• vom 16.01.2015, 08:00 Uhr

Stadtleben


Wiener Eisrevue

"Traumfabrik" der Nachkriegszeit




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"Die Entwicklung hin zu einer Konzentration auf wenige, riesige Unternehmen und eine größere Beliebigkeit der Inhalte und Formen, wie sie ab den 1960ern verstärkt zu beobachten ist, hat letztlich auch die Wiener Eisrevue in Schwierigkeiten gebracht. Sie hat sich aber überraschend lange widerständig gegenüber diesen Veränderungen gezeigt", ergänzt er. Jedenfalls war sie so bekannt wie die Wiener Hofreitschule, die Philharmoniker oder die Sängerknaben. Namhafte Eiskunstläufer, die ihr Können bereits als Amateure unter Beweis gestellt hatten, versetzten Abend für Abend zehntausende Menschen in ausverkauften Hallen in Europa und Übersee in eine Traumwelt auf spiegelndem Parkett, unterstützt von den Girls des Eisballetts und den Kompositionen von "Operettenkönig" Robert Stolz. Mit dem Reingewinn aus den Produktionen wurde der österreichische Eissportnachwuchs gefördert, dem dadurch das kostspielige Training ermöglicht wurde.

Der Inhalt des Buches spannt sich von den sportlichen Wurzeln und Vorläufern der Wiener Eisrevue in den 1930ern über erste Erfolge, Stars, Konkurrenz und Organisation der Revue in ihrer Glanzzeit in den 1950ern bis hin zur Krise, zum Verkauf an Holiday on Ice und schließlich zum Aus des Traditionsbetriebs Anfang der 1970er. Hachleitner beschreibt den Boom bis hin zur Krise ausführlich: Die Zuschauerzahlen stiegen bis Mitte der 1960er an. Dahinter steckte aber nicht eine weiter wachsende Attraktivität dieser Unterhaltungsform, sondern drei Faktoren: Einerseits gastierte die Wiener Eisrevue nur einmal pro Jahr, jeweils für ein paar Wochen in der Stadt. So blieb der Besuch einer Eisrevue-Vorstellung ein besonderes gesellschaftliches Ereignis, das dadurch besser durch die später hinzukommende Konkurrenz durch das Fernsehen standhalten konnte. Außerdem war sie ab 1960 mit zwei Produktionen gleichzeitig unterwegs.

Mehr Zuschauer durch neuere, größere Hallen
So konnten mehrere Städte bespielt und neue geografische Märkte erschlossen werden. Aber das war nicht alles: In den ersten 20 Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in vielen Städten neue, größere Hallen gebaut. So erreichte das Spektakel in kürzester Zeit in einer Stadt weit mehr Besucher - was wiederum die Anzahl der besuchten Städte pro Jahr erhöhte. Eine sehr zentrale Rolle spielte in diesem Zusammenhang die neue Wiener Stadthalle ab 1958. Bei gleicher Spieldauer in Wien konnte die Zuschauerzahl mit einem Schlag verdoppelt werden. Davon profitierte die Wiener Eisrevue bis zuletzt, als sich in anderen Städten die Zuschauerzahlen bereits deutlich auf einer Talfahrt befanden.

Summa summarum kann gesagt werden, dass bereits die 1950er ein Wendepunkt für die Traumfabrik waren. Zwar funktionierte sie weitere zehn Jahre gut, die Kostüme wurden noch opulenter, das eisläuferische Niveau blieb hoch, doch die Rahmenbedingungen hatten sich verändert. Dennoch waren Stars wie der dreifache Weltmeister Emmerich Danzer oder die zweimalige Europameisterin Regine Heitzer international anerkannt und beliebt. Mit dem flächendeckenden Einzug des Fernsehens und neuer Formen der Populärkultur kam die Eisrevue in Schwierigkeiten. Wien blieb zwar eine Metropole der Hochkultur, Wiener Unterhaltungskultur spielte international aber längst keine Rolle (mehr). Für österreichische Verhältnisse war sie riesig.

Untergang einer Wiener Kulturikone
Ende der 1960er lag ihr Umsatz bei etwa 60 Millionen Schilling pro Saison, doch der Verkauf 1970 wurde nicht nur wegen der wirtschaftlichen Bedeutung als Verlust gesehen. Viele betrachteten ihn als Untergang einer Wiener - oder sogar österreichischen - Kulturikone. Hachleitner schließt sein Vorwort wehmütig: "Im internationalen Showgeschäft, das immer stärker von wenigen weltweit tätigen Konzernen dominiert wurde, war die Wiener Eisrevue eine zu vernachlässigende Größe geworden. Allerdings verloren die Eisshows generell an Bedeutung", so seine Conclusio. Daher sei es auch kein Zufall, dass "Holiday on Ice" längst kein eigenständiges Unternehmen mehr sei.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2015-01-15 16:50:07
Letzte Änderung am 2015-01-15 16:59:25


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