• vom 21.10.2015, 17:46 Uhr

Stadtleben

Update: 29.10.2015, 19:44 Uhr

NS-Datenbank

"Schmeißt die Waffen hin, geht’s z’haus"




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (11)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Alexander Maurer

  • Vor 70 Jahren wurde Ottakring gewaltlos von der NS-Herrschaft befreit. Eine "Datenbank" in Sandleiten erinnert nun daran.

Eingeweiht wurde die Sandleitendatenbank durch die Widerstandskämpfer Helene Neuhaus (rechts im Rollstuhl) und Paul Vodicka (rechts auf der Bank). - © PID/Messner

Eingeweiht wurde die Sandleitendatenbank durch die Widerstandskämpfer Helene Neuhaus (rechts im Rollstuhl) und Paul Vodicka (rechts auf der Bank). © PID/Messner

Wien. Bänke laden oft dazu ein, sich zu setzen und die eine oder andere Geschichte zu erzählen. Aber ab und zu kommt es auch vor, dass eine Bank selbst eine Geschichte erzählt. Eine solche steht im Sandleitenhof in Ottakring. Augenscheinlich eine gewöhnliche alte Bank, wurde ein Holzbrett der Sitzgelegenheit durch ein metallenes ausgetauscht. Steckt man seine Kopfhörer an die darauf befindlichen Buchsen, kann man einem Gespräch zwischen Schülern der Ganztagsmittelschule Roterdstraße und den Zeitzeugen Helene Neuhaus und Paul Vodicka lauschen, die von der gewaltlosen Befreiung Ottakrings im April 1945 erzählen.

"Es ist ein sehr leises Objekt", meint der Künstler Andreas Strauss über seinen Siegerentwurf. "Man kann seine eigenen Kopfhörer anstecken oder sich in Einrichtungen, die entsprechend gekennzeichnet sind, Kopfhörer ausleihen. Da das Projekt auf Daten basiert, kann es beliebig erweitert werden. Es ist nicht in Beton gegossen, sondern ein lebendiges Teil."


Der Anstoß für das Denkmal kam vom Zeitzeugen und ehemaligen Widerstandskämpfer Paul Vodicka. "Die offiziellen Quellen verschweigen oft, was die Kommunisten im Widerstand für Wien geleistet haben. Sehen Sie sich mal einen Hugo Portisch an, da hört man nichts davon", meint er zerknirscht. Der 87-jährige Vodicka, der auch an den Oktoberstreiks 1950 in Wien beteiligt war, wollte daran erinnern, wer dafür verantwortlich war, dass Ottakring gegen Kriegsende von der Zerstörung verschont blieb.

"Wien darf kein zweites Budapest werden"
Der 16. Bezirk überstand das Kriegsende 1945 schier unversehrt. Grund dafür war eine groß angelegte Entwaffnung der verbliebenen Wehrmachtssoldaten, die vom Sanitätsunteroffizier Heinrich Klein organisiert wurde. Er war im März 1945 desertiert und hatte Verbindungen zum 1944 zerschlagenen Kommunistischen Jugendverband Österreichs, der sich im Untergrund als KJV 44 neu formiert hatte. "Heinrich Klein hat das alles organisiert", erinnert sich Zeitzeugin Helene Neuhaus, die damals als 23-Jährige im KJV 44 aktiv war. "Unser Motto damals, dass uns gestärkt hat, war: ,Wien darf kein zweites Budapest werden‘." Die ungarische Hauptstadt wurde im Zuge der erbitterten Kämpfe zwischen der Roten Armee und der Waffen-SS weitestgehend verwüstet. "Die Menschen konnten zehn Tage nicht aus ihren Kellern gehen. Viele, vor allem Kinder und Alte, sind verhungert oder verdurstet", erzählt Neuhaus.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2015-10-21 17:50:11
Letzte Änderung am 2015-10-29 19:44:14


Prozess

Kritik an Verurteilung von Sigrid Maurer

GERICHTSVERHANDLUNG WEGEN †BLER NACHREDE: MAURER / WINDHAGER - © APAweb / Hans Punz Wien. Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten. "Eine rechtspolitische Sauerei" sei das Urteil, sagte Medienanwalt Michael Pilz... weiter




Vor Gericht

Der vergessene Patient

Die Tür zum Zimmer von M. stand immer offen, hinein ging die Heimhilfe aber kaum. - © stock.adobe.com Wien. Als die Sanitäter kamen, war Herr M. nicht mehr ansprechbar. Verwahrlost lag er im verschmutzten Bett der Ehewohnung... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Verschwundene Straßennamen
  2. Die meisten wollen dann gar keinen Ferrari mehr
  3. Personalschwund am Altar
  4. Streit um Öffnung der Anrainerparkplätze im achten Bezirk
  5. ÖVP gegen neue Widmungskategorie geförderter Wohnbau
Meistkommentiert
  1. Wien soll 2027 Zwei-Millionen-Stadt werden
  2. Shoah-Gedenkmauer fix
  3. Jetzt schon vorweihnachtlich
  4. Das große Teilen auf der Straße
  5. Lichterbaum am Christkindlmarkt

Edip Sekowitsch

"Der Setschko war ein Fighter"

Den Sekowitschweg gibt es seit 2012 - doch jetzt wurde er offiziell eingeweiht und gesegnet. - © Schmölzer Wien. Wenn man ihn danach fragte, redete Edip Sekowitsch bereitwillig über seine alte Leidenschaft. Nur vom Äußeren her hätte dem Besitzer eines... weiter




Holzhochhaus

Hoch hinaus mit Holz

Das weltweit höchste Holzhochhaus entsteht in der Seestadt Aspern. - © RLP Ruediger Lainer und Partner Wien/Dornbirn. Das weltweit höchste Holzhochhaus soll in der Seestadt Apern entstehen. Seit mehr als einem Jahr wird an dem Bauwerk aus 24 Stockwerken... weiter




Geschichte

Bitte à la Giraffe!

Wildlife Animals - © Chris Van Lennep Wien. Die Geschichte fängt harmlos an: 1828 erhielt Kaiser Franz I. (II.) vom Vizekönig von Ägypten eine Giraffe, die dieser wiederum im Tiergarten... weiter






Kirche

Personalschwund am Altar

Personalschwund am Altar Wien/Berlin. Erschreckende Zahlen hat das Zentralkomitee der deutschen Katholiken jüngst veröffentlicht: Von den derzeit rund 13...

Lotto

Die meisten wollen dann gar keinen Ferrari mehr

Die meisten wollen dann gar keinen Ferrari mehr Wien. (aum) "Manche sagen schon, dass sie sich einen Ferrari kaufen oder sich einen anderen Kindheits- und Jugendtraum erfüllen wollen"...




Werbung