• vom 11.09.2009, 17:22 Uhr

Stadtleben

Update: 11.09.2009, 17:28 Uhr

Eine Generation von Gastarbeitern gibt das Zepter weiter: Nachkommen punkten als Nahversorger und Arbeitgeber

Mit Geschäftssinn gegen Vorurteile




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Von Claudia Peintner

  • Fast ein Drittel der Einzelunternehmer in Wien sind Zuwanderer.
  • Türkische Kunden über das Telefonbuch ausfindig machen.
  • "Woher ich komme, ist den Käufern egal."
  • Wien. Erst verkaufte er sein Grundstück in Ankara, dann gründete Deniz Gönül in Wien sein eigenes Reisebüro. Das war Anfang der 90er Jahre.

Da das Internet noch in den Kinderschuhen steckte, war auch bei der Werbung Hausverstand gefragt: "Meine Frau und ich haben Telefonbücher aus Ostösterreich gesammelt und uns alle türkischen Namen samt Adressen herausgesucht", erinnert sich der Geschäftsmann, der mit 18 Jahren nach Österreich kam. "Über persönliche Briefe, mit der Schreibmaschine verfasst, haben wir uns damals bekannt gemacht."

Nicht nur Kenntnisse im Marketing, auch Kostenrechnung und Buchhaltung seien als zugewanderter Unternehmer wichtig, um zu überleben, bescheinigt der Absolvent eines Tourismus-Lehrgangs. Und: Arbeiten, arbeiten, arbeiten.


Der bittere Nachgeschmack dabei: "Es ist ein Arbeitsbeitrag, der selten in der Öffentlichkeit gewürdigt wird", betonen Vertreter des Österreichischen Integrationsfonds. Während Themen wie Deutschprobleme und fehlende Ausbildung in der öffentlichen Diskussion allgegenwärtig seien, werde der Aufstieg vom Gastarbeiter zur Ich-AG selten zur Sprache gebracht.

Klischee: Döner-Mann

Immerhin haben in der Bundeshauptstadt laut Wirtschaftskammer Wien (WKW) 30 Prozent oder 19.000 der Einzelunternehmer Migrationshintergrund. "Die Migranten leisten einen unverzichtbaren Beitrag zum Wirtschaftswachstum", unterstreicht WKW-Präsidentin Brigitte Jank. So gehen Experten davon aus, dass allein in Wien 3000 türkische Unternehmer (erste und zweite Generation) rund 6000 Arbeitnehmer beschäftigen. Der erwirtschaftete Umsatz liegt Schätzungen zufolge jährlich bei 300 Mio. Euro.

In den Statistiken nicht enthalten sind dabei jene türkischstämmigen Unternehmer, die eingebürgert sind. Auch die Zuordnung nach Branchen basiert nur auf Mutmaßungen: Eine davon ist etwa, dass die Kebab-Buden-Besitzer - entgegen der weitläufigen Stereotype - mittlerweile nur eine Minderzahl unter den Geschäftsleuten ausmachen.

"Der klassische Beruf der türkischen Gastarbeiter, die in den 60er Jahren nach Österreich kamen, um der Wirtschaft auf die Sprünge zu helfen, war Industriearbeiter", schildert der Migrationsforscher August Gächter. Mittlerweile seien ihre Nachkommen in Handwerksberufen zu finden.

Dazu gehören etwa Elektro- und Kfz-Betriebe. Es sind aber auch traditionelle Professionen, die von Einheimischen als unattraktiv empfunden und nach und nach verlassen wurden. So verweist das Türschild kleiner Änderungsschneidereien, beim Schusterladen oder beim Greißler am Eck nicht selten auf einen türkischen Besitzer.

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Dokument erstellt am 2009-09-11 17:22:02
Letzte Änderung am 2009-09-11 17:28:00


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