• vom 03.03.2015, 18:07 Uhr

Stadtleben

Update: 04.03.2015, 07:41 Uhr

Interview

Ruppig, aber tolerant




  • Artikel
  • Kommentare (10)
  • Lesenswert (82)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Arian Faal

  • Prückel-Chefin Christl Sedlar im Exklusivinterview mit der "Wiener Zeitung" über die Kussaffäre.


© apa/Herbert Neubauer © apa/Herbert Neubauer

Wien. Zwei Monate nach der medial weltweit beachteten "Kuss-Affäre" im Traditionscafé Prückel auf der Ringstraße spricht die Besitzerin Christl Sedlar erstmals ausführlich über ihre Sicht der Dinge und weist den Vorwurf der Homosexuellenfeindlichkeit von sich.

"Wiener Zeitung": Gibt es zwei Monate nach der "Kuss-Affäre" noch Nachwirkungen?

Information

6. Jänner 2015: (af) Ein Kuss zwischen zwei Lesben im Traditionscafé Prückel auf der Ringstraße führte am Abend des 6. Jänner dazu, dass Besitzerin Christl Sedlar die beiden Damen des Lokals verwies. Die "Zurschaustellung von Andersartigkeit" habe in ihrem Café keinen Platz.

6. bis 14. Jänner: Große Empörung wegen dem Rauswurf, und teilweise auch Unterstützung für Sedlar; weltweite Berichte über den Vorfall, der fortan als "Kuss-Affäre" bezeichnet wird.

13. Jänner: Der Wien Tourismus ist über den Vorfall nicht glücklich. Man schäme sich für das Prückel, heißt es.

15. Jänner: Sedlar entschuldigt sich via APA-Aussendung, die Aktion kritischer Schüler(Innen) ruft indessen zu einer Demonstration für 16. Jänner auf. Sedlar: "Meine Reaktion war überzogen."

16. Jänner: Rund 2000 Menschen demonstrieren in der Nähe des Café Prückel gegen Homophobie. An der Protestkundgebung "Küssen im Prückel" nehmen auch Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) sowie weitere Grün-, SPÖ- und Neos-Politiker teil. Das Kaffeehaus selbst bleibt an diesem Tag geschlossen.
Zuvor ist es am selben Tag zu Beschmierungen der Fassade des Cafés gekommen. Smash Homophobia wurde an zwei Stellen neben dem Eingang gesprüht. Die Veranstalter der Demo distanzieren sich von dem Vandalenakt.
Nach der Veranstaltung wird ein 18-jähriger Demonstrant im Einkaufszentrum The Mall auf dem Herren-WC attackiert und verletzt.

27. Februar: Laut Polizei ist der mutmaßliche Haupttäter der Attacke auf den Demonstranten gegen das Café Prückel ausgeforscht worden.


Christl Sedlar: Ja, die gibt es definitiv. Ich bekomme immer noch E-Mails, in denen ich beschimpft werde. Darin heißt es, dass mein Verhalten beschämend gewesen sei. Aber Gott sei Dank gibt es auch noch freundliche und ermutigende Kunden, die Blumen oder Schokolade vorbeibringen.

Wie gehen Sie mit dem Feedback um?

Jemand hat mich als Nazi-Schwein beschimpft. Mittlerweile habe ich mir einen E-Mailordner angelegt, wo bereits hunderte Nachrichten drinnen sind, positive wie negative. Eines aber noch: Erst vor ein paar Tagen sind unabhängig voneinander fünf Herren unterschiedlichen Alters ins Café gekommen und haben mir zu meinem Mut gratuliert.

Nach dem Rauswurf haben Sie sich ja entschuldigt. Haben Sie noch Schuldgefühle?

Nein, überhaupt nicht. Wissen Sie, die Polizei hat den beiden Damen, den Organisatoren der Demonstration und mir ein klärendes Gespräch vorgeschlagen, um die Kundgebung zu verhindern. Ich habe sofort zugesagt und hätte mich bei dem Gespräch auch noch einmal entschuldigt. Doch die Organisatoren der Demonstration und die beiden Damen haben das abgelehnt, den Termin wahrzunehmen. In der Folge habe ich dann das Statement mit der Entschuldigung an die Austria Presse Agentur geschickt.

Wie hat sich die Affäre auf das Geschäft ausgewirkt?

Der Jänner und der Februar waren etwas schlechter als die Jahre zuvor, aber nicht viel schlechter. Ich führe das nicht
auf dieses Ereignis zurück, sondern auf die allgemeine schlechte Wirtschaftslage. Bestes Indiz
dafür ist, dass viele Parkplätze leer bleiben und immer mehr
Geschäfte zusperren. Es kommen jedes Jahr Leute zu mir, die das Prückel kaufen wollen. Das ist für mich ein Anzeichen, dass es gut geht. Ich lehne natürlich immer ab.

Wie stehen Sie zu homosexuellen Menschen?

weiterlesen auf Seite 2 von 2




10 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2015-03-03 16:11:11
Letzte Änderung am 2015-03-04 07:41:23


Vor Gericht

"Ich dachte, dass ich sterben muss"

So sauber und korrekt wie hier soll es bei den Operationen des Angeklagten nicht zugegangen sein: Er soll teils in Straßenkleidung, ohne Mundschutz und Handschuhe operiert haben. - © apa/Roland Schlager Wien. Auch heute noch ist Frau T. von dem Eingriff traumatisiert. Sie beginnt zu weinen, als sie davon erzählt. Erst nachdem ihr ein Wasser gereicht... weiter




Vor Gericht

Verbissen

Den verpflichtenden Hundeführschein für ihren Pitbull hat die Zweitangeklagte nicht gemacht (Symbolfoto). - © afp/Jack Guez Wien. Selbst nach Verhandlungsschluss kehrt keine Ruhe ein. Beschwerden hallen durch den Saal, Angeklagte und deren Angehörige umringen den... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Rote Inszenierung gegen den Bund
  2. Tourist Central
  3. Immer mehr Frauen als Mordopfer
  4. Wien lädt zu Rundem Tisch zu Krankenanstalten-Arbeitszeit
  5. Kräne in Wien umgestürzt
Meistkommentiert
  1. Ludwig kontert Kritik von Kurz und Strache
  2. Wiens Pläne laut Juristen unzulässig
  3. Rote Inszenierung gegen den Bund
  4. "Ab 2021 sind E-Autos massentauglich"
  5. Tourist Central

Edip Sekowitsch

"Der Setschko war ein Fighter"

Den Sekowitschweg gibt es seit 2012 - doch jetzt wurde er offiziell eingeweiht und gesegnet. - © Schmölzer Wien. Wenn man ihn danach fragte, redete Edip Sekowitsch bereitwillig über seine alte Leidenschaft. Nur vom Äußeren her hätte dem Besitzer eines... weiter




Holzhochhaus

Hoch hinaus mit Holz

Das weltweit höchste Holzhochhaus entsteht in der Seestadt Aspern. - © RLP Ruediger Lainer und Partner Wien/Dornbirn. Das weltweit höchste Holzhochhaus soll in der Seestadt Apern entstehen. Seit mehr als einem Jahr wird an dem Bauwerk aus 24 Stockwerken... weiter




Geschichte

Bitte à la Giraffe!

Wildlife Animals - © Chris Van Lennep Wien. Die Geschichte fängt harmlos an: 1828 erhielt Kaiser Franz I. (II.) vom Vizekönig von Ägypten eine Giraffe, die dieser wiederum im Tiergarten... weiter






Werbung