• vom 28.09.2016, 14:07 Uhr

Stadtleben

Update: 28.09.2016, 14:14 Uhr

Registrierkasse

Die Perle vom Rosenhügel




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Von Arian Faal

  • Die älteste Greißlerin Wiens kämpft nach 50 Dienstjahren um den Fortbestand ihres Geschäfts. Ein Lokalaugenschein.

Leopoldine Plesch ist eine von rund 70 letzten Greißlerinnen. Vor allem bei der älteren Generation erfreut sie sich noch großer Beliebtheit. "Sie brauchen mich, und ich brauche sie", sagt die 77-Jährige dazu. - © Stanislav Jenis

Leopoldine Plesch ist eine von rund 70 letzten Greißlerinnen. Vor allem bei der älteren Generation erfreut sie sich noch großer Beliebtheit. "Sie brauchen mich, und ich brauche sie", sagt die 77-Jährige dazu. © Stanislav Jenis

Wien. Es ist 4.30 Uhr und die rüstige Leopoldine Plesch setzt sich trotz ihres Alters, immerhin stolze 77, wie eh und je in ihr Auto, und fährt zum Großmarkt. Zwei Mal in der Woche besorgt die Kult-Greißlerin am Rosenhügel noch persönlich die wichtigsten Einzelwaren für ihre treue Stammkundschaft. Das Brot und Gebäck kommen von einem Liesinger Bäcker, der noch täglich frisch bäckt, aber leider nicht liefert. "Aufgebackenes Tiefkühlgebäck kommt für meine Kunden nicht in Frage", sagt Plesch, die daher auch mehrmals in der Woche zum Bäcker fährt.

"Ich habe in den vergangenen 50 Jahren so viele Bäcker überlebt. Die meisten gibt es nicht mehr. Früher haben die Traditionsbäcker ins Geschäft geliefert, doch das ist jetzt bei der kleinen Menge, die ich ihnen abnehme, nicht mehr drinnen", erklärt sie mit einem wehmütigen Blick. Denn ihr Lebenswerk könnte bald schon Geschichte sein, wenn man sie zwingt, die Registrierkasse einzuführen. "Die Registrierkasse wäre mein Sargnagel", erklärt sie. Bis Ende des Jahres hat man ihr noch eine Schonfrist eingeräumt.


Für ältere Stammkundschaft unverzichtbar
Mittlerweile ist es 5.30 Uhr. Vor dem Geschäft von Plesch wartet bereits der erste Kunde. Er hilft ihr beim Ausladen. "Das ist Morgensport und wir sind wie eine Familie", erklärt er stolz. Dann gehen die Lichter im kleinen Geschäft an. Die Zeit ist stehengeblieben, zumindest hier in der Karl-Schwed-Gasse.

Eine uralte Eskimo-Eiskarte, nostalgische Tiefkühltruhen und Regale aus anno dazumal versprühen sofort den klassischen Greißler-Touch, den es in Wien fast nicht mehr gibt. Mit ihrem kleinen Laden versorgt Leopoldine Plesch seit fünf Jahrzehnten ein sonst weniger erschlossenes Grätzel im 23. Bezirk: Wurst, Käse, Säfte und Gebäck, sowie Hygiene- und Haushaltsartikel kann man bei ihr u.a. kaufen. Das Motto lautet seit jeher: "Was wir nicht haben, wird besorgt."

Das wissen ihre Stammkunden sehr zu schätzen. "Sie ist seit Jahrzehnten die Perle vom Rosenhügel, die soziale Seele dieser Umgebung", sagt etwa Christa L. "Und wissen Sie was, man geht als älterer Mensch oft nicht nur hin, weil man Lebensmittel braucht, sondern weil man geistige Nahrung, das persönliche Gespräch mit Frau Plesch braucht", ergänzt sie. Diese Psychohygiene sei für ihre Kunden sehr wichtig, erklärt auch die vitale Greißlerin selbst. "Die persönliche und liebevolle Beratung, die Erfüllung sämtlicher Sonderwünsche und der Vorteil der individuellen Besorgung von Artikeln, die im Supermarkt oft nicht erhältlich sind, machen den Unterschied aus."

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Schlagwörter

Registrierkasse, Greißler, Wien

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-09-28 14:11:05
Letzte Änderung am 2016-09-28 14:14:05


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