• vom 21.08.2008, 15:17 Uhr

Stadtleben

Update: 19.08.2017, 01:35 Uhr

Museumsstücke

Gegen Regen und Hagel




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Von Johann Werfring

  • Das Wetterschießen hat eine sehr lange Tradition. In China sind derzeit zahlreiche Geschütze auf die Wolken gerichtet.

Mit Böllerschüssen durch einen Schalltrichter sollte in Gumpoldskirchen um 1900 die Weinernte gerettet werden.

Mit Böllerschüssen durch einen Schalltrichter sollte in Gumpoldskirchen um 1900 die Weinernte gerettet werden.© Johann Werfring Mit Böllerschüssen durch einen Schalltrichter sollte in Gumpoldskirchen um 1900 die Weinernte gerettet werden.© Johann Werfring

Als am 8. August in Peking die Eröffnungsfeierlichkeiten für die Olympischen Sommerspiele 2008 über die Bühne gingen, verfolgten das elefantöse Spektakel über 90.000 Gäste live und geschätzte vier Milliarden Zuseher vor den Fernsehschirmen. Da es in Peking im August erfahrungsgemäß nicht selten Niederschläge gibt, stand zu befürchten, dass das Mega-Event schlichtweg ins Wasser fallen könnte.

Jedoch wollte das ehrgeizige China der Welt beweisen, dass es im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen so gut wie kein Problem gäbe, das sich nicht bewältigen ließe. Deshalb ließ man zur Regenabwehr Geschütze in Stellung bringen.

Information

Weinmuseum im Luegerkeller
2352 Gumpoldskirchen, Jubiläumstraße 43
Mo bis Fr 9–12 Uhr, bei Anmeldung Verkostungsmöglichkeit, Tel. 02252/611 64

Nachdem die Eröffnung der Spiele glücklicherweise ohne witterungsbedingte Beeinträchtigungen über die Bühne gegangen war, berichtete die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua, die Feier sei gerettet worden, weil die drohende Gewitterfront von Wetterspezialisten abgefangen und außerhalb von Peking zum Abregnen gebracht worden sei. Über tausend mit Silberjodid bestückte Geschosse, so hieß es, seien in die Wolken katapultiert worden, um das Fest zu retten.

Dass ungünstige Wetterverhältnisse durch menschliches Machwerk abzuwenden wären, hielt man schon in der Antike für möglich. So etwa gab der römische Schriftsteller Palladius die Empfehlung, man solle zur Abwehr von Hagel eine Eule mit ausgebreiteten Schwingen an einen Pfahl nageln. Ähnliche magische Unwetterabwehrmaßnahmen gab es in unseren Breiten noch im Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Auch mit Wetterkreuzen, Wetterkapellen und Gebeten versuchte man sich vor den natürlich oder vermeintlich zauberisch herbeigeführten Gewittern, welche die Ernte bedrohten, zu bewahren.

Durch Flakfeuer soll in China Olympiawetter gewährleistet werden.

Durch Flakfeuer soll in China Olympiawetter gewährleistet werden.© epa Durch Flakfeuer soll in China Olympiawetter gewährleistet werden.© epa

Schon bald setzte sich die Meinung durch, der gefürchtete Hagel könne durch Schall verhindert werden, weshalb allerorten das Wetterläuten mit Glocken üblich wurde. In der Steiermark feuerte man aus demselben Grund bereits um 1600 Böller ab.

Manch einer führte die Vernichtung seiner Ernte darauf zurück, dass durch das Böllerschießen in einem benachbarten Gebiet die Hagelwolken ver- und zu seinen Feldern hingetrieben wurden. Deshalb erließ Kaiserin Maria Theresia 1750 ein Verbot des Wetterschießens.

Beschallung der Wolken

Jedoch wurde das Wetterschießen noch Anfang des 20. Jahrhunderts in weiten Teilen der Habsburgermonarchie praktiziert. Um 1900 feuerten die Gumpoldskirchner Winzer mit Böllern durch große Schalltrichter auf die Wolken, wie unser Foto aus dem Weinmuseum Gumpoldskirchen bezeugt.

Indes wurde später der Beweis erbracht, dass Hagel durch Beschallung keineswegs abgewendet werden kann. Auch das heute noch in China und in vielen anderen Ländern praktizierte Beimpfen der Wolken mit Silberjodid ist umstritten und wird von nicht wenigen Fachleuten als völlig wirkungslos erachtet.

Print-Artikel erschienen am 21. August 2008
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7




Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2008-08-21 15:17:16
Letzte Änderung am 2017-08-19 01:35:13

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