• vom 24.04.2008, 12:43 Uhr

Stadtleben

Update: 24.04.2008, 12:56 Uhr

Museumsstücke

Stadt des Weins




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Von Johann Werfring

  • Dass in Wien von alters her die Landwirtschaft, insbesondere der Weinbau, einen hohen Stellenwert hatten, ist am Kopfschmuck der "Vindobona" vom alten Bürgerversorgungshaus am Alsergrund abzulesen.

"Vindobona"-Figur vom Wiener Bürgerversorgungshaus, geschmückt mit Ähren, Trauben und Weinblättern, um 1860. Fotos: Werfring

"Vindobona"-Figur vom Wiener Bürgerversorgungshaus, geschmückt mit Ähren, Trauben und Weinblättern, um 1860. Fotos: Werfring

"Vindobona"-Figur vom Wiener Bürgerversorgungshaus, geschmückt mit Ähren, Trauben und Weinblättern, um 1860. Fotos: Werfring

"Vindobona"-Figur vom Wiener Bürgerversorgungshaus, geschmückt mit Ähren, Trauben und Weinblättern, um 1860. Fotos: Werfring "Vindobona"-Figur vom Wiener Bürgerversorgungshaus, geschmückt mit Ähren, Trauben und Weinblättern, um 1860. Fotos: Werfring

In der aktuellen Ausstellung des Wien Museums in der Hermesvilla im Lainzer Tiergarten ist als Personifikation Wiens unter der Objektbezeichnung "Vindobona, die Armut aufnehmend" eine weibliche Steinfigur zu sehen. Die "Vindobona" befand sich einst als Bauschmuck auf dem Dach des 1860 vollendeten Wiener Bürgerversorgungshauses in der Alservorstadt. An der Stelle des ehemaligen Bürgerversorgungshauses, im Kreuzungsbereich der Spitalgasse und der Währinger Straße, befindet sich heute der Arne-Carlsson-Park.


Das Bürgerversorgungshaus diente als Wohnstätte für die armen Bürger Wiens. Bereits seit dem Mittelalter gab es in der Donaumetropole derartige Versorgungshäuser. Der Vorläuferbau etwa befand sich in St. Marx, und als das Bürgerversorgungshaus 1926 aufgelassen wurde, übersiedelten dessen Pfleglinge in das Versorgungshaus Lainz.

Der Nutzung des Bürgerversorgungshauses als eine Unterbringungsstätte für Arme entsprach das Figurenprogramm auf dem Dach des Gebäudes an dessen Frontseite. Das Zentrum der Figurengruppe bildete die "Vindobona", die wie eine "Schutzmantelmadonna" gestaltet war. Die Figur war imposant ausgeführt und hatte eine Höhe von etwa sechs Metern.

Unter dem ausgebreiteten Mantel der "Vindobona" suchten ein alter Mann und eine ärmliche Frau Schutz. Flankiert wurde dieses steinerne Trio von den überlebensgroßen Skulpturen der heiligen Elisabeth und des heiligen Martin von Tours, die in ganz Europa als ausgesprochene Sinnbilder der Barmherzigkeit galten. Gestaltet wurde die Gruppe von dem Bildhauer Franz Melnitzky (1822 bis 1876), der später zu einem der bedeutendsten Bauplastiker der Wiener Ringstraße avancierte.

Beim Abriss des Wiener Bürgerversorgungshauses wurden die Steinfiguren in mehrere Teile zerlegt und in ein städtisches Depot verfrachtet. Von der einst sechs Meter hohen "Vindobona" ist heute nur noch als oberster Teil die Büste mit einer Höhe von 115 Zentimetern erhalten.

Auf die Personifizierung Wiens als Frau verweisen einerseits das Kreuz im Brustschild und andererseits die Krone, welche die alte Stadtbefestigung symbolisiert. Höchst bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch der Kopfschmuck, der neben mehreren Ähren vor allem aus Weintrauben und Weinlaub besteht.

Das herrlichste Weingebirge

Wien galt in der Habsburgermonarchie jahrhundertelang als vortreffliches Weingebiet. Aus einem 1582 in München erschienenen "Weinbuch" erfahren wir, dass das "Wiener Weingebirge", wie das Anbaugebiet rund um die Donaumetropole anno dazumal bezeichnet wurde, "das herrlichste, mächtigste, trächtigste und größte Weingebirg in Oesterreich ist". Heute ist Wien die einzige Weltstadt von Rang, in der es einen nennenswerten Weinbau gibt. Innerhalb Österreichs ist Wien sogar als selbständiges Weinbaugebiet klassifiziert.

Wien Museum Hermesvilla
Steinerne Zeugen
Relikte aus dem alten Wien

1130 Wien, Lainzer Tiergarten

Di bis So und Feiertag 10 bis 18 Uhr (bis 11. Jänner 2009)
www.wienmuseum.at



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2008-04-24 12:43:35
Letzte Änderung am 2008-04-24 12:56:00

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