• vom 21.07.2016, 15:11 Uhr

Stadtleben

Update: 29.07.2016, 15:25 Uhr

Wiener Prater

Die Erben der Zaubermeister




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Von Clemens Marschall

  • Der Prater feiert 2016 seinen 250. Geburtstag: "Unbekannte Praterg’schicht’n" Teil XXV.

Franz Steidlers Bauchrednerpuppe steht jetzt im Circus- und Clownmuseum.

Franz Steidlers Bauchrednerpuppe steht jetzt im Circus- und Clownmuseum.© Circusmuseum Franz Steidlers Bauchrednerpuppe steht jetzt im Circus- und Clownmuseum.© Circusmuseum

Wien. "Sebastian von Schwanenfeld, Basilio Calafati und Anton Kratky-Baschik: Das sind drei legendäre Zaubererkünstler, die es - nicht nur im Prater - zu großer Berühmtheit gebracht haben", so Robert Kaldy-Karo, der Direktor des Wiener Circus- und Clownmuseums. "Aber man sollte auch den vielen kleinen ein Denkmal setzen, die im Prater etwas geleistet haben, auch wenn sie nicht unbedingt die erste Garnitur waren."

Denn Praterbuden gab es unzählige, und die wurden betrieben, bespielt und bezaubert: etwa von der Familie Folkmann, so Kaldy-Karo: "Ludwig Folkmann sen. hatte zehn Kinder, von denen acht auf der Bühne Karriere machten - allen voran der älteste, Ludwig Folkmann jun. Er trat ab etwa 1900 unter dem Namen ‚Bellachini‘ als Artist, Zauberkünstler und Impressario auf." Bellachini eröffnete sein Zaubertheater gegenüber dem Restaurant "Zum Eisvogel" und war 1923 Mitbegründer und Direktor der Olympia-Arena im Prater, in der es Wild-West-Shows, Raubtierschauen und Zirkusdarbietungen zu sehen gab.

Information

Die Serie "Unbekannte Pratergschicht’n" von Clemens Marschall und seinem Berater Robert Kaldy-Karo erscheint zum runden Prater-Jubiläum wöchentlich in der Wiener Zeitung und beleuchtet eher obskure Nebenstränge der Geschichte des Praters. Gerade erschienen ist außerdem Kaldy-Karos Archivbildband "250 Jahre Prater" im Sutton Verlag. Wer darüber hinaus in die Materie eintauchen möchte, dem sei ein Besuch
der aktuellen Sonderausstellung "250 Jahre Wiener Prater" im Circus- und Clownmuseum Wien (Ilgpl. 7, 1020 Wien) empfohlen. Nähere Infos finden Sie auf www.circus-clownmuseum.at


Die Arena hatte 15.000 Sitzplätze, warb mit "populären Eintrittspreisen" und war gut besucht. Fred Folkmann war einer von Bellachinis Brüdern und trat bereits mit 16 als Tierstimmenimitator in den Wiener Varietés auf, so Kaldy-Karo: "Sein Schwager hatte einen Hund und einen Papagei, und wenn er den Hund ermahnte, hörte das der Papagei und wiederholte alles. Dadurch kam Fred auf die Idee, Tierstimmen zu imitieren. Er besuchte Zoos und Tierschauen, um verschiedene Laute einzustudieren."

Sven Orro war ein Schausteller und Hellseher, der sich in den 1920ern und 1930ern als "Meister der Gedankenleser" verkaufte. "Dazwischen ist er mehrmals pleite gegangen und immer wieder verschwunden", sagt Kaldy-Karo, während er ein kleines Büchlein mit dem Titel "Telepathie. Ihre Wesen und ihre Erlernung" aus einer Archivkiste zaubert: "Das hat Orro 1920 geschrieben und damit womöglich mehr verdient als mit seinen Zaubertricks." In der Einleitung steht wohlwollend: "Dem Ersuchen vieler meiner Anhänger Folge leistend, meine jahrelangen praktischen Erfahrungen auf dem Gebiete des Okkultismus zu veröffentlichen, lasse ich nun das erste Bändchen über Telepathie in die Welt fliegen. (...) All die vielen Werke über Telepathie stopften bisher das Hirn nur mit unnötigem Ballast voll. (...) Zum ersten Male soll darum hier mit dem Geheimnis gebrochen werden. Nicht wie das Problem der Telepathie steht, sondern worin der tatsächliche Inhalt dieser Kunst besteht, wie sie jeder Befähigte erlernen (...) kann, das soll Gegenstand und Zweck meines vorliegenden Werkchens sein." Zwar klingt das alles sehr hochtrabend, doch musste der Aufschneider und Bankrottier bald für immer untertauchen und hoffen, nicht von seinen Gläubigern gefunden zu werden.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-07-21 15:14:06
Letzte ─nderung am 2016-07-29 15:25:56



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