• vom 25.11.2014, 09:45 Uhr

Stadtleben

Update: 25.11.2014, 09:46 Uhr

Community-Politik

Der Muslim, (k)ein Sicherheitsproblem




  • Artikel
  • Lesenswert (26)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Ayper Cetin

  • Das "Netzwerk Muslimische Zivilgesellschaft" bietet Community-Politik für Muslime und räumt mit Vorurteilen auf.

Jugendcoach Gülmihri Aytac zählt zu den Mitbegründern des neuen Netzwerks. - © Asma Aiad

Jugendcoach Gülmihri Aytac zählt zu den Mitbegründern des neuen Netzwerks. © Asma Aiad

Wien. Jungen Menschen ihre Angst vor der Schule nehmen, sie bei familiären Problemen unterstützen und ihnen helfen, den Schulalltag zu meistern: Das sind nur einige der vielen Aufgaben des Kinder- und Jugendcoachs Gülmihri Aytac. Seit geraumer Zeit hat sie eine weitere Aufgabe. Neben immer stärkerem Leistungsdruck, der Kindern auferlegt wird, macht Aytac besonders die steigende Diskriminierung von Muslimen an Schulen Sorgen. Unsachliche Debatten über Muslime werden nicht nur in den Internetforen ausgetragen, sie gelangen unweigerlich auch in die Klassenzimmer. "Die Debatte rund um die Radikalisierung junger Muslime heizt das Klima an Schulen enorm an", erklärt Aytac.


Aytacs Unmut teilen auch viele andere Muslime, die mit Sorge die Debatten und Entwicklungen verfolgen.

Lehrer soll IS-Sympathisanten aufspüren
Innerhalb weniger Tage haben sich deshalb verschiedene muslimische Aktivisten zusammengefunden, wodurch das Netzwerk Muslimische Zivilgesellschaft (NMZ) entstand. Das Netzwerk besteht aus jungen Aktivisten unterschiedlicher Herkunft und verschiedener islamischer Strömungen. Zum ersten Netzwerktreffen erschienen etwa 30 Personen, mit der Zeit schlossen sich immer mehr junge Muslime an. So wird an einem Kurzfilm gearbeitet, ein Hearing organisiert oder aktuelle Entwicklungen über Social Media Kanäle an Interessierte verbreitet. Die Mitglieder wollen vor allem Informationsarbeit leisten und Engagierte miteinander vernetzen.

Wichtige Inputs liefern Pädagogen, wie etwa Yusuf, der unerkannt bleiben möchte. Yusuf ist islamischer Religionslehrer und hat mit dem Thema Radikalisierung mittlerweile sehr häufig zu tun. Nicht jedoch mit radikalisierten Schülern, sondern mit Lehrern, die mit seiner Hilfe IS-Sympathisanten aufspüren wollen. Er berichtet, dass er immer wieder durch Lehrer auf seine Schüler angesprochen und gefragt wird, ob er schon eine Radikalisierung feststelle und Namen nenne könne. Auch in seine Lehrinhalte wollen sich Kollegen einmischen.

Eine Lehrerin wollte von ihm, dass er das Thema Vollverschleierung von Musliminnen in seiner nächsten Schulstunde behandeln möge, da "sich solche Entwicklungen sicher in Zukunft häufen werden". Yusuf hat den Eindruck, dass Lehrer muslimischen Schülern nur noch mit Angst und Misstrauen gegenübertreten und das stärker denn je.

Junge Muslime werden mittlerweile vor allem als ein Sicherheitsproblem betrachtet. Die Angst vor Radikalisierung geht sogar so weit, dass unter Jugendlichen geläufige Modewörter wie etwa "yani" (arabisch: "nämlich") und die Verschlechterung schulischer Leistungen schon als Indizien einer Radikalisierung bezeichnet werden. "Die Jugendlichen fühlen sich nur noch beobachtet und fragen sich, was sie falsch machen. Jeder Psychologe wird bestätigen können, dass das Gefühl, ständig beobachtet zu werden und unter Verdacht zu stehen, nur Negatives bewirkt. Es führt ganz klar nicht zu einer Deradikalisierung, im Gegenteil", so Aytac.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2014-11-24 17:14:04
Letzte Änderung am 2014-11-25 09:46:28


Vor Gericht

Verbissen

Den verpflichtenden Hundeführschein für ihren Pitbull hat die Zweitangeklagte nicht gemacht (Symbolfoto). - © afp/Jack Guez Wien. Selbst nach Verhandlungsschluss kehrt keine Ruhe ein. Beschwerden hallen durch den Saal, Angeklagte und deren Angehörige umringen den... weiter




Prozess

Kritik an Verurteilung von Sigrid Maurer

GERICHTSVERHANDLUNG WEGEN †BLER NACHREDE: MAURER / WINDHAGER - © APAweb / Hans Punz Wien. Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten. "Eine rechtspolitische Sauerei" sei das Urteil, sagte Medienanwalt Michael Pilz... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Initiative will Weinsorte Zweigelt umbennen
  2. Proteste gegen "Grätzl-Wall"
  3. Ein Jahr der Führungswechsel
  4. "Eine asoziale Tendenz"
  5. "Die FPÖ ist eine rassistische Partei"
Meistkommentiert
  1. Initiative will Weinsorte Zweigelt umbennen
  2. "Die FPÖ ist eine rassistische Partei"
  3. Debatte um Zukunft der Zweierlinie
  4. 50 Euro für Schlafsack und eine warme Mahlzeit
  5. Marktordnung schmeckt Standlern nicht

Edip Sekowitsch

"Der Setschko war ein Fighter"

Den Sekowitschweg gibt es seit 2012 - doch jetzt wurde er offiziell eingeweiht und gesegnet. - © Schmölzer Wien. Wenn man ihn danach fragte, redete Edip Sekowitsch bereitwillig über seine alte Leidenschaft. Nur vom Äußeren her hätte dem Besitzer eines... weiter




Holzhochhaus

Hoch hinaus mit Holz

Das weltweit höchste Holzhochhaus entsteht in der Seestadt Aspern. - © RLP Ruediger Lainer und Partner Wien/Dornbirn. Das weltweit höchste Holzhochhaus soll in der Seestadt Apern entstehen. Seit mehr als einem Jahr wird an dem Bauwerk aus 24 Stockwerken... weiter




Geschichte

Bitte à la Giraffe!

Wildlife Animals - © Chris Van Lennep Wien. Die Geschichte fängt harmlos an: 1828 erhielt Kaiser Franz I. (II.) vom Vizekönig von Ägypten eine Giraffe, die dieser wiederum im Tiergarten... weiter






Werbung