• vom 27.08.2014, 06:00 Uhr

Stadtleben


Jdisches Wien

Leinen mit Wiener Schmäh




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Von Alexia Weiss

  • Arieh Bauer kommentiert die Wochenabschnitte der Tora in zeitgemäßer Sprache humorvoll auf Deutsch und bleibt dabei dennoch recht ernst.

In seiner Muttersprache wollte sich Arieh Bauer mit der Tora auseinandersetzen.

In seiner Muttersprache wollte sich Arieh Bauer mit der Tora auseinandersetzen.© Stanislav Jenis In seiner Muttersprache wollte sich Arieh Bauer mit der Tora auseinandersetzen.© Stanislav Jenis

Wien. Jüdische religiöse zeitgenössische Literatur gibt es vor allem in hebräischer sowie englischer Sprache. Aus Wien kommt aber nun ein Beitrag auf Deutsch: Arieh Bauer, der vor seiner Laufbahn als Kaufmann auch journalistisch tätig war, sandte zunächst an seinen Freundes- und Bekanntenkreis Mails mit Gedanken zum jeweiligen Wochenabschnitt (Hebräisch: Parascha) der Tora aus. Es folgte ein reger Austausch, der ihm signalisierte: Hier gibt es einen Bedarf. Nun hat er seine Analysen der Paraschot auch in Buchform herausgebracht. Titel: "Der Leiner".

Leinen, so nennt man im Jiddischen das Lesen, besonders das Lesen aus der Tora. Der Leiner wäre dann der Leser. Und für Leser sei dieses Buch auch gedacht, betont Bauer im Gespräch mit der "Wiener Zeitung": Leser, die sich der Tora in ihrer Muttersprache nähern wollen. In Wien ist Bauer bekannt, in Deutschland und der Schweiz würde es aber ebenfalls Nachfrage nach seinem Buch geben, erzählt der Neo-Autor.


Anders in der Muttersprache
Bauer kommt zwar aus einer recht traditionellen jüdischen Familie, wuchs aber bei weitem nicht so religiös auf, wie er heute lebt. "Mit 16 Jahren habe ich dann begonnen, mich intensiver für Religion zu interessieren, auch im Rahmen der Misrachi-Bewegung unter Rabbi Pardes. Ich hatte aber das Problem, dass es nichts auf Deutsch gab. Ich konnte Hebräisch lesen, aber ich habe nicht viel verstanden. Und es hat mich immer gestört, dass ich nicht in meiner Muttersprache lernen konnte, das habe ich als Barriere empfunden."

Arieh Bauer ging nach Israel, lernte in einer Jeschiwe, einer Talmudschule, in englischer und auch hebräischer Sprache. Die Auseinandersetzung mit der Tora oder dem Talmud ist seit vielen Jahren für ihn auch auf Iwrit kein Problem mehr.

Als er aber begann, vor etwas mehr als drei Jahren mit seinem jungen Cousin, damals einem Teenager, die Tora zu lernen, formulierte er seine Gedanken zu den Paraschot auch schriftlich auf Deutsch. "Dabei habe ich gemerkt, welche Klarheit mir das persönlich verschafft." Und da er sich die Arbeit schon gemacht hatte, leitete er die deutschen Texte auch an Freunde weiter.

"Ich habe gemerkt: Auch vielen anderen geht es wie mir. Wenn man Dinge in seiner Muttersprache liest, bewegt es einen ganz anders. Die Auseinandersetzung geht tiefer." Das gute Feedback dürfte aber auch mit Bauers persönlichem Schreibstil verbunden sein. Hier liest man keine trockenen Abhandlungen, sondern es geht humorvoll zur Sache, und immer wieder blitzt ein bisschen Wiener Schmäh durch die Zeilen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2014-08-26 17:11:06
Letzte nderung am 2014-08-26 17:24:19



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