• vom 24.07.2016, 17:30 Uhr

Stadtleben

Update: 25.07.2016, 13:02 Uhr

Surfen

Wien schlägt Wellen




  • Artikel
  • Lesenswert (7)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Matthias Staudinger

  • Mit der City Wave können Besucher am Schwarzenbergplatz erste Surf-Versuche unternehmen.

Als Vorbild für die Wiener Welle diente der Münchener Eisbach.

Als Vorbild für die Wiener Welle diente der Münchener Eisbach.© Haiwo Als Vorbild für die Wiener Welle diente der Münchener Eisbach.© Haiwo

Wien. Mit ihren Neoprenanzügen, Helmen und Surfboards sieht die kleine Gruppe fast schon professionell aus. Um Profis handelt es sich dabei aber nicht. Zwei Familien mit jeweils einem Kind, drei Jugendliche und zwei junggebliebene Erwachsene machen gerade ihre ersten Surf-Schritte. Nach einer kurzen Instruktion der Betreuer geht es auch schon los. Die Gruppe bewegt sich zum Beckenrand und die Ersten legen ihre Boards auf die Welle.

Die City Wave, ein künstliches Surfgelände, befindet sich im 3. Bezirk, gleich vor dem Hochstrahlbrunnen am Schwarzenbergplatz. Auf einer Fläche von 1000 Quadratmetern erfahren die Besucher ein bisschen Urlaubsstimmung. Entspannte Soul-Musik vermischt sich mit Straßenlärm, Palmen dekorieren das Areal und die Menschen, die es sich in den Liegestühlen gemütlich gemacht haben, vergessen beinahe, in einer Großstadt zu sein.

Ist man erst im Wasser, hängt alles von einer Stange ab. Um die ersten Versuche auf dem Board für Anfänger etwas leichter zu machen, wird eine Haltestange über dem 7,5 Meter breiten Becken befestigt. Die Balance auf dem Brett zu halten, ist für viele nicht einfach. Einige schaffen es nicht einmal, sich bis zur sicheren Stange vorzutasten - auch, wenn diese nur einen halben Meter entfernt ist.

Zuerst das Üben an der Stange...

Zuerst das Üben an der Stange...© Haiwo Zuerst das Üben an der Stange...© Haiwo

Ausgespuckt

Wer vom Brett fliegt, wird von der Welle mitgezogen und am unteren Beckenrand wieder ausgespuckt. Gelingt es auch beim zweiten Versuch noch nicht, sich über Wasser zu halten, kommen die Betreuer zu Hilfe.

Die Betreuer entsprechen dem typischen Surfer-Klischee. Sie haben lange Haare, tragen lässige Kapperl und Sonnenbrillen. Doch schon nach ein paar Runden an der Stange haben die meisten den Dreh raus. Jetzt beginnt die wahre Kunst. Jetzt geht es quasi ins offene Gewässer - ganz ohne Haltestange. Nach ein paar Durchgängen schafft es sogar ein kleiner Bub, von der einen Seite des Beckens zur anderen zu reiten - das Publikum ist begeistert und applaudiert lautstark.

... bevor es ohne Hilfsmittel aufs Surfbrett geht.

... bevor es ohne Hilfsmittel aufs Surfbrett geht.© Haiwo ... bevor es ohne Hilfsmittel aufs Surfbrett geht.© Haiwo

Münchner Technik

Mitorganisator Michael Krikula wollte es auch für die Wiener möglich machen, das Leben in der Stadt mit dem Surfen zu verbinden, auch ganz ohne Meer. Inspiration für die Einrichtung ist der Münchner Eisbach, auf dem mithilfe von Unterwasserbauten eine künstliche Welle geformt wird. Der Wiener Standort kann noch etwas mehr. Es lässt sich nicht nur eine Welle formen, sie lässt sich auch regulieren. Für Anfänger macht man sie kleiner und schwächer, für Profis wird sie auf bis zu 1,4 Meter erhöht und der Wasserfluss wird verstärkt.

Die Technik stammt von einem Münchner Ingenieurspaar, das schon im Jahr 2010 am Münchner Flughafen ein Surf-Gelände installiert hat. Für Krikula ist die Aktion ein voller Erfolg: "Wir hatten bis jetzt mehr Besucher, als wir uns erträumen konnten."

Seit der Eröffnung des Areals am 9. Juni diesen Jahres konnten insgesamt 100.000 Besucher verzeichnet werden. Unter den Besuchern gab es 2500 surfende Gäste. Das Publikum ist bunt durchmischt. Wiener, die die Gelegenheit zum Surfen nutzen wollen, kommen genauso wie Business-Leute, die nach der Arbeit noch einen Cocktail am Sonnendeck trinken wollen. Auch Touristen finden ihren Weg zur City Wave. Sehenswürdigkeiten wie die Karlskirche liegen schließlich gleich daneben.

Knackpunkt Kosten

Billig ist das Surf-Vergnügen allerdings nicht. Ein Termin mit bis zu zwölf Personen kostet 39 Euro. Die Einheit dauert 50 Minuten. Für jeden Teilnehmer bleiben durchschnittlich nur vier Minuten im Wasser, ein Preis von zehn Euro die Minute also. Surfbrett und Helm sind im Preis inkludiert, das Leihen eines Neoprenanzugs kostet allerdings noch einmal fünf Euro. Können bei den Anfängern noch mehrere Kunden gleichzeitig im Becken surfen, solange die Haltestange befestigt ist, darf im "freien Wasser" aus Sicherheitsgründen immer nur eine Person im Becken sein. Umbuchungen oder Stornierungen bei Schlechtwetter sind nicht möglich, gesurft wird, solange die Sicherheit der Teilnehmer nicht gefährdet ist.

Die kleine Gruppe hat es geschafft. Die Teilnehmer ziehen die nassen Anzüge wieder aus. Den Surf-Anfängern scheint es aber gefallen zu haben. Eine Teilnehmerin streicht sich durchs Haar, sie ist völlig durchnässt, aber glücklich: "Ich hätte gleich weitermachen können."





Schlagwörter

Surfen

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-07-22 16:35:06
Letzte Änderung am 2016-07-25 13:02:34


Prozess

Kritik an Verurteilung von Sigrid Maurer

GERICHTSVERHANDLUNG WEGEN †BLER NACHREDE: MAURER / WINDHAGER - © APAweb / Hans Punz Wien. Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten. "Eine rechtspolitische Sauerei" sei das Urteil, sagte Medienanwalt Michael Pilz... weiter




Vor Gericht

Mit Hakenkreuz im Badezimmer

- © dpa/Bernd Thissen Wien. "Ein Volk. Ein Reich. Ein Führer", stand auf dem Hitler-Plakat, das in der Wohnung des Angeklagten hing. Reichskriegsflaggen hortete er... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Jetzt schon vorweihnachtlich
  2. Der Bau des U2/U5-Linienkreuzes verzögert sich
  3. Postfilialen verschwinden
  4. Wiener Stätte des Frohsinns
  5. Engel mit Kamm und Schere
Meistkommentiert
  1. Shoah-Gedenkmauer fix
  2. Nichts zu machen?
  3. Bis zu 1.400 Notschlafplätze für Obdachlose
  4. Jetzt schon vorweihnachtlich
  5. Zu schnell für den Gehsteig

Bürgerbeteiligung

"Es ist noch nichts entschieden"

Gemeinsam an einem Tisch diskutierten Anrainer, Planer, Experten und Politiker in Mariahilf über Umgestaltungskonzepte. - © Diva Shukoor Wien. Es ist kurz vor 18 Uhr im Haus der Begegnung Mariahilf. Der Veranstaltungssaal ist bereits gut gefüllt, die Mitarbeiter des Planungsbüros Zwopk... weiter






Advent

Jetzt schon vorweihnachtlich

Jetzt schon vorweihnachtlich Wien. Ab dieser Woche kann man sich auf den Wiener Christkindlmärkten auf die Weihnachtszeit einstimmen. Die ersten Märkte, am Spittelberg...

Moshe Jahoda Platz

"Grandpa, I hope you’re watching"

"Grandpa, I hope you’re watching" Wien. Der Wind bewegt die Zweige der kahlen Bäume, während das Totengebet, gesungen von Shmuel Barzilai, Oberkantor der israelitischen Kultusgemeinde...




Werbung