• vom 21.08.2015, 09:30 Uhr

Stadtleben


Urban Gardening

Buntes Popcorn aus Karls Garten









Rund um die Uhr geöffnet
"Karls Garten" ist rund um die Uhr geöffnet, ganz bewusst wurde er als offener Raum konzipiert. Der Verein sieht sich neben der Forschungsarbeit auch als Anlaufstelle für Fragen zu Urban Gardening und Farming. "Selbst anzubauen ist bei uns zwar nicht möglich, weil der Garten nicht als Gemeinschaftsgarten angelegt ist, dafür können sich Besucher jede Menge Anregungen holen, um in Eigeninitiative aktiv zu werden", sagt Zeddel. Informationen gibt es auf Schautafeln, via Audio Guide, auf Facebook und auf der Homepage. Bei Gartenveranstaltungen wird gezeigt, was man aus der Ernte alles machen kann, und für Schulklassen gibt es Exkursionsprogramme zum Thema Gartenarbeit, Obst- und Gemüseanbau, urbane Landwirtschaft oder Bienenzucht.

Die Ideen darf man gerne mit nach Hause nehmen - die Produkte aus dem Garten bitte nicht, betont Zeddel: "Die Mengen, die wir ernten, sind noch klein und für den Forschungsbedarf gedacht. Von den Beerensträuchern darf aber gerne ein wenig genascht werden." "Obst- und Gemüsediebe" gab es bisher auch nur vereinzelt, freut sich der Raumplaner. Auch Vandalismus gebe es kaum, aber: "Ein Problem ist der Mist im Garten - wir entsorgen täglich zwei Mülltonnen voll auf eigene Kosten." Und auch Hundebesitzer und alkoholisierte Personen seien eine Herausforderung.

Jeden Montag ist Arbeitstag in "Karls Garten". Da wird gesät, gejätet und geerntet. Tatkräftige Unterstützung erhalten die 13 Vereinsmitglieder - darunter der Pächter des Kunsthallen-Restaurants, Andreas Wiesmüller - von Gärtner- und Tischlerlehrlingen der überbetrieblichen Ausbildungsstätte Weidinger und Partner. Auch freiwillige Helfer sind willkommen: "Wer gerne im Garten arbeitet oder eine wissenschaftliche Arbeit zum Thema urbanes Gärtnern schreiben möchte, kann uns kontaktieren", sagt Zeddel.

Neben Universitäten wie Boku und TU Wien kooperieren auch Partner aus der heimischen Wirtschaft und Landwirtschaft mit "Karls Garten". Finanziert wird das Projekt vor allem über Sponsoren, die zum Beispiel Hochbeete, Saatgut oder natürliche Anbauerde zur Verfügung stellen.

Vielfalt statt Einfalt
Jedes Arbeitsjahr steht in "Karls Garten" zudem unter einem besonderen Schwerpunkt. 2015 liegt dieser auf alten Sorten und Raritäten. Viele der Samen und Pflanzen stammen zum Beispiel von der "Arche Noah", die sich für die Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt einsetzt. "So haben wir etwa zehn Kartoffelsorten wie Rote Emma oder Rosa Zapfen angebaut, alte Paradeisersorten oder zehn verschiedenfarbige Maissorten, aus denen man buntes Popcorn machen kann", sagt Sebastian Zeddel.

Er hofft, dass Wien in Zukunft offener wird in Richtung Nutzgarten statt Ziergarten und urbane Landwirtschaft hier bald selbstverständlich ist. In nächster Zeit möchte der Verein den Bekanntheitsgrad von "Karls Garten" in der Wiener Bevölkerung deshalb noch steigern. "Wir möchten den Wienerinnen und Wienern die andere Seite des, leider verrufenen, Karlsplatzes vorstellen und zeigen, was alles möglich ist, um in der Stadt für den Heimbedarf anzubauen." Ideen für urbane gärtnerische Flächengestaltung hat der Raumplaner genug - und denkt dabei auch hoch hinaus, zu den Dächern der Stadt. Aber das ist eine andere Gartengeschichte.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2015-08-20 17:59:03
Letzte Änderung am 2015-08-20 18:12:17


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