Leiterin der Anker-Filiale an der Station "Augasse" der Linie D, direkt vor der WU, hat die Absiedelung der Universität und damit der Studenten sehr stark gespürt. Der "Kopierkeller" gegenüber musste im Dezember sogar seinen Betrieb einstellen. "Aber seit einem Monat geht es wieder aufwärts", sagt Schwarz zuversichtlich. Die Studenten gingen jetzt, wo die Sonne da sei, mehr spazieren, und kommen nun von den hinteren Gebäudeteilen zu ihr, um im kleinen Schanigarten einen Kaffee zu trinken. "Zum Glück haben wir durchgehalten", sagt die Filialleiterin. Immerhin soll ja demnächst wieder eine Uni einziehen, hat sie gehört.

"Aller Voraussicht nach wird die Universität für Bodenkultur (Boku) ab dem Sommer das Gebäude temporär nutzen", bestätigt Ernst Eichinger, Sprecher der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), der Eigentümerin des Gebäudes, das Gehörte. Die Boku könnte die alte WU als Ausweichquartier nutzen, so lange ihr Stammgebäude - das Gregor-Mendel-Haus in Währing - saniert wird. Auch mit der Akademie der Bildenden Künste sei man im Gespräch, da auch deren Stammhaus am Schillerplatz saniert werden soll. "Parallel arbeiten wir an einer langfristigen Nutzung", sagt Eichinger. "Es wird höchstwahrscheinlich in Richtung erneuter Nutzung als Bildungsstandort gehen." Je nach Konzept werden Sanierungs- und Adaptierungsmaßnahmen notwendig sein, generell sei das Gebäude in einem guten Zustand.

Ein Jogger nutzt inzwischen mit seinem Hund die Treppen und verwinkelten Wege rund um das WU-Gebäude, die zur ehemaligen Bibliothek und weiter zum Biologiezentrum der Universität Wien in der Althanstraße führen, für einen ausgedehnten Spaziergang. Gegenüber des Biologiezentrums befindet sich in der Althanstraße 39-45 noch ein weiterer Teil des UZA. Auch hier waren Räume und Hörsäle der WU untergebracht.

Computer verstauben hinter Vitrinen
Anders als beim Hauptgebäude ist die Tür hier offen, bewacht von einem Portier. Immerhin ist hier noch ein Kindergarten untergebracht, finden in einigen Sälen noch Kurse des Universitäts-Sportinstituts (USI) statt. Auch hier bekommt man den Eindruck einer abrupt verlassenen Zivilisation. Die Rollläden des Buffets im Eck sind dicht, die Computer hinter Vitrinen, von denen aus Studierende vor gar nicht allzu langer Zeit noch in den Weiten des Internets surfte, stehen nun blind und netzlos da. Für dieses Gebäude sei man im Gespräch mit einem potenziellen Mieter, der die größten Teile dieses UZA 3 nehmen würde, sagt Eichinger.

Die Wanderung durch den Komplex führt noch auf die andere Seite des UZA, dorthin, wo in der Nordbergstraße 15 früher weitere Teile der WU und die Fakultät für Mathematik der Uni Wien untergebracht waren. Ein ehemaliges Gebäude der Telekom, das im Zuge deren Affären immer wieder genannt wurde. "Wo war meine Leistung", soll Walter Meischberger damals gesagt haben, als es in einem Prozess um den Verkauf des Gebäudes ging.

Die Studenten der Mathematik hat das nicht tangiert. "Für den Studienbetrieb war das egal", erzählt Oliver Leingang von der Studienvertretung. Gewundert habe die meisten vielmehr, dass in diesem Haus eine Uni untergebracht war, sei das Gebäude dafür doch überhaupt nicht geeignet gewesen. "Im Institutsgebäude gab es keine Hörsäle. Um zu den Vorlesungen zu gehen, mussten wir immer ins angrenzende Geo-Zentrum wechseln," erzählt Leingang. Das sei vor allem bei Regen unangenehm gewesen. Jetzt sind die Studierenden weg, und für die rund 25.500 Quadratmeter Bürofläche des UZA 4 wird derzeit ein Nachmieter gesucht, wie ein riesiges Transparent an der Fassade verkündet.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2014-04-04 17:32:08
Letzte Änderung am 2014-04-05 10:20:04


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