In einer Kutsche und im Leichenwagen wurden Kunstwerke in den Steffl transportiert. - © Jenis
In einer Kutsche und im Leichenwagen wurden Kunstwerke in den Steffl transportiert. - © Jenis

Wien. Die Trauergäste haben sich bereits am Michaelerplatz versammelt, die Leichenwägen sind schon vorgefahren. Die vier schwarzen Rappen vor der Trauerkutsche, die den Zug anführen wird, werden langsam unruhig. Es sind jedoch keine Verstorbenen, die durch die Innenstadt transportiert werden sollen - in der Kutsche und den Leichenwägen befinden sich Kunstwerke, aufwendig gestaltete Särge und Urnen. Die Aktion namens "Accessoire Funeraire" ist ein Projekt des Kunstpreises "Roter Teppich für junge Kunst", die sich im sechsten Jahr ihres Bestehens mit dem Tod auseinandersetzt.

Dommesse, Leichenschmaus


Kurz nach 20 Uhr setzt sich der Leichenzug der etwas anderen Art in Bewegung - Trauermarsch-
Selfies inklusive. Die Kapelle beginnt feierlich mit Chopins "Marche Funèbre". Aber auch "Der Tod muss ein Wiener sein" von Georg Kreisler ist im Repertoire. Die Prozession zieht sich über den Kohlmarkt und den Graben Richtung Stephansdom, wo die Kunstwerke unter den wachsamen Augen von Dompfarrer Toni Faber "aufgebahrt" werden. Künstlerisches Schaffen ermögliche es, "die Grenze vom Tod zum Leben zu überschreiten", betonte er bei seiner Eröffnungsrede. Dass eine derartige Aktion im ehrwürdigen Wiener Stephansdom stattfinden kann, begrüßt er. "Wenn das nicht in Wien möglich wäre, wo die ,scheene Leich‘ so eine Tradition hat, dann wären wir arm dran." Auch Ausstellungskurator Manuel Gras lobt die Zusammenarbeit mit Faber. "Er war von Anfang an von der Idee begeistert."

Zu jeder Bestattung gehört ein abschließender Leichenschmaus. Dieser findet im Künstlerhaus statt, wo der "Rote Teppich für junge Kunst" noch bis 8. November ausstellt. Die Idee für das "Accessoire Funeraire" entstand bereits 2013. "Wir haben knapp 200 Ausstellungen im Jahr. Deshalb hat ein Großprojekt wie dieses eine Vorlaufzeit von zwei Jahren, da wir nicht permanent daran arbeiten konnten", erklärt Manuel Gras im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Er betont dabei auch die enge Verbindung von Kunst, Kultur und Wirtschaft in Wien. "Wir exportieren viele gute Dinge aber hauptsächlich Kunst und Kultur. Daher braucht es Politik und Wirtschaft, die uns fördern. Dabei geht es nicht mal um Geld, sondern einfach um die Möglichkeit für junge Künstler, auszustellen. Allein das ist schon ein Investment in junge Kunst und damit auch in den Wirtschaftsstandort Österreich."