• vom 27.12.2016, 13:13 Uhr

Stadtleben

Update: 27.12.2016, 13:49 Uhr

Dreikönigsaktion

Ein Stern und 85.000 Sänger




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Von Mathias Ziegler

  • Rund 130.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene engagieren sich wieder bei der Dreikönigsaktion.

Zum ersten Mal haben die Sternsinger heuer die Eishockey-Cracks der Vienna Capitals besucht. - © Leo Vymlatil

Zum ersten Mal haben die Sternsinger heuer die Eishockey-Cracks der Vienna Capitals besucht. © Leo Vymlatil

Wien. Ein sehr wichtiger öffentlichkeitswirksamer Termin fällt heuer aus: In Ermangelung eines im Amt befindlichen Bundespräsidenten werden die Sternsinger heuer nämlich nicht die Wiener Hofburg besuchen, zumindest nicht die Amtsräume des Staatsoberhauptes. Denn Alexander Van der Bellen wird ja erst am 26. Jänner angelobt, und da ist aktuelle die Dreikönigsaktion (DKA) der Katholischen Jungschar schon wieder vorbei. Dafür haben die Eishockey-Cracks der Vienna Capitals am Dienstag zu Mittag erstmals die Sternsinger empfangen, gleich nach deren traditioneller Auftaktvisite bei Erzbischof Christoph Schönborn.

Bis 8. Jänner ziehen in Wien mehr als 4000 und österreichweit rund 85.000 Buben und Mädchen mit ihren goldenen Kassen von Haus zu Haus, begleitet von mehr als 30.000 Jugendlichen und Erwachsenen und unterstützt von weiteren 15.000 ehrenamtlich Tätigen, die Königsgewänder nähen und pflegen, für die hungrigen Sänger Mittagessen kochen oder mit ihnen die Lieder einstudieren.

Mehr als 500 Projekte in 20 verschiedenen Ländern

Mehr als 4000 Sternsinger sind bis 8. Jänner in Wien unterwegs.

Mehr als 4000 Sternsinger sind bis 8. Jänner in Wien unterwegs.© Foto: DKA/Feuersänger Mehr als 4000 Sternsinger sind bis 8. Jänner in Wien unterwegs.© Foto: DKA/Feuersänger

Gesammelt werden Spenden für mehr als 500 Projekte in 20 verschiedenen Ländern (siehe Weltkarte), mit denen mehr als eine Million Menschen unterstützt werden. Allein voriges Jahr wurden dabei in ganz Österreich 16,7 Millionen Euro ersungen (seit Beginn der Aktion 1954 sind insgesamt mehr als 400 Millionen Euro zusammengekommen).

Wie jedes Jahr gibt es auch diesmal ein Beispielland, das stellvertretend besonders hervorgehoben wird. Heuer ist das Tansania. "Unser Fokus dort liegt darauf, die Lebensgrundlage von Kleinbauern zu sichern, weil diese zu mehr als der Hälfte zur Produktion der Agrargüter im Land beitragen und auch einen recht großen Beschäftigungszweig darstellen", erläutert DKA-Geschäftsführer Jakob Wieser im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

500 Sternsingerprojekte in 20 Ländern der Welt werden mit Spendengeldern aus der Dreikönigsaktion finanziert.

500 Sternsingerprojekte in 20 Ländern der Welt werden mit Spendengeldern aus der Dreikönigsaktion finanziert.© Katholische Jungschar Österreich/DKA 500 Sternsingerprojekte in 20 Ländern der Welt werden mit Spendengeldern aus der Dreikönigsaktion finanziert.© Katholische Jungschar Österreich/DKA

Tansania wachse wirtschaftlich zwar recht stark, "aber die Landbevölkerung hat davon kaum etwas, weil die Regierung sehr stark auf Agrobusiness setzt und Exportgüter produzieren möchte", so Wieser. Und während nationale und internationale Konzerne immer mehr Land okkupieren, verarmen Familien und leiden Kinder unter Mangelernährung. "Uns wurde von Partnerorganisationen davon berichtet, dass Familien ihr Land weggenommen wurde. Unsere Unterstützung besteht deshalb einerseits in Rechtsberatung für die Kleinbauern und andererseits in Hilfestellung bei der Verbesserung der eigenen Produktion, damit sie sowohl für den Markt produzieren als auch ihre eigenen Familien ernähren können", erklärt der DKA-Geschäftsführer. Der Aufbau von Genossenschaften soll ihnen dabei helfen, gemeinsam den Anbau effizienter zu gestalten, bessere Preise zu erzielen und Zwischenhändler auszuschalten, die auch oft ein Teil der Armutsproblematik sind.

"Sternsingerspenden helfen nachhaltig", meint dazu Christina Pfister, die Vorsitzende der Katholischen Jungschar. "Denn das Ziel jedes Sternsingerprojektes ist es, die Menschen zu ermächtigen, ihr Leben langfristig selber in die Hand zu nehmen. Im Fachjargon heißt das Empowerment - Hilfe zur Selbsthilfe."

Die Motivation der Kinder fürs Sternsingen ist ungebrochen

Das Konzept, singend Geld zu sammeln, ist mittlerweile 62 Jahre alt. 1954 griff die Katholische Jungschar die alte Tradition der Neujahrssänger (schon im Mittelalter zogen als Könige verkleidete Männer mit einem Stern von Haus zu Haus und verkündeten singend Christi Geburt) auf und versah sie mit einer neuen Bedeutung. Dass die Heiligen Könige in der Regel jeweils als Trio plus Sternträger unterwegs sind, ist Papst Leo dem Großen zu verdanken. Der nämlich meinte, dass die drei überlieferten Geschenke der biblischen Sterndeuter aus dem Osten für das Jesuskind, Gold, Weihrauch und Myrrhe, auf drei Überbringer hinweisen würden.

Im heurigen Beispielland Tansania werden Bauernfamilien dabei unterstützt, ihre Existenzgrundlage zu sichern und zu verbessern.

Im heurigen Beispielland Tansania werden Bauernfamilien dabei unterstützt, ihre Existenzgrundlage zu sichern und zu verbessern.© Katholische Jungschar Österreich/DKA Im heurigen Beispielland Tansania werden Bauernfamilien dabei unterstützt, ihre Existenzgrundlage zu sichern und zu verbessern.© Katholische Jungschar Österreich/DKA

Dass die "Hilfe unter gutem Stern" längst mehr als bloß eine katholische Tradition ist, zeigt sich in der Erfahrung der Spendensammler immer wieder: Auch Nichtchristen öffnen ihre Geldbörsen, wenn die kleinen Könige vor ihrer Tür stehen und ihr Anliegen vortragen - nicht immer auf den richtigen Tönen, mitunter extrem laut oder sehr schüchtern (je nach Temperament), aber immer motiviert. Gilt es doch, am Ende des Tages die Gruppe mit der vollsten Kassa zu sein. Und auch wenn Erwachsene ob dieses Wettbewerbsgedankens den Kopf schütteln mögen, so geht es doch immerhin um einen guten Zweck.

Und es gibt ja auch schlechtere Möglichkeiten, sich als Kind die Ferienzeit zu vertreiben, als Stiegenhäuser hinauf und wieder hinunter zu laufen und eine Etage nach dem anderen durchklingeln zu dürfen - was für viele eine nicht unwesentliche Motivation sein dürfte, die sie auch nach dem sechsten Wohnhaus ohne Lift auf den Beinen hält. Zumal in der Regel nicht nur die goldene Kassa gefüllt wird, sondern auch der vom Begleiter getragene Sack. Denn viele Spender haben auch die eine oder andere Süßigkeit für die Sternsinger parat. Und am Ende wird dann fair unter den Königen aufgeteilt.

Kekse vom Erzbischof: Christoph Kardinal Schönborn hatte zur Auftaktvisite auch etwas für die Sternsinger selbst parat.

Kekse vom Erzbischof: Christoph Kardinal Schönborn hatte zur Auftaktvisite auch etwas für die Sternsinger selbst parat.© apa/Herbert P. Oczeret Kekse vom Erzbischof: Christoph Kardinal Schönborn hatte zur Auftaktvisite auch etwas für die Sternsinger selbst parat.© apa/Herbert P. Oczeret

"Für die Kinder ist die Motivation jedenfalls sehr breit gefächert", meint Wieser, der selbst gute Erinnerungen an diese Mischung aus Altruismus und kleinem Abenteuer hat. Und interessanterweise ist es in all den Jahren nicht schwieriger geworden, die Kinder zum Sternsingen zu motivieren. "Es überrascht mich jedes Jahr wieder, wie viel Engagement und Motivation wir hier erleben. Da sind auch in den mehr als 3000 Pfarren sehr viele Leute involviert, sodass die Dreikönigsaktion sehr gut läuft und die Zahl der teilnehmenden Kinder über die Jahre stabil geblieben ist."

TV-Tipp: "Hilfe unter gutem Stern - im größten Armutsviertel Afrikas"

Die ORF-Dokumentation zeigt, wie Menschen im größten Slum Afrikas in Nairobi (Kenia), durch Spenden aus der Dreikönigsaktion unterstützt werden:

1. Jänner 2017, 18.25 Uhr, ORF 2.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2016-12-27 13:17:14
Letzte Änderung am 2016-12-27 13:49:30


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