Qualitätszeit-Gründerin Daniela Weinholtz (l.) erklärt Margarete Kovar Smartphone & Co. - © Jenis
Qualitätszeit-Gründerin Daniela Weinholtz (l.) erklärt Margarete Kovar Smartphone & Co. - © Jenis

Wien. "I-c-h k-a-n-n D-i-c-h t-e-l-e-f-o-n-i-s-c-h n-i-c-h-t e-r-r-e-i-c-h-e-n", liest Margarete Kovar von ihrem Handy ab. Dann blickt die 75-Jährige auf und lacht. "Wenn ihr wüsstet, was ihr Jungen uns antut - mit der Technik", sagt sie und sieht hilfesuchend zu ihrem Coach. "Schön langsam, das wird schon werden", tröstet sie Daniela Weinholtz, die Mit-Gründerin und Vereinsobfrau von "Qualitätszeit". Jetzt wird erst einmal ein Klingelton gesucht, der auch ohne Hörgerät zu hören ist. Und die beiden konzentrieren sich wieder auf das neue Smartphone, das die rüstige ältere Dame von ihrem Sohn geschenkt bekommen hat.

Der im Jahr 2015 gegründete Verein hat im März diesen Jahres sein Ladenlokal in der Gumpendorfer Straße eröffnet und will älteren Menschen helfen, die digitalen Herausforderungen der Zeit zu meistern. Immerhin haben laut Statistik Austria rund 50 Prozent der 65- bis 74-Jährigen 2015 noch nie das Internet benutzt. "Wir zeigen ihnen wie sie zur Lösung kommen und lösen es nicht für sie", sagt Mit-Gründer Kornelius Pesut. "Wir wollen nämlich, dass sie sich auskennen." Rund 1000 Coaching-Stunden hat der Verein bis jetzt gegeben. Im Durchschnitt kämen zwei bis fünf Kunden pro Tag. Die Kosten für eine Coaching-Stunde seien bewusst niedrig angesetzt und liegen bei 35 Euro pro Einheit im Coaching-Wohnzimmer in Mariahilf und 45 Euro bei einem Hausbesuch.

Das Wichtigste:
Anrufe annehmen

"Machen wir nun das Wichtigste", so Coach Weinholtz, "Anrufe annehmen". "Da ist gar kein Hörer", ruft Kovar, "ah, hochziehen", wischt die 75-Jährige mit ihrem Finger über das Display. "Ich bin voll gut", sagt sie und lacht. "Voll gut", wird sie von Weinholtz bestätigt. Margarete Kovar lässt sich nicht unterkriegen. Seit gut einem Monat kommt sie wöchentlich hier her und genießt die persönliche Beratung: "Es geht mir nicht nur ums Lernen, sondern vor allem auch um die Unterhaltung und darum, dass ich am Laufenden bleibe", so die Dame mit dem bunten T-Shirt und der roten Perlenkette. Ihr Sohn und ihr Enkel hätten nur wenig Zeit und wie es so oft ist in den Familien: nur wenig Geduld.

Die Dame einen Tisch weiter, die ebenfalls eine Coaching-Stunde bekommt, kann das nur bestätigen. Das sei doch eh klar, höre man dann oft, wenn ein Familienmitglied einem anderen etwas erklärt. "Hier bin ich sehr gut aufgehoben", sagt Ingrid Dogan. Die 67-Jährige hat allerdings schon einiges an Erfahrung. Schon seit einigen Jahren hält sich die ehemalige Lehrerin für Medienpädagogik Smartphone- und Computer-fit. Nach ihrer fünften Coaching-Stunde ist sie bereits beim Thema Musik angelangt und sie will ihre erste CD brennen. "Ein CD-Laufwerk, hab’ ich das?" fragt sie ihren Tisch-Coach Luise Steinkellner. "Ja, am Dienstag sehen wir uns wieder, dann bitte unbedingt eine leere CD mitbringen."