• vom 27.06.2014, 06:00 Uhr

Stadtleben


Mitten in Wien

Ins Netz gegangen




  • Artikel
  • Lesenswert (10)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Sabine Karrer

  • Mit ihrer Daubelfischerei haben sich Horst und Silvia Steffek in Wien ein kleines Paradies geschaffen.

Die großen Fische lassen Horst und Silvia Steffek immer frei.

Die großen Fische lassen Horst und Silvia Steffek immer frei.© Karrer Die großen Fische lassen Horst und Silvia Steffek immer frei.© Karrer

Wien. Direkt an der Donau, in Mannswörth, liegt ein kleines Paradies versteckt. Dort betreibt Horst Steffek gemeinsam mit seiner Frau Silvia eine Daubelfischerei Die Daubel ist ein quadratisches Hebenetz, das auf elastische Stäbe gespannt wird. Für den Fischfang wird das Netz auf den Flussgrund abgesenkt und nach einiger Zeit wieder aufgehoben. Dadurch werden die über dem Netz befindlichen Fische im Netzsack gefangen. Die Steffeks besitzen eine von rund 70 Daubeln, die es in Wien noch gibt.

Wer sie besuchen will, fährt mit dem Fahrrad über die Donauinsel bis zum Alberner Hafen, vorbei am Friedhof der Namenlosen, am schattigen Schanigarten und schließlich über eine sandige, schmale Straße noch ein paar Kilometer am Wasser entlang. Zäune kennen die Bewohner hier nicht, die Nachbarn sind zu Besuchern sehr freundlich: "Sie finden ihn am Ende der Straße, er wartet schon auf Sie", sagt einer umgehend. Eine Nachbarin gratuliert Steffek zu seinem Auftritt in der ORF-Sendung "Am Schauplatz". Das Ehepaar selbst wartet bereits vor seinem Haus.


Auf der Holzbank am Ufer sitzend, spricht er über die Faszination der Daubelfischerei. "Das taugt nicht jedem, dafür muss man eine gewisse Liebe haben", sagt er. "80 Prozent fischen ja mit der Angel." Die traditionelle, sehr schonende Art des Fischfangs fand im 19. Jahrhundert ihren Weg nach Wien und Budapest. Während Daubeln aus der ungarischen Hauptstadt inzwischen wieder verbannt wurden, prägen sie das Wiener Stadtbild nach wie vor. Derzeit gibt es sogar Bestrebungen, Daubeln als Weltkulturerbe schützen zu lassen. Erwerben kann sie jeder, Voraussetzungen sind eine gültige amtliche Fischerkarte und eine Daubellizenz. Seine Liebe zu dieser Art des Fischens hat der in Favoriten aufgewachsene Steffek bereits als 19-Jähriger entdeckt. Damals brachte ihn ein Bekannter auf den Geschmack und nahm ihn regelmäßig mit. Ihr Essen fingen sie selbst: "Nur Wasser für den Kaffee und zwei, drei Eier hatten wir dabei, Mehl und Bröseln waren sowieso immer da." Damals gab es sicher noch um 300 Prozent mehr Donaufische, erinnert er sich. Inzwischen leben im Wasser mehr Besatzfische wie etwa Karpfen. Alleine heuer habe er bereits 17 gefangen, in früheren Zeiten maximal einen jährlich. Was sich außerdem verändert hat: Während sich früher niemand um die Daubler gekümmert hat, sind sie heute mit zahlreichen Vorschriften konfrontiert.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2014-06-26 17:14:05


Messerattacken

"Das war ein Amoklauf"

WIEN: PROZESS NACH MESSERATTACKEN IN WIEN-LEOPOLDSTADT - © APAweb / Herbert Neubauer Wien. Noch heute leidet Familie H. an den Folgen des 7. März 2018. Damals war das Ehepaar samt Tochter am Nestroyplatz von einem Mann mit einem Messer... weiter




Gericht

"Es ist gut, dass die Schwester tot ist"

20180822_ehrenmord - © APAweb / Hans Punz Wien. Die Familie. Ständig wird am Mittwoch in Saal 203 des Wiener Straflandesgerichts von ihr geredet. Von ihrem Willen, ihrer Ehre und den Rollen... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Rückgang bei Lagezuschlägen erwartet
  2. Wien lehnt Wohnungsdeal endgültig ab
  3. Grenzen aus Backstein und Benimmregeln
  4. 22 von 80 Gebäuden dürfen nicht abgerissen werden
  5. Das grüne Gespenst
Meistkommentiert
  1. Das grüne Gespenst
  2. Ein Buch als Zündstoff für eine Politik-Debatte
  3. "Muss schlichten statt unterrichten"
  4. Wohin die Busse fahren sollen
  5. Chorherr geht mit Jahresende

Edip Sekowitsch

"Der Setschko war ein Fighter"

Den Sekowitschweg gibt es seit 2012 - doch jetzt wurde er offiziell eingeweiht und gesegnet. - © Schmölzer Wien. Wenn man ihn danach fragte, redete Edip Sekowitsch bereitwillig über seine alte Leidenschaft. Nur vom Äußeren her hätte dem Besitzer eines... weiter




Holzhochhaus

Hoch hinaus mit Holz

Das weltweit höchste Holzhochhaus entsteht in der Seestadt Aspern. - © RLP Ruediger Lainer und Partner Wien/Dornbirn. Das weltweit höchste Holzhochhaus soll in der Seestadt Apern entstehen. Seit mehr als einem Jahr wird an dem Bauwerk aus 24 Stockwerken... weiter




Geschichte

Bitte à la Giraffe!

Wildlife Animals - © Chris Van Lennep Wien. Die Geschichte fängt harmlos an: 1828 erhielt Kaiser Franz I. (II.) vom Vizekönig von Ägypten eine Giraffe, die dieser wiederum im Tiergarten... weiter






Werbung