• vom 04.09.2015, 16:14 Uhr

Stadtleben

Update: 04.09.2015, 18:37 Uhr

Ars Electronica

"Die Smart City ist tot"




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Von Bernd Vasari

  • Dietmar Offenhuber, Stadtplaner und Vortragender bei der Ars Electronica, über urbane Zukunftsvisionen, gescheiterte Konzepte und Städtewachstum.

Hongkong hat mehr als 7 Millionen Einwohner und wächst weiter. Photononstop/Corbis

Hongkong hat mehr als 7 Millionen Einwohner und wächst weiter. Photononstop/Corbis Hongkong hat mehr als 7 Millionen Einwohner und wächst weiter. Photononstop/Corbis

Linz. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt mittlerweile in Städten, bei steigender Tendenz. Was bedeutet diese Entwicklung für den städtischen Lebensraum? Die "Wiener Zeitung" hat bei Stadtplaner Dietmar Offenhuber nachgefragt.

"Wiener Zeitung": Herr Offenhuber, es gibt unzählige Zukunftsszenarien von Städten, wie man auch hier bei der Ars Electronica sehen kann. Wie werden Ihrer Meinung nach zukünftige urbane Lebensräume aussehen?

Information

Dietmar Offenhuber

ist Assistant Professor für Art und Design und Public Policy an der Northeastern University in Boston (USA) und promovierte in Stadtplanung am Massachusetts Institute of Technology.


Dietmar Offenhuber: Ich finde, dass man die Frage nach Modellen immer in Zusammenhang mit den Fragen "Für wen?" oder "Von wem?" stellen muss. Städte sind keine neutralen Container für menschliches Handeln, sondern Mittel zum Zweck. Die Frage, wie wir in Zukunft leben wollen, ist daher keine unpolitische. Verschiedene Akteure und Gruppen haben hier verschiedene Vorstellungen und Ziele. Da kann es mitunter auch zu speziellen Konstellationen kommen, wo Entscheidungsträger an einem Strang ziehen, obwohl sie eigentlich unterschiedliche Interessen haben.



Können Sie dafür ein Beispiel nennen?

Die Städteentwicklung in den USA ist jahrzehntelang nach dem Modell, das Harvey Molotch als "Wachstumsmaschine" bezeichnet hat, vollzogen worden. Ein Modell, in dem Politik, Medien, und Wirtschaft an einem Strang ziehen, da alle diese machthabenden Akteure gleichermaßen von Wachstum profitieren. Auch die berühmte "Smart City" muss man in diesem Zusammenhang betrachten. Gerade in Asien werden viele Städte, oft auch explizit unter dem Smart City Label, in die grüne Wiese oder auf ehemaligen Industriegebieten geplant. Die Stadtregierung erwartet sich dadurch einen Anstieg der Steuereinnahmen. IT-Firmen bekommen langfristig interessante Infrastrukturaufträge, es entstehen Jobs für die Bevölkerung etc., alles ein Resultat der wachsenden Stadt.

Jobbeschaffung, Steuereinnahmen: Das klingt ja erstrebenswert. In Ihrem Vortrag haben Sie das Smart-City-Konzept allerdings als überholt kritisiert. Warum?

Die Smart City ist tot. Das Modell, das eine IT-Firma, wie IBM oder Cisco, ungebremst alle Daten einer Stadt vom Lichtmasten bis zur Mülltonne sammelt, verwertet und verwaltet, ist gescheitert. Ich möchte nicht Technologie in der Infrastruktur und Datenanalyse grundsätzlich kritisieren, da diese Überlegungen schon wichtig sind. Problematisch ist aber die Tatsache, dass nur alles in einer Hand ist, also nur eine Firma die ganze Infrastruktur kontrolliert.

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Dokument erstellt am 2015-09-04 16:17:06
Letzte Änderung am 2015-09-04 18:37:53


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