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Stadtleben

Update: 23.02.2018, 23:10 Uhr

Landtmann

"Hat das nicht schon zugesperrt?"




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Von Alexander Maurer

  • Auch das Wiener Ringstraßencafé Landtmann wäre vor vierzig Jahren beinahe dem Kaffeehaussterben zum Opfer gefallen.

In den letzten vierzig Jahren wurde das Café Landtmann Schritt für Schritt modernisiert.

In den letzten vierzig Jahren wurde das Café Landtmann Schritt für Schritt modernisiert.© apa/Hochmuth In den letzten vierzig Jahren wurde das Café Landtmann Schritt für Schritt modernisiert.© apa/Hochmuth

Wien. Und wieder eines weniger. Ende Jänner dieses Jahres schloss das "Kaffee Urania" endgültig seine Pforten. Mit dem Betrieb in der Radetzkystraße verschwindet ein weiteres Wiener Traditionskaffeehaus, das bereits zu Kaiserszeiten als "Cafe 68" geführt wurde, von der Bildfläche. Kaum zu glauben, dass es dem Café Landtmann, einer scheinbar unverrückbaren Insitution auf der Wiener Ringstraße, vor wenigen Jahrzehnten ähnlich ergangen wäre. In den Köpfen vieler war es jedenfalls schon Geschichte. "Wollte man damals mit dem Taxi ins Café Landtmann fahren, hat einen der Fahrer gefragt: ,Gibt’s das überhaupt noch oder hat das schon zugesperrt?‘", erzählt Cafetier und Landtmann-Chef Berndt Querfeld. Seine Mutter Anita betreibt das Landtmann bereits seit vierzig Jahren. Dieses Jubiläum wurde am Mittwoch in der seit 2012 zum Café gehörenden "Landtmann’s Bel-Etage" gefeiert. Dabei sah es anfangs alles andere als gut aus.

Beinahe eine Bank

Es ist das Jahr 1976, das Wiener Kaffeehaussterben ist in vollem Gange. Mit dem Landtmann ging es schon seit einigen Jahren bergab. Als der Besitzer bei einem Autounfall verunglückte, hätte den Betrieb beinahe das Schicksal vieler anderer Kaffeehäuser ereilt. "Damals wurden viele Ringstraßenlokale in Autohäuser oder Bankfilialen umgewandelt. Soweit ich mich erinnern kann, hatte das Bürgermeister Leopold Gratz damals verhindert, indem er die Inneneinrichtung des Landtmann unter Denkmalschutz gestellt hat. Somit musste es Kaffeehaus bleiben", erinnert sich die 75-jährige Anita Querfeld.

Ein Pächter ließ sich trotzdem nicht so leicht finden. "Damals hatte sich niemand, der einigermaßen branchenkundig war, getraut, dieses riesengroße Kaffeehaus, dass zwar nie gesperrt, aber kaum mehr Gäste hatte, zu übernehmen", fügt Anita Querfeld hinzu. Keiner außer ihr und ihrem Ehemann Herbert. Dieser war jedoch nicht einmal Kaffeesieder, sondern kam aus der Elektrogerätebranche. Auch Anita Querfeld hatte keinerlei Erfahrung im Kaffeehausgewerbe. "Mein Mann war ein Verkäufer vor dem Herrn und ihm war es egal, ob es sich nun um Elektrogeräte oder Kaffee handelte", so die Cafetière.

1982 wurde das Ringstraßencafé komplett renoviert und umgebaut, um auf den Stand der Technik gebracht zu werden. Die Querfelds bekamen sechs Millionen Schilling aus dem Altstadterhaltungsfonds, selbst investierten sie - neben viel Zeit und Hingabe - die doppelte Summe in die Renovierung des Landtmann, erzählt Anita Querfeld der "Wiener Zeitung". "Dieser Zuschuss war notwendig, da wir uns damals mit der Renovierung so weit über den Tellerrand gewagt hatten, dass uns mehr nicht zumutbar war. Die Stadt wollte außerdem das Café Landtmann am Leben erhalten. Es sollte kein weiteres Traditionscafé mehr sterben und das Landtmann schon gar nicht, weil man sich bewusst war, wie wertvoll es ist", betont sie.

"Überleg’s dir bis morgen"

Der Familie Querfeld gehören mittlerweile einige Wiener Traditonskaffeehäuser, unter anderem das Café Residenz in Schönbrunn, das Café Museum in der Operngasse und das Café Hofburg. Mit dem "Crossfield’s" direkt neben dem Café Mozart befindet sich sogar ein australisches Pub im Portfolio. Wer jetzt glaubt, dass sich die Familie Querfeld systematisch abgewirtschaftete Kaffeehäuser zum Aufpäppeln zusammenklaubte, irrt. "Das hat eine eigene Dynamik entwickelt", erinnert sich Anita Querfeld. "Außenstehende haben gesehen, dass wir ein Café übernommen und erfolgreich saniert haben, das niemand sonst wollte oder für zu retten hielt. Daher wurden dann andere Projekte an uns herangetragen", erklärt sie. Als beispielsweise das Café Mozart am Albertinaplatz 1992 zum Verkauf stand, bekam das Paar mitten in der Nacht einen Anruf vom damaligen Bürgermeister Helmut Zilk, der ihnen vorab das Café anbot. Der Erfolg des Café Landtmann war scheinbar eine Visitenkarte. "Das war damals Handschlagqualität. Bürgermeister Zilk und mein Mann waren auch ähnlich alt. Er sagte: ,Querfeld, machst das? Überleg’s dir bis morgen.‘ Ich sagte dann noch am Nachmittag zu meinem Mann ,Gut, dann machen wir’s halt‘", erinnert sich die Cafetière. Mittlerweile ist ihre Tochter Andrea Winkler die Geschäftsführerin des Café Mozart.

Neben all den Übernahmen wurde das Landtmann aber weiterhin auf Vordermann gebracht, beispielsweise durch den Anbau des Wintergartens 2007 oder die Veranstaltungsräume der "Bel-Etage" fünf Jahre später. Noch heuer soll der Landtmann-Saal ganz hinten im Kaffeehaus modernisiert werden. Momentan werden im Schnitt 500.000 Euro pro Jahr in das Ringstraßencafé gesteckt.

Keine perfekte Lage

Man sollte meinen, dass das Landtmann mehr als gut an seiner betuchten Kundschaft verdient. Regelmäßig werden dort Pressetermine abgehalten, hinzu kommt die perfekte Lage des Cafés - oder? Anita Querfeld gibt sich skeptisch. "Wenn man unsere Lage bewertet, ist es eine im Schnittpunkt von Rathaus, Parlament, Universität und Parteizentralen. Hier gibt es keine Umsteigstelle, keine U-Bahn, keine Fußgängerfrequenz. Unten am Schottentor ist viel mehr Leben. Wir haben zwar eine wunderschöne Lage aber keine wirtschaftlich frequentierte, wie sie ein Kaffeehaus auch braucht", gibt sie zu bedenken. Weder Touristen noch Studenten gehören zu den Stammkunden des Ringstraßencafés. Letztere hätten mittlerweile andere und auch preiswertere Möglichkeiten als Kaffeehäuser, um zu arbeiten und sich zu treffen. Das Landtmann setzt auf Stammkundschaft. "Unsere Gäste sind diejenigen, die sich die Mühe machen, herzukommen, weil sie gerne ins Landtmann gehen", ist Anita Querfeld überzeugt.

Die letzten, mittlerweile nur noch ausgewählten, Traditionskaffeehäuser wie das Café Korb auf der Brandstätte oder das Dommayer in Hietzing sieht die Cafetière nicht in Gefahr, jedoch kleinere Betriebe. "Ich glaube, dass eine gewisse Bereinigung entstehen wird. Die Themen sind bekannt. Es sind die Allergenverordnung, das Nichtrauchergesetz, das Automatenverbot und die Registrierkassenpflicht. Das wird sich für die ein oder anderen nicht mehr auszahlen. Wenn sich ein Betrieb nicht mehr rechnet, dann muss man ihn zusperren. Das ist dann das einzig vernünftige, was man machen kann", so Anita Querfelds Einschätzung.

Artikel erschienen in der Printausgabe vom 25. Februar 2016, S. 19.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-02-24 17:47:05
Letzte Änderung am 2018-02-23 23:10:05


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