• vom 28.11.2016, 17:36 Uhr

Stadtleben

Update: 28.11.2016, 18:46 Uhr

Nachbarschaftshilfe

Raus aus der Anonymität




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Von Alexandra Laubner

  • Nachbarschafts-Netzwerke boomen. Jetzt gibt es in Wien eine neue Initiative, die aus einem Studentenprojekt entstanden ist.

Aktuell gibt es 1300 registrierte User aus ganz Wien. - © Screenshot

Aktuell gibt es 1300 registrierte User aus ganz Wien. © Screenshot

Die Idee von Patrick Schranz war , die Wienerinnen und Wiener zusammenzubringen.

Die Idee von Patrick Schranz war , die Wienerinnen und Wiener zusammenzubringen.© Arnold Burghardt Die Idee von Patrick Schranz war , die Wienerinnen und Wiener zusammenzubringen.© Arnold Burghardt

Wien. Er kocht leidenschaftlich gerne, ist aber nicht der Typ Bastler. Schon gar nicht, wenn sein Fahrrad in Schuss gebracht werden sollte. Das muss er auch nicht, denn das können andere besser, ist Patrick Schranz überzeugt. Schranz, der zurzeit an der Wirtschaftsuniversität Wien sein Masterstudium in Finanzwirtschaft und Rechnungswesen absolviert, ist Hauptinitiator von "neighbours.help". Die neue Online-Plattform bringt Wienerinnen und Wiener zusammen.

Schranz nutzt das Netzwerk auch selbst. "Ich habe jemanden gesucht, der meine Gangschaltung einstellt, und habe ihn dann zum Essen eingeladen. Es ist auch schön, dass man die unterschiedlichsten Leute, die einem sonst in Wien nicht über den Weg laufen würden, kennenlernt", erzählt er. Nachsatz: "Natürlich sind wir keine Kontaktbörse."

Information

Es ist eine Grauzone, die nicht nur nicht nur die Wirtschaftskammer, sondern auch Betreiber von Nachbarschaftsplattformen wie Patrick Schranz beschäftigt. Wann fällt eine Dienstleistung unter Nachbarschaftshilfe und wann nicht? Wann muss Steuer gezahlt, wann ein Gewerbe angemeldet werden? "Jeder User muss wissen, welche gesetzliche Regelungen es gibt, deshalb haben wir auch kleines ABC auf der Startseite veröffentlicht", erklärt Schranz.

Die wichtigsten Punkte: Privatpersonen müssen keine Steuer zahlen, wenn die jährlichen Einkünfte aus der selbständigen Tätigkeit geringer als 730 Euro sind. Entgeltliche Tätigkeiten, die regelmäßig und mit Gewinnerzielungsabsicht erfolgen, unterliegen grundsätzlich einer Gewerbeanmeldung. Hier erfolgt einf Unterscheidung in drei Bereiche: Im Gegensatz zum "freien Gewerbe" ist bei "reglementierten Gewerbe" ein Befähigungsnachweis erforderlich. Bei neuen Selbständigen ist zwar keine Gewerbeanmeldung, aber eine Anmeldung bei der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) notwendig.


Alltagserleichterung im Fokus

Im Vordergrund bei "neighbours.help" stehen rasche und unkomplizierte Hilfe im Alltag - jemanden in Wien zu finden, der einem behilflich ist. Beispielsweise, wenn man ein Piratenkostüm für seine Kinder ausborgen und nicht kaufen will, dringend eine Bohrmaschine oder Hilfe bei der Montage von Möbeln benötigt, dann kann man kostenlose Suchaufträge erstellen. "Die Plattform deckt nur das Ich-suche-Segement ab, die Funktion der Bietaufträge gibt es nicht. "Der Unterschied zu anderen Nachbarschaftswerken ist, dass es nicht nach dem Facebook-System funktioniert, sondern wir uns um die Vermittlung kümmern", erklärt Schranz.

Ein Hauch Land in der Stadt

Patrick Schranz ist im südlichen Burgenland aufgewachsen und wohnt seit zehn Jahren in Wien. Er möchte mit "neighbours.help" das Land in die Stadt bringen - jedenfalls, was die Idee des Nachbarschafts-Netzwerkes betrifft. "Wenn man schnelle unkomplizierte Hilfe im Alltag braucht, findet man diese am Land sehr schnell. Der eine kann das gut, der andere wieder etwas anderes. Man hilft sich gegenseitig. Diese Idee wollten wir auf die Stadt übertragen. Nicht nur im Sinn der unmittelbaren Nachbarschaftshilfe, nicht begrenzt auf das Grätzel oder das Nebenhaus, sondern ausgeweitete auf ganz Wien. Wir verfolgen den Gedanken, dass wir alle in einer Stadt wohnen und wir alle Nachbarn sind", so Schranz.

Sechs Monate lang hat rund um dem Wirtschaftsstudenten ein dreiköpfiges Team Zeit und Geld in die Entwicklung der Plattform investiert. Die Idee entstand im Rahmen eines Uni-Seminars.

Aktuell verzeichnet "neighbours.help" 1300 registrierte User aus ganz Wien - "mit einem leichten Überhang der Inneren Bezirke", wie Schranz erklärt. Der Altersdurchschnitt liegt bei 37 Jahren. "Es sind auch sehr viele Wiener angemeldet, die über 60 Jahre alt sind", so Schranz.

Laufend Verbesserungen

Bei den meisten Suchaufträgen handelt es sich um Nachhilfe-Unterricht oder das Ausleihen von Werkzeugen. "Eine Dame hat beispielsweise einen Ofen gesucht, mit dem sie Weihnachtskekse backen kann. Es sind die unterschiedlichsten Dinge, auch außergewöhnliche. Beispielsweise hat sich eine Userin nach jemanden umgeschaut, der ihr einen Holundersirup zubereitet. Oder ein User hat einen Schlagzeuglehrer gesucht, weil er einen Trommelwirbel erlernen möchte", so Schranz.

Und was soll die Zukunft bringen? "Wir wollen weiterwachsen und machen laufend Verbesserungen. Jetzt haben wir eine Auftragsinfo eingebaut, damit sich die diejenigen, die Hilfe suchen, und jene, die helfen wollen, schneller finden", sagt Schranz, der sich im nächsten Jahr eine Ausweitung der Plattform auf die Wien-Umgebung und auf andere österreichische Städte vorstellen kann.

Aktuell ist die Nachbarschaftsplattform auf Wien begrenzt. "Es ist ein großer Vorteil, aus einem Know-how-Topf, der die ganze Stadt umfasst, zu profitieren. Denn jeder kann etwas gut. Und es gibt niemanden, der gar nichts kann", so Schranz.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-11-28 17:41:07
Letzte nderung am 2016-11-28 18:46:28



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