• vom 09.03.2016, 15:12 Uhr

Stadtleben

Update: 09.03.2016, 15:45 Uhr

Tschechen

Mehr als Ziegelböhm




  • Artikel
  • Kommentare (6)
  • Lesenswert (13)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Valentine Auer

  • Die Zuwanderungsgeschichte der Tschechen gilt als Beispiel gelungener Integration. Ein Blick zurück.

Lebensmittelgeschäft von Fialas Oma (l.) in der Grillgasse 38.

Lebensmittelgeschäft von Fialas Oma (l.) in der Grillgasse 38.© privat Lebensmittelgeschäft von Fialas Oma (l.) in der Grillgasse 38.© privat

Wien. Zum Beispiel der Böhmische Prater in Favoriten, dessen Ursprung in den Ziegelwerken des späten 19. Jahrhunderts liegt. Oder die Ringstraße mit ihren Prachtbauten, die heute Touristen anzieht, wie sie früher Arbeiter aus Böhmen und Mähren anzog. Es sind Zeichen, die von einer langen Geschichte der Tschechen in Wien erzählen. Um 1900 lebten zwischen 300.000 bis 400.000 Tschechen in der Bundeshauptstadt. Nach Prag stellte Wien damals die zweitgrößte tschechische Stadt in Europa.

"Meine Großmutter stammte aus einer armen Familie in Mähren. Nachdem ihr Vater gestorben ist, war die Frage, wer die Familie ernähren soll." Die Lösung war Wien, schildert Franz Fiala seine Familiengeschichte. Seine Großmutter begann Ende des 19. Jahrhunderts in einem Konsum zu arbeiten. Der Großvater, ebenfalls aus Mähren, zog als Schlosser nach Wien. Er zählte zu jenen Arbeitern, die die Seile für das Wiener Riesenrad herstellten.


Diese Familiengeschichte ist nur eine von vielen ähnlichen: Während die Bevölkerung aus dem südlichen Böhmen zunehmend verarmte, boomte Wien zur gleichen Zeit: Die Stadtmauer brauchte einen neuen Schliff, die Ringstraße und die dazugehörigen Bauten wurden gebaut, Arbeitskräfte gebraucht. Ab 1850 zog es immer mehr Menschen von Böhmen und Mähren nach Wien.

Fialas Familienchronik erzählt auch eine Geschichte abseits von Stereotypen: Die Vielfalt der Wiener Tschechen langte weit über die Ziegelböhm oder die Böhmische Küche hinaus. Fialas Großmutter zählte mit einem eigenen Lebensmittelgeschäft in Simmering bald zu den Gewerbetreibenden. "Natürlich waren viele Tschechen in den Ziegeleien beschäftigt. Gemessen an der gesamten tschechischen Bevölkerung in Wien war es nur ein kleiner Teil. Es waren viele Handwerker und Gewerbetreibende dabei", entkräftigt Regina Wonisch vom "Forschungszentrum Historischer Minderheiten" das Klischee. "Manchmal waren es Karrierewege, die Beamten, Uni-Professoren oder Politiker nach Wien führten", ergänzt die Historikerin Vlasta Vales.

Zunehmende Ängste
Wahrgenommen wurden von der Mehrheitsbevölkerung hauptsächlich die arbeitenden Tschechen. Mit ihrer steigenden Zahl nahmen Ängste und Ressentiments innerhalb der Wiener Bevölkerung zu. Waren die Tschechen als notwendige Arbeitskräfte willkommen, ändert sich diese "Willkommenskultur" mit dem sozialen Aufstieg, der vielen Migranten nach und nach gelingt.

weiterlesen auf Seite 2 von 3




6 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-03-09 15:17:06
Letzte Änderung am 2016-03-09 15:45:20


Buwog-Prozess

Die Bewegungen des Karl-Heinz Grasser

- © apa/Fohringer Wien. Karl-Heinz Grasser ist verärgert - wegen eines Dokuments. "Es ist nicht das Papier wert, auf dem es gedruckt ist", schimpft er... weiter




Vor Gericht

Ende mit Fluchtversuch

Für den Angeklagten, der sich auf freiem Fuß befand, klickten noch im Gerichtssaal die Handschellen. - © dpa/Patrick Pleul Wien. Zwölf Jahre Haft. So lautet das - nicht rechtskräftige - Urteil gegen einen Zeitungszusteller, der eine Jugendliche in seinem Auto missbraucht... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "SPÖ hält Unterlagen zurück"
  2. Wer keine Urbanität mag, soll aufs Land ziehen
  3. Wirtschaftskammer fordert antraglose Steuererklärung
  4. Start in die heiße Phase
  5. Plüsch auf vier Rädern
Meistkommentiert
  1. Wer keine Urbanität mag, soll aufs Land ziehen
  2. Wien folgt Melbourne als lebenswerteste Stadt der Welt
  3. Die Grünen geben ihre Institution auf
  4. ÖVP beantragt Sonder-Gemeinderat
  5. Vassilakous Nachfolger

Edip Sekowitsch

"Der Setschko war ein Fighter"

Den Sekowitschweg gibt es seit 2012 - doch jetzt wurde er offiziell eingeweiht und gesegnet. - © Schmölzer Wien. Wenn man ihn danach fragte, redete Edip Sekowitsch bereitwillig über seine alte Leidenschaft. Nur vom Äußeren her hätte dem Besitzer eines... weiter




Holzhochhaus

Hoch hinaus mit Holz

Das weltweit höchste Holzhochhaus entsteht in der Seestadt Aspern. - © RLP Ruediger Lainer und Partner Wien/Dornbirn. Das weltweit höchste Holzhochhaus soll in der Seestadt Apern entstehen. Seit mehr als einem Jahr wird an dem Bauwerk aus 24 Stockwerken... weiter




Geschichte

Bitte à la Giraffe!

Wildlife Animals - © Chris Van Lennep Wien. Die Geschichte fängt harmlos an: 1828 erhielt Kaiser Franz I. (II.) vom Vizekönig von Ägypten eine Giraffe, die dieser wiederum im Tiergarten... weiter





Leinenpflicht

Hunde-Sünder im Visier: Schwerpunktkontrollen starten

Stadträtin Ulli Sima. - © apa/Hochmuth Wien. Wiens Hundehalter werden wieder verstärkt in die Pflicht genommen. Gestern, Donnerstag, startete die Wiener Polizei gemeinsam mit dem... weiter






Werbung