• vom 13.10.2014, 17:53 Uhr

Stadtleben

Update: 22.10.2014, 13:52 Uhr

Wien

Wie Vorarlberg Liesing besetzte




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Von Matthias Winterer

  • Mit der Eröffnung des "Vorarlberger Waldes" will das westlichste Bundesland in der Landeshauptstadt mehr Präsenz zeigen.

Mit einem Wappen haben sich die "Gsiberger" im Jahr 2008 im 23. Bezirk ein Denkmal gesetzt.

Mit einem Wappen haben sich die "Gsiberger" im Jahr 2008 im 23. Bezirk ein Denkmal gesetzt.© Winterer Mit einem Wappen haben sich die "Gsiberger" im Jahr 2008 im 23. Bezirk ein Denkmal gesetzt.© Winterer

Wien. Zwischen Südautobahn und Laxenburger Straße, im südlichsten Teil des Industriegebiets Inzersdorf - einer Gegend, die kein öffentliches Verkehrsmittel mehr ansteuert -, befindet sich in Wien die "Vorarlberger Allee". Die Kabel der Starkstromleitungen knirschen über den Köpfen der rund hundert Menschen, die dem Spatenstich zum "Vorarlberger Wald" beiwohnen. Die Anwesenden und Redner zeigen sich sichtlich stolz, den Namen ihres Bundeslandes auf einem Wiener Autobahnschild zu lesen. Immer wieder donnern Lastkraftwagen vorbei. Es riecht nach Industrie und Autoabgasen. Irgendwie kommt das leise Gefühl auf, diese Gegend Wiens wurde still und heimlich von Vorarlberg okkupiert.

Der ehemalige Lustenauer Journalist Siegfried Hämmerle hatte in den 1980er Jahren die skurrile Idee, eine Wiener Straße mit Bäumen aus dem Ländle zu säumen. Als Geste an die Stadt Wien und kleines Dankeschön an die Wiener Philharmoniker, die schon jahrelang die Bregenzer Festspiele mit ihrer Musik bereicherten. Seinem guten Draht zum damaligen Bürgermeister Helmut Zilk war die Realisierung des Projektes zu verdanken. So pflanzten im Jahre 1985 sieben Gärtner aus Vorarlberg 150 Sommerlinden zwischen die Gewerbebetriebe des 23. Wiener Bezirks. 20 Jahre später ging der Spuk weiter. Die Autobahnabfahrt der neuen Südumfahrung Wiens wurde in einem feierlichen Akt als "Vorarlberger Allee" beschildert.


Als Krönung der Initiative setzte man im Juli 2008 ein acht Meter hohes Vorarlbergwappen aus Chromstahl auf den Hügel in der Mitte des Kreisverkehrs der Autobahnabfahrt, als Zeichen der Verbundenheit zwischen den Bundesländern. Der "Vorarlberger Wald" soll diese Beziehung nun weiter vertiefen.

Ein bisschen Jassen gefällig
Laut Gäste des Festes soll die Vorarlberger Community in Wien eine beachtliche Größe besitzen. Wie viele Vorarlberger wirklich in Wien leben, ist aufgrund der unsicheren Datenlage schwer zu eruieren. Der Verein "Vorarlberger in Wien" geht von 20.000 Vertretern des Ländles in der Bundeshauptstadt aus. Wäre dies tatsächlich der Fall, würden in Wien um nur fünftausend Vorarlberger weniger als in Bregenz selbst wohnen. Die Stadt schätzt die Anzahl der Vorarlberger mit acht- bis zehntausend allerdings deutlich geringer. Genauer ist die Zahl der in Wien studierenden Vorarlberger messbar. Derzeit sind es knapp unter 3000. Ihnen nimmt sich der Verein "Vorarlberger in Wien" an, der mit rund tausend Mitgliedern der größte Bundesländerverein in der Hauptstadt ist. Er hat eine 125 Jahre alte Tradition und soll sich hauptsächlich an die Studenten richten. Ulrike Kinz, stellvertretende Obfrau des Vereins, betont, dass es sich um eine moderne, zeitgemäße Plattform handle, die hauptsächlich Veranstaltungen für Vorarlberger organisiere.

Die wichtigste und größte ist der "Ball der Vorarlberger" im Palais Ferstel. "Es geht um Vernetzung und weniger um die Tradition Vorarlbergs", sagt Kinz. Ein Blick auf die Website des Vereins zeigt allerdings, dass auch die Pflege des Volkstümlichen, des Vorarlberger Kulturguts nicht zu kurz kommt. So trifft man sich regelmäßig zum Jassen, einem in Vorarlberg und der Schweiz beliebten Kartenspiel oder feiert bei Kasspätzle und Schnaps anfällige Jubiläen. Der Verein betreibt eine eigene Bibliothek, die gegen Voranmeldung öffentlich benutzbar ist. An die 2500 Vorarlbergensia werden dort archiviert, "zum Teil auch wertvolle Antiquitäten", betont Kinz. Leider wird die Bibliothek in den vergangenen Jahren kaum noch frequentiert.

Eigentlich näher zur Schweiz
Bregenz ist von Wien rund 500 Kilometer Luftlinie entfernt. Mit dem Auto sind es über 600 Kilometer, man braucht etwa sechs Stunden. Zwei Städte können in Österreich kaum weiter voneinander entfernt sein. Historisch betrachtet war das Verhältnis der Menschen aus dem Ländle zu ihrer Bundeshauptstadt nicht immer unproblematisch.

So sprachen sich im Jahr 1919 mehr als 80 Prozent der Vorarlberger für ein Zusammengehen mit der Schweiz aus. Doch sowohl Österreich, aber auch die Schweiz lehnten ab. Immer wieder halten sich - meist scherzhaft - die Gerüchte, dass eine Abstimmung heute nicht viel anders ausgehen würde. Es bleibt abzuwarten inwieweit der "Vorarlberger Wald" die Freundschaft zwischen den 500 Kilometer entfernten Bundesländern weiter festigt und das Liebäugeln mit dem Schweizer Nachbarn unterbindet.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2014-10-13 17:56:05
Letzte Änderung am 2014-10-22 13:52:02


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