• vom 02.10.2015, 07:53 Uhr

Stadtleben

Update: 02.10.2015, 13:29 Uhr

Brand

Fünf Tote nach Brand in Wien-Favoriten




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Von WZ Online/APA

  • Leerstehendes Haus völlig niedergebrannt.

Kartenausschnitt Wien-Favoriten mit Lokalisierung des Brandortes.

Kartenausschnitt Wien-Favoriten mit Lokalisierung des Brandortes.© APA Kartenausschnitt Wien-Favoriten mit Lokalisierung des Brandortes.© APA

Wien. Fünf Menschen sind in der Nacht auf Freitag bei einem Feuer in einem leer stehenden Lokal in Wien-Favoriten verbrannt. Die Einsatzkräfte stießen im Zuge der Löscharbeiten auf die bis zur Unkenntlichkeit verkohlten Leichen. Die Hintergründe waren gegen Mittag noch völlig unklar. Die Toten wurden in die Gerichtsmedizin gebracht, sagte Polizeisprecher Paul Eidenberger.

Eine Obduktion soll Aufschluss über die Identität der Toten bringen. "Es kann weder Brandstiftung noch ein Unfall ausgeschlossen werden", sagte Eidenberger. Unklar blieb vorerst auch das Geschlecht der Toten. Vermutungen, dass es sich bei den Opfern um Obdachlose handelte, konnte die Polizei nicht bestätigen. "Alles Weitere ist Spekulation", sagte der Polizeisprecher.


Ein Passant hatte am Donnerstagabend den Notruf gewählt, berichtete Gerald Schimpf, Sprecher der Wiener Berufsfeuerwehr. Bei der Anfahrt sahen die Einsatzkräfte bereits von weitem das Feuer. Als die Einsatzkräfte gegen 21.45 Uhr in der Filmteichstraße eintrafen, stand die ehemalige Mostschenke am Rande des 650.000 Quadratmeter großen Kurparks Oberlaa in "offenem Vollbrand".

Es wurden sieben Löschleitungen gelegt, auch ein Großtankfahrzeug rückte an. 60 Mann bekämpften die Flammen und verhinderten ein Übergreifen - "eine große Herausforderung", wie Schimpf sagte. Denn angrenze Bäume brannten bereits ebenfalls. Schwierig gestaltete sich auch die Löschwasserversorgung. "Wir haben zuerst einen Pendelverkehr mit Löschfahrzeugen eingerichtet und dann eine 300 Meter lange Zubringerleitung hergestellt", schilderte Schimpf.

Der Brand wurde zuerst von außen bekämpft. Gegen Mitternacht war das Feuer weitgehend gelöscht. "Unter Atemschutz" konnten Einsatzkräfte dann in die Brandruine und entdeckten im Zuge der Nachlöscharbeiten die fünf Toten. "Die Leichen waren teilweise bis zur Unkenntlichkeit verkohlt", sagte Eidenberger. Alle fünf wurden demnach "auf einer Fläche von zehn Quadratmetern im hinteren Bereich des abgebrannten Gebäudes" gefunden, berichtete der Polizeisprecher. Die Feuerwehr leuchtete die Einsatzstelle großflächig aus, schilderte Schimpf. "Noch während der Brandbekämpfung wurde parallel mit der Polizei gearbeitet", erklärte der Feuerwehrsprecher. Das Gebäude brannte bis auf die Grundmauern vollständig ab.

Zuerst konnte die Polizei nicht ausschließen, dass "weitere Leichen unter den Trümmern liegen", sagte Eidenberger. Ein Leichenspürhund durchsuchte am Freitagvormittag das Gelände. Im Anschluss wurde ein Brandmittelspürhund zugezogen. "Die Tatort- und Brandermittler des Landeskriminalamtes werden das ganze Areal Zentimeter für Zentimeter untersuchen um die Fragen zu klären, was ist die Brandursache, von wo ist er ausgegangen und ob es Hinweise auf die Identität der Toten gibt", berichtete Eidenberger.

Die ehemalige Mostschenke steht seit rund einem Jahr leer, sie ist im Besitz des Wiener Stadtgartenamts (MA 42). Laut Anrainern wurden im Sommer die Fenster des Gebäudes eingeschlagen, und diese in weiterer Folge mit Brettern verriegelt, auch ein Bauzaun wurde aufgestellt. "Ich gehe hier jeden Tag um 7.00 Uhr vorbei und habe hier noch nie jemanden gesehen", sagte eine Nachbarin. Ebenfalls in der Nähe wohnt Anrainerin Brigitta. "Unser Sohn hat uns gestern kurz nach 22.00 Uhr angerufen, 'Mama, mach die Balkontür auf, die Mostschenke brennt.' Es hat fürchterlich gestunken, geknistert. Der ganze Himmel war erhellt", sagte sie zur APA.

Auch sie ging dort "jeden Tag spazieren". "Menschen habe ich hier nie gesehen, nur Tiere", sagte sie. Neben der Mostschenke war ursprünglich ein Streichelzoo gewesen. Zum Schluss hätten sich noch Hasen, ein Hahn und Hennen am Areal befunden. "Es war hier sehr ruhig, gänzlich verlassen", sagte die Nachbarin.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2015-10-02 07:54:37
Letzte Änderung am 2015-10-02 13:29:55



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