• vom 01.07.2014, 11:16 Uhr

Stadtleben

Update: 06.08.2014, 16:26 Uhr

U-Bahn

Endstation Om




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Von Stephanie de la Barra

  • Einmal im Monat meditiert der Wiener He Shao Hui mit Gleichgesinnten in der U-Bahn.

"Achtet auf euren Atem", stimmt He Shao Hui seine Mitmeditierer in der U-Bahn ein. - © Foto: De la Barra

"Achtet auf euren Atem", stimmt He Shao Hui seine Mitmeditierer in der U-Bahn ein. © Foto: De la Barra

Wien. Ein Hochzeitsfotograf, ein Architekt, ein Religionswissenschaftler und ein Pfleger. Alle vier stehen aufgereiht am Bahnsteig in der U2-Station Karlsplatz und warten auf die nächste U-Bahn. Noch eine Minute. Es ist 18.30 Uhr, Rush-Hour. Warme Luft bläst aus dem U-Bahn-Schacht entgegen. Gleich werden die vier in den Zug einsteigen und versuchen zur Hauptverkehrszeit zu meditieren. Mitten im Gedränge.

"iMeditateVienna" heißt der Blog, der von dem Wiener He Shao Hui betrieben wird. Hier stellt der Initiator für jeden Monat Termin und Treffpunkt zum Mitfahren und Mitmeditieren zur Verfügung. Der Zeitpunkt des Beginns ist immer 18.30, die U-Bahnlinie jedes Mal eine andere. Kommen kann jeder. Kostenlos.


Die Idee dazu hatte He im Rahmen seiner Teilnahme bei "Pioneers of Change" vor zwei Jahren, im April 2012. Dabei werden die Teilnehmer bei der Realisierung eigener Projekte zum gesellschaftlichen Wandel unterstützt. Wie zum Beispiel das Projekt "Schulparadieschen", wo Schüler selbst in sogenannten "Schulgärten" ihre Lebensmittel herstellen können. Auch He Shao Huis Idee zu "iMeditateVienna" entstand bei "Pioneers of Change". Eigentlich ist der gebürtige Wiener mit kantonesischer Muttersprache Hochzeitsfotograf, aber seit zwei Jahren meditiert er einmal im Monat mit Fremden in der U-Bahn. Die Frage war: Warum nicht dort meditieren, wo man es braucht? Zum Beispiel in der U-Bahn während der Rush-Hour. "Das Projekt steht für eine gemeinschaftliche Kultur der Achtsamkeit. Unsere Welt ist hektisch. Da tun Momente der inneren Stille im städtischen Alltag gut", erklärt He Shao Hui. Vor allem wenn es im Zug eng, schwül und laut ist.

"Museumsquartier, Ausstieg rechts", dröhnt die Ansage durch die U-Bahn. Die Meditationsteilnehmer sitzen stumm da, die Hände flach auf die Oberschenkel gelegt, die Augen geschlossen. He Shao Huis Worte vor der Abfahrt klingen nach. "Achtet auf euren Atem und nehmt das Ein- und Ausströmen des Atems in euren Körper bewusst wahr, das Heben und Senken der Bauchdecke."

Eine Frau hebt für einen Moment den Kopf von ihrem Stadtführer, beobachtet die vier Männer. Sie stutzt. Dann versinkt sie wieder in der Rubrik "Nachtleben" und die U-Bahn in den Schacht. Der Zug fährt in Stationen ein, Menschen steigen aus, noch mehr steigen wieder zu.

Matthias Grümayer, der Religionswissenschafter, ist routiniert im Meditieren. "Safe Energy", spare Energie, steht auf seinem T-Shirt. Darunter ein entspanntes Männlein mit einer Blume im Mund. Auch die anderen Teilnehmer haben die Augen geschlossen, versuchen sich zu konzentrieren. Schritte sind zu hören, das Rascheln von Einkaufstaschen, Gemurmel.

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Schlagwörter

U-Bahn, Meditation, Mitten in Wien

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2014-07-01 11:20:05
Letzte Änderung am 2014-08-06 16:26:44


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