• vom 06.05.2016, 18:10 Uhr

Stadtleben


Brunnenmarkt

"Er hat in einer ganz anderen Welt gelebt"




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  • Eine Frau aus dem Brunnenmarktgrätzel schildert ihre Eindrücke von Francis N.

Wien. (aum) Völlig unmotiviert einen wildfremden Menschen auf offener Straße mit zahlreichen Eisenstangen-Schlägen zu ermorden, legt die Vermutung einer psychischen Störung nahe. Eine Vermutung, die auch bei Francis N. zutreffen dürfte, so sich bewahrheitet, dass er am Mittwoch die Reinigungskraft Maria E. am Brunnenmarkt auf eben diese Art und Weise getötet hat. Doch dass der Kenianer ein psychisches Leiden hat, davon sind Menschen, die ihn vom Sehen kennen, schon seit langem überzeugt.

"Als ich gehört habe, dass jemand im Brunnenmarktviertel umgebracht wurde, habe ich als erstes gedacht: Hoffentlich war es nicht der", erinnert sich Mara Simperler. Die Journalistin lebt seit sechs Jahren in der Ottakringer Straße ums Eck vom Brunnenmarkt. Immer, wenn sie dort vorbeiging - und das war mehrmals die Woche -, kam sie auch an Francis N. vorbei, und der war anders als die anderen. In dem Grätzel habe sie sich Berichten über Drogenkriminalität zum Trotz immer sicher gefühlt. "Ich hatte das Gefühl, das sind zum Großteil logisch denkende Menschen wie ich. Das war bei Francis N. immer anders. Bei ihm hat man gemerkt, dass er in einer ganz anderen Welt lebt", sagt Simperler. "Er ist immer völlig apathisch herumgestanden mit einer Hose, die ihm irgendwo um die Knie herumgeschlackert ist. Er hat immer irrsinnig nach Urin gestunken und ins Leere gestarrt." Und: "Er hat sich nie verändert, er war immer in derselben Position", beschreibt Simperler ihre Eindrücke, die sie mit vielen anderen teilt. "Es war für mich offensichtlich, dass er psychologische Hilfe braucht."


Wenn sie heute daran denkt, beschleicht sie auch ein schlechtes Gewissen. "Hätte ich etwas tun können, damit er die Betreuung kriegt, die er braucht?", fragt sich Simperler.




Schlagwörter

Brunnenmarkt, Francis N.

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Dokument erstellt am 2016-05-06 18:14:09



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