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Stadtleben

Update: 11.02.2015, 17:09 Uhr

Soziales Engagement

Hotel der vielen Länder




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Von Ina Weber

  • Das Social-Business-Projekt Magdas in der Laufbergergasse im 2. Bezirk gibt Flüchtlingen einen Job.

Hotel mit sozialem Mehrwert: 26 Menschen aus 16 Ländern arbeiten im Magdas . - © apa/Neubauer

Hotel mit sozialem Mehrwert: 26 Menschen aus 16 Ländern arbeiten im Magdas . © apa/Neubauer

Wien. Mitten im Pratercottage bei der Böcklinstraße steht ein ehemaliges Pensionistenheim der Caritas, welches mit der Eröffnung am Mittwoch zum Hotel geworden ist. Zu keinem gewöhnlichen Hotel, sondern zu einem, welches nicht nach den üblichen gewinnorientierten Regeln funktioniert, sondern ein soziales Problem löst: Arbeitslosigkeit und Migration.

Teil des Magdas-Teams: Hausdame "Chichi" (oben), Rezeptionist Dinis (l.u.) , Hotelmanager Sebastiaan de Vos (r.u.).

Teil des Magdas-Teams: Hausdame "Chichi" (oben), Rezeptionist Dinis (l.u.) , Hotelmanager Sebastiaan de Vos (r.u.).© Stanislav Jenis Teil des Magdas-Teams: Hausdame "Chichi" (oben), Rezeptionist Dinis (l.u.) , Hotelmanager Sebastiaan de Vos (r.u.).© Stanislav Jenis

Das Hotel Magdas in der Laufbergergasse im 2. Bezirk beschäftigt 20 Flüchtlinge und 6 Hotel-Profis aus 16 Ländern. Eine davon ist Chichi, wie sie genannt wird, die Hausdame. Verheiratet mit einem evangelischen Pastor, lebt sie schon sehr lange in Wien. Ebenfalls lange hat sie auf eine Arbeitserlaubnis warten müssen. Und wie bei vielen macht es sich bei einem potenziellen Arbeitgeber nicht gut, wenn man jahrelang eben nicht gearbeitet hat. Im Magdas ist genau das der Plan: jenen Arbeit zu geben, die es in diesem Land nicht leicht haben. Die gebürtige Nigerianerin freut sich auf die neue Herausforderung.


Auch der aus Westafrika stammende Dinis ist mit dabei. Er lebt seit elf Jahren in Österreich und spricht sechs Sprachen - darunter Deutsch, was für alle Bewerber für dieses Projekt Voraussetzung war. Dinis ist ausgebildeter Rezeptionist und hat Hotel-Erfahrung. Zwei Jahre lang musste er warten, bis er eine Arbeitsbewilligung bekam. Es sei für ihn nicht einfach gewesen, einen Job zu finden. Umso mehr freute er sich, dass er für dieses Hotel ausgewählt wurde. "Es freut mich sehr, dass Menschen mit Flüchtlingshintergrund unterstützt werden", sagt er zur "Wiener Zeitung". "Jeder von uns kommt aus einem anderen Land. Genau das gefällt mir gut, dass alles multikulturell ist."

Ebenfalls bi-national ist der Hotelmanager selbst. Sebastiaan de Vos kommt ursprünglich aus den Niederlanden. Seine Eltern zogen nach Tirol, als er zehn Jahre alt war. Der Tourismus-Experte weiß, was es bedeutet, ausgegrenzt zu werden. "Ich habe lange gebraucht, um Freunde zu finden", blickt der Manager zurück. "Nur weil jemand ein Flüchtling ist, heißt das nicht, dass er kein Mensch ist", sagt er.

Das Hotel ist das dritte Magdas-Projekt der Caritas. Die Magdas Kantine im 10. Bezirk und das Magdas Recycling bei der Caritas Carla Nord im 21. Bezirk gibt es schon länger. Von Anfang an sei es der Plan gewesen, die Öffentlichkeit in das Projekt einzubinden, erzählt de Vos. Und die Unterstützung sei enorm. Von Sachspenden von großen Firmen über Geld mittels Crowdfunding bis zu Spenden helfen viele. Der Verein will sich langfristig selbst finanzieren. 80 Prozent des Teams sind Flüchtlinge. 20 Prozent sind Profis aus der Hotellerie.

Alle an einen Tisch
De Vos will in Zukunft im Hotel auch Lehrlinge ausbilden. "Die Menschen sollen hier aufgegangen werden", sagt der Manager. Für die Caritas ist das Projekt in Zeiten, in denen es immer mehr Flüchtlinge gibt, besonders wichtig. Flüchtlinge, ob jung oder alt, hätten oft keine Chance. Der Zugang zum Arbeitsmarkt sei noch immer beschränkt. "Wer legal hier lebt, soll auch legal hier arbeiten dürfen", so Caritas Präsident Michael Landau. Um möglichst viele Arbeitsplätze für anerkannte Flüchtlinge zu schaffen, sind weitere Projekte, etwa eine Fahrradwerkstätte geplant.

Ein Social-Dinner schwebt Manager de Vos vor. "Wir haben bewusst auf Fernseher in den Zimmern verzichtet. Die Gäste sollen lieber in den Salon kommen und dort gemeinsam an einem Tisch essen, wenn sie das wollen, und sich kennenlernen." 167 Betten in 78 Zimmern stehen für die zukünftigen Hotel-Gäste bereit. Dieses Hotel verbinde Kulturen, so Landau. Neben offen und tolerant sollte der Gast aber auf jeden Fall auch eines sein, schickt Hotel- Manager Sebastiaan de Vos nicht ganz ohne ein Schmunzeln voraus: "Erlebnisorientiert".




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2015-02-11 17:02:06
Letzte Änderung am 2015-02-11 17:09:45


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