• vom 13.03.2015, 20:30 Uhr

Stadtleben

Update: 14.03.2015, 08:57 Uhr

Asylwerber

Versteckspielchen




  • Artikel
  • Kommentare (2)
  • Lesenswert (19)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Solmaz Khorsand

  • Wie beschäftigt man Asylwerber, ohne sie auszubeuten? Das Wiener brut stellt am Samstag einen Leitfaden vor - und begibt sich auf ein Minenfeld.

Such den Flüchtling , heißt es für Passanten im Resselpark beim Projekt "Organized Disintegratio."

Such den Flüchtling , heißt es für Passanten im Resselpark beim Projekt "Organized Disintegratio."© brut Such den Flüchtling , heißt es für Passanten im Resselpark beim Projekt "Organized Disintegratio."© brut

Wien. Der Wiener probiert alles, um seiner Langweile Herr zu werden. Früher ist er Samstagnachmittag auf einer Einkaufsstraße flaniert, hat seine Muskeln im Fitnesscenter trainiert und seinen Abend bei Brettspielen mit Freunden verbracht. Das reicht ihm heute nicht mehr. Er flaniert auf Mitternachtsflohmärkten in abgeschiedenen Industriehallen, er schwitzt bei 39 Grad im Bikramyogazelt und lässt sich mit seinen Freunden in einen Bunker einsperren, aus dem er nur mit viel Kombinationsgeschick wieder herauskommt. So sieht moderne Freizeitgestaltung aus. Seit Freitag kann er sich einem neuen Hobby widmen: der Flüchtlingsjagd. Bis 21. März geben fünf Asylwerber das Freiwild zum Anfassen. Von 14 bis 20 Uhr laden sie im Resselpark Passanten dazu ein, mit ihnen Verstecken zu spielen.

"Organized Disintegration" nennt die katalanische Künstlerin Nuria Guell dieses Projekt. Was nach einem zynischen Zeitvertreib gelangweilter Großstädter aussieht, soll vielmehr die Bedingungen thematisieren, unter denen Asylwerber in Österreich leben und arbeiten. Das Projekt geht dabei über das Versteckspiel hinaus. Um die Asylwerber legal für die Arbeit beschäftigen zu können, hat das Wiener brut, der Veranstalter, die rechtlichen Bedingungen des Arbeitsmarktes für Asylwerber durchleuchtet und einen Leitfaden erstellt. Im Mobilen Stadtlabor der Technischen Universität wird er am Samstag im Resselpark vorgestellt. Es ist ein kleines Einmaleins, wie Asylwerber beschäftigt werden können, ohne sie auszubeuten und ohne eine Strafe zu kassieren.

Information

Am 14. März gibt es im Mobilen Sadtlabor der TU im Resselpark von 17 bis 19 Uhr ein Gespräch zu dem Thema.


Erst im Jänner hat der Fall eines Sozialarbeiters wieder gezeigt, wie knifflig so ein Unterfangen sein kann. Wie die Tageszeitung "Der Standard" berichtet hat, wurde der Mann zu einer Geldstrafe von 1730 Euro verklagt, weil er gegen das Ausländer- und das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz verstoßen hatte, als er einem sudanesischen Flüchtling ein Trinkgeld von 110 Euro für seine Hilfe im Garten gezahlt hatte.

Auf der Suche nach
der Gesetzeslücke

Laut Ausländerbeschäftigungsgesetz dürfen Asylwerber nach drei Monaten eine Stelle antreten - sofern sich kein Einheimischer oder EU-Bürger für die Stelle findet. Ein großzügiger Zugang zum Arbeitsmarkt, eigentlich. 2004 wurde das geändert. Der damalige Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (ÖVP) beschränkte den Zugang auf Saison- und Erntearbeit. Darüber hinaus können Asylwerber als Selbständige arbeiten, sofern sie dafür keinen Gewerbeschein benötigen, also etwa als Zeitungsträger oder Prostituierte. Bei den restlichen Beschäftigungen muss der Arbeitgeber einen Antrag auf Arbeitsbewilligung stellen und beweisen, dass kein Inländer oder EU-Bürger für den Job in Frage kommt.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




2 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2015-03-13 17:26:05
Letzte Änderung am 2015-03-14 08:57:16


Prozess

Kritik an Verurteilung von Sigrid Maurer

GERICHTSVERHANDLUNG WEGEN †BLER NACHREDE: MAURER / WINDHAGER - © APAweb / Hans Punz Wien. Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten. "Eine rechtspolitische Sauerei" sei das Urteil, sagte Medienanwalt Michael Pilz... weiter




Messerattacken

"Das war ein Amoklauf"

WIEN: PROZESS NACH MESSERATTACKEN IN WIEN-LEOPOLDSTADT - © APAweb / Herbert Neubauer Wien. Noch heute leidet Familie H. an den Folgen des 7. März 2018. Damals war das Ehepaar samt Tochter am Nestroyplatz von einem Mann mit einem Messer... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Jetzt schon vorweihnachtlich
  2. Postfilialen verschwinden
  3. Der Bau des U2/U5-Linienkreuzes verzögert sich
  4. Wiener Stätte des Frohsinns
  5. Stadt Wien und FPÖ streiten über Posting
Meistkommentiert
  1. Shoah-Gedenkmauer fix
  2. Nichts zu machen?
  3. Bis zu 1.400 Notschlafplätze für Obdachlose
  4. Jetzt schon vorweihnachtlich
  5. "Der Tod muss nicht schwarz sein"

Weltraumforschung

"Es ist wie Lego für Große"

Die Kugelform und die Anordnung der Segel sorgen dafür, dass die starken Mars-Stürme kein Problem darstellen. - © privat Wien. Während sich Moritz Stephan, Julian Rothenbuchner und Stefan Rietzinger im kalten Wien auf die bevorstehende Matura vorbereiten... weiter






Ernährung

Mit Essen die Umwelt retten

Mit Essen die Umwelt retten Wien. Im Jugendzentrum Donaustadt riecht es nach frischem Knoblauchbrot. Vorsichtig tragen der 17-jährige Ramon und der 19-jährige Stefan die Speisen...

Advent

Jetzt schon vorweihnachtlich

Jetzt schon vorweihnachtlich Wien. Ab dieser Woche kann man sich auf den Wiener Christkindlmärkten auf die Weihnachtszeit einstimmen. Die ersten Märkte, am Spittelberg...



Ernährung

Mit Essen die Umwelt retten

Snackbuffet im Jugendzentrum Donaustadt. - © Häußermann Wien. Im Jugendzentrum Donaustadt riecht es nach frischem Knoblauchbrot. Vorsichtig tragen der 17-jährige Ramon und der 19-jährige Stefan die Speisen... weiter




Advent

Jetzt schon vorweihnachtlich

THEMENBILD: WEIHNACHTSMARKT / CHRISTKINDLMARKT / ADVENT - © APAweb / Herbert Pfarrhofer Wien. Ab dieser Woche kann man sich auf den Wiener Christkindlmärkten auf die Weihnachtszeit einstimmen. Die ersten Märkte, am Spittelberg... weiter






Werbung