• vom 23.09.2014, 17:27 Uhr

Stadtleben

Update: 26.09.2014, 11:27 Uhr

Bosnisch

Auspuh, kuplung und gepek




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Von Ljubisa Buzic

  • Der in Wien lebende Bosnier Nedad Memic beschäftigt sich mit Austriazismen und Germanismen im Bosnischen.

Beim Auto behilft sich der Bosnier mit österreichischen Ausdrücken.

Beim Auto behilft sich der Bosnier mit österreichischen Ausdrücken.© apa/fohringer Beim Auto behilft sich der Bosnier mit österreichischen Ausdrücken.© apa/fohringer

Wien. Wenn sich zwei Bosnier über das Auto unterhalten, wird man wahrscheinlich jede Menge Wörter hören, die einem bekannt vorkommen, auch wenn man kein Bosnisch spricht. Da wird über den auspuh (Auspuff), den anlaser (Anlasser), den gepek (Kofferraum - man beachte: Gepäck) oder die kuplung (Kupplung) gefachsimpelt. Ähnliche Beispiele findet man ebenso auf ganz anderen Gebieten, sei es in der Kulinarik, Administration oder Technik. Wenn ein Bosnier paradajz und krompir aus der špajz (ausgesprochen als Speis’) holt, dann wird der Österreicher wahrscheinlich verstehen, worum es geht. Spätestens, wenn er dann noch das escajg (Esszeug - sprich: Besteck) auf den Tisch legt, kann man sich schon mal fragen, ob Deutsch eine slawische oder Bosnisch eine germanische Sprache ist.


Linguistische Detektivarbeit
"Die meisten denken bei Bosnien erst einmal an Turzismen, Lehnwörter aus dem Türkischen. Vielen ist gar nicht bewusst, wie viele Wörter in der bosnischen Sprache aus dem Deutschen stammen", erklärt Nedad Memic, der seit mehr als zehn Jahren in Wien lebt und als Chefredakteur des mehrsprachigen Migrantenmagazins "Kosmo" arbeitet. Memic beschäftigt sich seit nunmehr 15 Jahren wissenschaftlich mit Germanismen und Austriazismen in der bosnischen Sprache. Nicht nur in seiner Dissertation, die der Germanist an der Universität Wien verfasste, sondern auch in einem kürzlich in Sarajevo erschienenen populärwissenschaftlichen Wörterbuch hat er bosnische Wörter gesammelt, die aus dem Deutschen bzw. insbesondere aus dem österreichischen Deutsch ins Bosnische entlehnt wurden. Über 1100 Fundstücke fasst sein Wörterbuch der Germanismen und Austriazismen im Bosnischen. Es ist das Erste dieser Art, das sich mit den österreichisch-bosnischen Sprachkontakten befasst.

Den entlehnten Wörtern nachzuspüren, hat schon etwas von Detektivarbeit oder linguistischer Archäologie, wie er zugeben muss. Die Kontakte zwischen Kulturen hinterlassen ihre Spuren in der Sprache und können uns viel über die Vergangenheit erzählen. Die Menschen, die die neuen Wörter mitbrachten, waren meistens gesellschaftliche Vorreiter, die sich über Staatsgrenzen hinweg bewegten. So fällt auf, dass ein großer Teil der Lehnwörter aus dem technischen Bereich kommt. "Die ersten bosnischen Ingenieure studierten in Deutschland oder Österreich. Dass ein Schraubenzieher auf Bosnisch šarafciger heißt, ist kein Zufall", erklärt Memic.

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Schlagwörter

Bosnisch, Sprache

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2014-09-23 16:53:08
Letzte Änderung am 2014-09-26 11:27:42


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