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Update: 22.04.2016, 10:14 Uhr

250 Jahre Wiener Prater

Affentheater im Wurstelprater




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Von Clemens Marschall

  • Der Prater feiert 2016 seinen 250. Geburtstag: "Unbekannte Pratergschicht’n" Teil XIII.

Beliebte Ansichtskartenmotive waren die Tiergärten und Affentheater viele Jahre lang.

Beliebte Ansichtskartenmotive waren die Tiergärten und Affentheater viele Jahre lang.

Wien. "Die Geschichte der Tierschauen in Wien ist lang", erzählt Robert Kaldy-Karo, der Direktor des Wiener Circus- und Clownmuseums, während er durch das Musum führt. "Schon Ende des 18. Jahrhunderts fand man am Ende der damaligen Jägerzeile - heute Praterstraße - zeitweilig Tierschauen. 1783 gab es bereits ein ‚Tierkabinett‘ direkt im Prater, aber bis in die 1830er Jahre waren diese Schauen noch eher bescheiden."

Programmplakat von 1899: "Neu angekommen: 1 circa 1 Jahr alter Elefant"

Programmplakat von 1899: "Neu angekommen: 1 circa 1 Jahr alter Elefant" Programmplakat von 1899: "Neu angekommen: 1 circa 1 Jahr alter Elefant"

1829 etwa zeigte Thomas Gulley aus London eine Klapperschlange, eine Anakonda, Harlekin-Korallenschlangen und ein Krokodil. Kaldy-Karo erzählt die Geschichte weiter: "Ab den 1840ern wuchsen die Menagerien im Prater aus dem Boden. Allen voran wurde Heinrich Schreyer zu einem legendären Dompteur und Praterunternehmer." 1845 kaufte Schreyer eine Bretterbude und eröffnete 1847 darin sein Affentheater für die "vierfüßige Künstlerschaft", wie er sie nannte.

Dort konnte man Vorstellungen wie "Die moderne Fahrt in den Prater oder Reiseabenteuer einer Äffin" bestaunen. Bei den Affentheatern wurden, wie auch bei den Menschen, in Programmheften die Namen der Bühnenfiguren angeführt. Beim Stück "Das Festessen der vierfüßigen Künstler" liest sich das auszugsweise so: "Paviano, ein Zweckessen-Arrangeur", "Hudriwudri, ein Gelegenheitdsdichter", "Hackauf, ein Virtuose", "Fresseviele, ein Zweckesser" und "Sattstopfl, ein Festesser". "Man hat sich zwar peu à peu vom blutigen Hetztheater abgehoben, aber der Tierschutz hat sich nur langsam ausgebreitet", so Kaldy-Karo. "Mitbegründer des Wiener Tierschutzvereins war 1846 der bekannte Wiener Schriftsteller Ignaz Franz Castelli, und ab da hat sich das immer weiter entwickelt."

Die erste Aufführung in Schreyers Affentheater fand zwar offiziell schon zum Wohle des "Antiaffenquälvereines" statt, aber eher paradoxerweise, wie Kaldy-Karo meint: "Affen haben selten den Winter überlebt: sie wurden falsch gefüttert und die Objekte waren nicht geheizt. Aber jeder hatte seinen Affen, auch unbekannte Straßenmusikanten. Ein Affe war zirka 12 Gulden wert - das war nicht viel Geld und mag auch der Grund dafür sein, warum sie damals allgegenwärtig waren, wie man auf historischen Stichen sieht."

In Schreyers Aufführungen zu sehen waren nicht nur Affen, sondern auch Pferde und Hunde - großteils Pudel. "Teilweise ritten die Affen auf Pferden, Hunde und Ziegen sind aber auch als ihre Reitpferde verkleidet worden. Die Affen wurden in steirische Volkstrachten gesteckt und tanzten zu steirischer Volksmusik", erzählt Kaldy-Karo anhand von Stichen aus dem Museumsarchiv. "Diese Shows müssen Mordsspektakel gewesen sein, die sicherlich sehr unkontrolliert abgelaufen sind: die Hunde haben die Affen gebissen, die Affen die Hunde, und alle zusammen die Vorführenden. Wahnsinn muss auch gewesen sein, die ganzen Affen in Kostüme zu stecken - also artgerecht kann das nicht zugegangen sein."

Es wurden Kriegsszenen nachgespielt, die Erstürmungen von Festungen etwa. Beim Wiener Publikum war das sehr beliebt, wobei die denkende Schicht schon damals von Tierquälerei gesprochen hat." Das Theater muss gut gegangen sein: Heinrich Schreyer starb am 22. August 1847 schon vier Monate nach der Eröffnung, aber er hinterließ seiner Familie neben dem florierenden Geschäft 30.000 Gulden - und 15 Affen, 13 Hunde, einen Eisbären, eine Gazelle, eine Hyäne, einen Leoparden, einen Tiger, einen Luchs, einen Ameisenbären, eine Riesenschlange, ein Zebra, zwei Pelikane, zwei Strauße und etliche Löwen. In Schreyers Nachlass wurden die 15 Affen auf 180 Gulden, die 13 Hunde auf 65 Gulden, ein Ameisenbär auf 10 Gulden, und die zwei Strauße auf 200 Gulden geschätzt. Johanna Schreyer führte die Menagerie nach dem Tod ihres Mannes weiter, allerdings unter Leitung von Carl Orban, der selber einen "Affencircus" hatte.

Menagerien
und Walkadaver

Die Konkurrenz zu jener Zeit schlief nicht: 1847 besaßen die Herren Nawratil und Wilhelm ebenfalls Menagerien im Prater; das "Niederländische Affentheater" von Broekman gastierte 1862 auf der Circuswiese. Besonders beliebt bei Broekman war die Äffin Pompadour mit einem blauen Mandrill als Diener, berichtet Kaldy-Karo und nimmt einen Original-Programmzettel aus einer Archivmappe: "Pompadour dürfte über die Bühne stolziert sein, wobei sie entweder selbst über die Schleppe ihres Kleides gestolpert oder ihr Diener draufgestiegen ist. Auf dem Programmzettel steht ironischerweise ‚Der noble Spaziergang der Madame Pompadour oder: Fatalitäten eines Schleppkleides‘."

Graf Johann Wilczek gründete 1863 den Tiergarten am Schüttel, wo bald 218 Säugetiere, 929 Vögel und 14 Reptilien hausen sollten. Schon 1866 aber musste der Tiergarten schließen und versteigert werden, weil die Einnahmen zu gering waren. Kaldy-Karo führt aus: "Großer Konkurrent war der kaiserliche Tiergarten Schönbrunn. Der hat ihnen das Wasser abgegraben - auch, weil der frei zugänglich war. Aber was man zu Wilczek noch sagen kann: er war damals einer der schönsten und reichsten Männer der Monarchie, hat die Payer-Weyprecht-Expedition zum Nordpol finanziell unterstützt - und wahrscheinlich ein G‘spusi mit der Schauspielerin Katharina Schratt gehabt."




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250 Jahre Wiener Prater

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-04-21 22:26:10
Letzte Änderung am 2016-04-22 10:14:04


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