Ein Klavier im MQ. - © fotolia
Ein Klavier im MQ. - © fotolia

Wien. Musik verbindet bekanntlich. Nun soll sie auch etwaigen Hass oder Irritationen zwischen den verschiedenen Kulturkreisen abbauen und angesichts der seit Monaten in Österreich herrschenden Flüchtlingskrise Brücken schaffen. Laut jüngsten Umfragen ist die Angst vor Zuwanderung derzeit die größte Sorge der Österreicher, noch vor der Arbeitslosigkeit. Deshalb soll Wien an diesem Wochenende wieder einmal seinem Ruf als Welthauptstadt der Musik gerecht werden und ein Zeichen setzen: Unter dem Motto "Open piano for refugees - Hau in die Tasten" veranstaltet "Dunkelbunt" an diesem Wochenende im Haupthof des Museumsquartiers drei Tage lang einen Pianomarathon, um Geld für Flüchtlinge zu sammeln.

Dunkelbunt ist übrigens der Künstlername des 1979 in Hamburg geborenen Musikers, Musikproduzenten, Bandleaders und DJs Ulf Lindemann, der seit 2001 als freischaffender Künstler in Wien lebt und sein eigenes Plattenlabel betreibt. Die Idee hinter der Veranstaltung will er sehr simpel verstanden wissen: Um die Barrieren zu senken, stellt er ein Klavier in den Hof, ohne Bühne und ohne Allüren. Jeder kann darauf an den drei Veranstaltungstagen tagsüber spielen, egal was. Geflüchtete genauso wie Einheimische. Eine Bühne gibt es absichtlich nicht. Nur einen Hinweis des Veranstalters, der lautet: "Schenkt den Musikern bitte Ruhe, setzt euch nieder und genießt die Klänge."

"Es ist eine wunderbare Idee. Wir können mit unseren Freunden gemeinsam musizieren und noch dazu etwas Gutes tun", sagt Shagayegh Askani, die aus dem Iran geflüchtet ist, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Sie hält solche Veranstaltungen für außerordentlich wichtig. "In Zeiten wie diesen, wo manche Menschen glauben, dass alles Böse von den Flüchtlingen ausgeht, muss man zeigen, dass wir auch nur Menschen sind, die oft einen schweren Weg gegangen sind und nichts als etwas Anerkennung wollen."

Entzweiung der Gesellschaft

Dass sich einige Geflüchtete nicht an die Regeln des Gastlandes halten und dadurch alle in Mitleidenschaft gezogen werden, erzürnt sie sehr. "Ein Asylant begeht eine Sexualstraftat und dann geht die Spirale los. Sokrates ist Grieche. Sokrates ist Philosoph. Alle Griechen sind Philosophen", erklärt sie. Und schon habe man eine Entzweiung der Gesellschaft, weil Flüchtlinge als bedrohendes Element gesehen würden. Hier könne nur die Musik "Wunder bewirken". Deswegen will Shaghayegh auch im Museumsquartier Klavier spielen, um zu verbinden.

Abends werden dann übrigens zusätzlich professionelle Klavierkonzerte veranstaltet. Dabei werden zudem Spenden generiert, welche in Musikprojekte mit Geflüchteten fließen. Das Projekt soll die Interaktion in der Öffentlichkeit fördern, den öffentlichen Raum kunstvoll beleben sowie für eine positive öffentliche Präsenz von Geflüchteten sorgen. Idealerweise verlassen die Zuhörer die Veranstaltung mit dem Gefühl, dass Musik weder zwischen Religion noch Herkunft unterscheidet und vereint. Wien ist übrigens nicht die einzige Station des Projekts. Vor wenigen Tagen fand es in Lindau in Vorarlberg mit großem Erfolg statt. Weitere Stationen nach Wien könnten folgen.