• vom 13.06.2015, 08:00 Uhr

Stadtleben

Update: 15.06.2015, 12:58 Uhr

Hanf

"Wo ist das Opfer, wenn ich einen Joint rauche?"




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Von Bernd Vasari

  • Hanf-Lobbyist Toni Straka über Eltern, die froh sind, wenn ihre Kinder kiffen, und die "Heurigen-Politik" der Stadt.


© Luiza Puiu © Luiza Puiu

Wien. Lobbyisten sind sehr scheue Wesen. Sie wollen unbemerkt bleiben und auf keinen Fall in der Öffentlichkeit stehen. Es soll ja niemand mitbekommen, welches Gesetz womöglich aufgrund ihrer Einflussnahme an der einen oder anderen Stelle verändert wurde. Unauffällig bewegen sie sich durch die Gänge von Finanzkonzernen, Parteizentralen und Parlamenten. Sie legen Wert auf ein gepflegtes Äußeres, die Schuhe sind poliert, das Hemd ist gebügelt und die Frisur sitzt. Mit ihrem geschniegelten Auftreten könnten sie genauso gut Politiker oder Banker sein.

Auch der Lobbyist Toni Straka entspricht den gängigen Klischees seiner Berufsgruppe. Das grau melierte Haar ist kurz geschnitten, das Gesicht glatt rasiert. Er trägt ein schwarzes Sakko, darunter ein hellblaues Hemd. Ganz Lobbyist, jagt ein Argument das nächste, wenn er über sein Produkt spricht. Kein Vorwurf, auf den er keine Antwort wüsste.


Doch es gibt zwei wesentliche Unterschiede zu seinen Kollegen in der Wiener Lobbyistenszene. Toni Straka ist nicht scheu und sein Produkt ist illegal. Der 50-Jährige - den man seinem Aussehen nach nicht mit Bongs und Hanfparaden in Verbindung bringen würde - ist Chef des österreichischen Hanfinstituts. Er wirbt für ein Produkt, das den Bestimmungen des Suchtmittelgesetzes unterliegt und dort als Suchtgift eingestuft wird. Doch der Lobbyist will Hanf - auch bekannt als Cannabis - zu einem erlaubten Genussmittel machen. So wie Alkohol und Nikotin.

Genauso wollen es mehr als 32.000 Personen, die mit ihren Namen eine derzeit bundesweit laufende Petition unterstützen. Die Petition fordert die Herausnahme von Cannabis aus dem österreichischen Suchtmittelgesetz. Damit wäre der Besitz der Pflanze legalisiert. "Es kann nicht sein, dass jeder, der am Abend einen Joint raucht, behandelt wird, wie wenn er nicht ganz bei Sinnen wäre", sagt Straka.

Bei den Bürgern sei Kiffen mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen, versichert er. So würden etwa viele Eltern zu ihm kommen, die seine Mission richtig finden. "Denen ist es lieber, dass ihre Kinder den Pflanzen beim Wachsen zuschauen, anstatt sich mit Alkohol zuzuschütten." Die "Heurigen-Politik" der Stadt fördere hingegen Alkohol-Orgien, sagt Straka und verweist auf das jährlich stattfindende Steiermark-Fest auf dem Rathaus-Platz.

Doch längst sind es nicht nur ein paar Jugendliche, die die getrockneten Blütenblätter der Cannabispflanze in Zigarettenblättchen bröseln und den Dampf des Krauts inhalieren, um sich von der Wirkung des Tetrahydrocannabinols (THC) berauschen zu lassen. Straka schätzt, dass mehr als die Hälfte der Wiener bereits einmal gekifft hat. Der zugedröhnte Hippie, der in der Hängematte liegt und Bob Marley hört, sei in dieser Gruppe nur eine Randerscheinung. Unter den Kiffern finde man stattdessen alle möglichen Berufsgruppen. Straka kenne sogar Richter und Polizisten, die am Abend hin und wieder einen Joint rauchen, um sich vom Alltagsstress zu erholen. All diese Menschen würden kriminalisiert, sagt der Cannabis-Lobbyist. Dabei sei Kiffen weitgehend harmlos.

Nur ein paar Politiker sehen das laut Straka noch anders. Die von Justizminister Wolfgang Brandstetter (ÖVP) geplante Strafrechtsreform würde dies belegen. Mit der Strafrechtsreform, die derzeit in Begutachtung ist, soll der Besitz von Cannabis keine automatische Strafanzeige mehr zur Folge haben, sondern eine Meldung an die Gesundheitsbehörde. Diese erstattet jedoch eine Strafanzeige, wenn sich die Person den "notwendigen, zweckmäßigen, ihr nach den Umständen möglichen und zumutbaren und nicht offenbar aussichtslosen gesundheitsbezogenen Maßnahmen" nicht unterzieht, heißt es dazu aus dem Justizministerium. "Das gibt es auch nur in Österreich", sagt der Hanf-Lobbyist. "Die Politiker planen eine Reform, mit der sich nichts ändern wird. Der Justizminister will sich nur seine Kosten vom Hals schaffen. Dafür werden wir eine exponentielle Zunahme im Gesundheitsbereich haben."

Legales Cannabis um 600 Euro im Fläschchen
Auch einige Ärzte seien gegen eine Legalisierung von Cannabis. Straka vermutet dahinter die Lobby der Pharmafirmen. "Schauen Sie sich in einem Arztzimmer um: Wo ist kein Pharmalogo drauf? Die zahlen halt auch die höchsten Gehälter", sagt er. Für Straka ist die Ablehnung der Pharmafirmen keine Überraschung. Schließlich sei Cannabis auch ein Heilmittel, das in der Medizin zum Einsatz kommen könnte. Zur Behandlung von Migräne, Epilepsie, Depression, Appetitlosigkeit und Schlafstörungen. Straka könnte die Liste ewig lang fortsetzen.

Doch es gibt eine Möglichkeit in Österreich, Cannabis legal zu konsumieren. Der Lobbyist holt aus seiner Tasche eine leere Dose und ein leeres Fläschchen hervor. "Mit einem Suchtgiftrezept kann ich Dronabinol (teilsynthetisch hergestelltes THC, Anm.) und das vollsynthetische Präparat Nabinol kaufen. Das mische ich dann zusammen und habe 100 Prozent legales Cannabis." Straka schüttelt den Kopf. "So ein Fläschchen kostet 600 Euro. Es verdienen also wieder die Pharmafirmen. Diese Situation sehe ich nicht ein."

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2015-06-12 16:33:09
Letzte ńnderung am 2015-06-15 12:58:48



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